Symantec: Auf dem Weg zur Gewinnmaschine!

Die US-Softwarefirma schützt Unternehmen vor Hackerangriffen. Chef Greg Clark baut das Geschäft erfolgreich aus. Warum die Aktie gute Chancen bietet.
von Klaus Schachinger, Euro am Sonntag
Es läuft wieder. Die Softwarefirma Symantec, weltweit bei PC-Nutzern bekannt durch ihr Antivirenprogramm Norton Internet Security, ist zurück auf Wachstumskurs. Seit Mai 2016 hat sich der Aktienkurs verdoppelt. Vor einem Jahr noch steckte der Konzern aus dem Silicon Valley in der Klemme. Das Wachstum im PC-Markt war schon länger vorbei und damit auch die hohen Zuwachsraten für die Antivirenprogramme, die weltweit bei 50 Millionen Nutzern, meist Privatanwendern, installiert sind.
Die Nachfrage nach Schutzprogrammen steigt zwar, weil Hacker immer aggressiver werden. Doch für die raffinierten Angriffe der Datendiebe, die häufig über Smartphones, Tablets und zunehmend auch über die digitale Datenwolke Cloud laufen, reichen einfache Antivirenprogramme nicht mehr aus.
Über die Cloud sind zum Beispiel die Inhalte von Onlineshops wie Amazon oder Streaming-Diensten wie Netflix in vernetzten Rechenzentren gespeichert, sodass sie über das Internet von Kunden genutzt werden können. Auch Unternehmen, die immer häufiger Firmensoftware via Web im Abo nutzen, statt Lizenzen für jeden Arbeitsplatz zu kaufen, arbeiten in der Cloud. Symantec hatte mit seinem Angebot zu spät auf diese neuen Trends des Internetzeitalters reagiert. Deshalb musste Chef Michael Brown vor einem Jahr gehen.
Zwei Zukäufe bringen neuen Schub
Doch schon im Juni vergangenen Jahres hatte Interims-Chef Ajei Gopal mit dem 4,7 Milliarden Dollar teuren Kauf von Blue Coat eine geeignete Firma und mit Blue-Coat-Chef Greg Clark einen vielversprechenden Nachfolger gefunden. Zudem war Symantecs Geldspeicher gut gefüllt: Der Verkauf der Datenspeicher-Sparte Veritas hatte 2015 acht Milliarden Dollar eingebracht.
Der 52-jährige Branchenkenner Clark hatte einst Blue Coat erfolgreich aufgebaut und bringt jetzt Symantec überraschend schnell in Form. Blue Coat, spezialisiert auf die Abwehr von Hackerangriffen auf IT-Netze von Firmen und die Cloud, bringt das mit, was Symantec fehlte. Auch für Sicherheitssoftwareentwickler sind Datenwolken ein gewaltiger neuer Wachstumsmarkt. Dank Blue Coat hat Symantec jetzt weltweit neun Sicherheitszentren, die für Unternehmen rund um die Uhr verfügbar sind. Das ist eine notwendige Voraussetzung dafür, um als globaler Internetsicherheitsanbieter für Unternehmen gefragt zu sein. Die Firmenkundensparte mit 2,7 Milliarden Dollar Umsatz - etwas mehr als die Hälfte des Gesamtumsatzes im laufenden Geschäftsjahr - ist somit jetzt der neue Wachstumstreiber.
Etwas besser in Form ist inzwischen auch Symantecs schwächelndes Norton-Security-Geschäft mit Privatanwendern und kleineren Firmen. Clark fand mit der Software von LifeLock eine passende Erweiterung, um Symantecs Norton-Security-Programme attraktiver zu machen. LifeLock, eine Firma, die von Symantec erst im November 2016 für 2,4 Milliarden Dollar aufgekauft wurde, entwickelt Software zum Schutz persönlicher Daten im Web.
Mit den zwei großen Übernahmen, die jetzt gut integriert werden müssen, kommt der überfällige Umbau gerade noch rechtzeitig. Denn bisher war Symantec an dem vom Marktforscher IDC bis 2019 prognostizieren jährlichen Branchenwachstum von sieben Prozent auf weltweit 46 Milliarden Dollar Umsatz nur eingeschränkt beteiligt. Dass sich auch der finanzstarke Quereinsteiger Cisco, Weltmarktführer bei sogenannten Routern für den Datentransport im Web, seit geraumer Zeit Sicherheitssoftware als Ergänzung zum stagnierenden Stammgeschäft erschließt, zeigt, wie attraktiv der Markt ist. Und: Mit Blue Coat kann Symantec jetzt auch in kleinere Spezialmärkte vordringen, für die Marktforscher höhere Zuwächse erwarten als für den Gesamtmarkt.
Wichtiger Faktor für viele Nischen im Markt für Sicherheitssoftware: Die Anzahl der Hackerangriffe, bei der neuartige Schadsoftware in Umlauf gebracht wird, steigt ständig - 2016 weltweit um mehr als ein Drittel. Die Zahl der Fälle, bei denen persönliche Daten geklaut wurden, stieg um über ein Fünftel. Übrigens: Junge Firmen in Nischen wachsen schneller als die großen. Mit gut fünf Milliarden Dollar Cash kann sich Symantec weitere Zukäufe leisten, um das Wachstum weiter anzutreiben
Investor-Info
Symantec
Zweistelliges Gewinnplus
Im laufenden Geschäftsjahr (bis Ende März 2018) erwarten Analysten mit knapp fünf Milliarden Dollar Umsatz ein Plus von 18 Prozent. Der um Sondereffekte bereinigte Nettogewinn soll um 46 Prozent auf 1,1 Milliarden Dollar zulegen. Die Analysten von Morgan Stanley schätzen die operative Rendite für das nächste Geschäftsjahr auf 36 Prozent. Vor den beiden großen Zukäufen lag die Rendite bei 28 Prozent. Mit der erfolgreichen Wende ist Symantec ein aussichtsreiches Investment.
Übrigens: US-Aktien sind bei finanzen.net ZERO sogar bis 23 Uhr handelbar (ohne Ordergebühren, zzgl. Spreads). Jetzt kostenlos Depot eröffnen und Neukunden-Bonus sichern!
Weitere News
Bildquellen: Lichtmeister / Shutterstock.com, Minerva Studio / Shutterstock.com