04.08.2013 03:00
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Welcher Discountbroker bietet mehr?

Onlinebroker im Test 
Zertifikate werden kaum mehr in der Bankfiliale vertrieben. Erfahrene Anleger kaufen sie online, um ihr Depot zu sichern und mehr zu verdienen. €uro am Sonntag zeigt, welche Anbieter den Spagat zwischen Preis und Leistung schaffen.
€uro am Sonntag

von Markus Hinterberger, Euro am Sonntag

Wie schwer es ist, einen schlechten Ruf loszuwerden, zeigt die Zertifikatebranche. Auch knapp fünf Jahre nach dem Ende von Lehman Brothers, der bislang einzigen Pleite eines Zertifikateemittenten, haben deutsche Anleger längst nicht wieder volles Vertrauen in Derivate gefasst. Das zeigen die Statistiken des Deutschen Derivate Verbands (DDV).

Vor der Lehman-Pleite hatten deutsche Anleger noch mehr als 125 Milliarden Euro in Zertifikaten angelegt. Heute sind es gerade einmal 95 Milliarden Euro, aber die Kundschaft hat sich laut Angaben des Derivateverbands gewandelt: Heute nutzen vor allem erfahrene Anleger Derivate, um ihre Depots abzusichern oder in steigenden Märkten noch mehr Gewinne zu machen.

Wo bekommen diese Kunden Zertifikate am besten erklärt, wo handeln sie diese am günstigsten und wo gibt es die größte Auswahl? €uro am Sonntag hat gemeinsam mit dem Deutschen Kundeninstitut (DKI) die elf wichtigsten Onlinebroker am deutschen Markt getestet.

Onlineseminare immer wichtiger
In der ersten Stufe des Tests bekamen die Broker einen Fragebogen. Die Antworten wurden durch Internetrecherchen und telefonische Recherche überprüft. Mit 35 Prozent am stärksten gewichtet wurde der Bereich „Orientierung und Schulung“. Hier ging es um Angebote, mithilfe derer Kunden ihr Wissen erweitern können, und die Möglichkeiten, die der Broker bietet, die passenden Zertifikate zu finden.

Besonderes Augenmerk wurde auf Webinare gerichtet. Hierbei können Kunden online an Schulungen zu Themen rund ums Investieren teilnehmen. Das hilft ihnen, sich fortzubilden. Banken verhelfen sie zu besser informierter Kundschaft.

Dieser Kategorie folgte mit 30 Prozent Gewicht in der Gesamtwertung der Bereich „Produktinformation und Handel“. Hier standen Informationen zu den Produkten und Ordermöglichkeiten im Vordergrund. Mit 20 Prozent schlugen „Kosten“ wie etwa die Depotgebühr und die Gebühren für Orders und Stornierungen zu Buche. Der „Kundenservice“, also die Erreichbarkeit des Brokers sowie dessen Umgang mit Beschwerden von Kunden, machte 15 Prozent der Gesamtnote aus. Hier wurden Anrufe und E-Mails mit Fragen zum Angebot und bestimmten Zertifikaten an die einzelnen Broker im Test gerichtet.

Die Auswertung zeigt ein recht klares Bild. Die drei großen Onlinebroker Comdirect, Cortal Consors und DAB Bank liegen bei den Kriterien, in denen es um Leistung geht, oft klar vorn. Doch bei den Kosten trennt sich das Trio, denn die DAB Bank gehört darüber hinaus zu den günstigsten Anbietern, während die beiden anderen ihren Service etwas höher veranschlagen.

Und nun bekommt die Commerzbank-Tochter Comdirect auch noch Konkurrenz aus dem eigenen Haus. So plant die Commerzbank, mit dem sogenannten „Direktdepot“ die Comdirect zum Beispiel bei den Depotführungskosten zu unterbieten. Das Direktdepot soll keine Pauschale kosten. Com­direct-Kunden bezahlen 5,85 Euro pro Quartal. Für Inhaber eines Comdirect-Girokontos oder für Kunden, die zweimal pro Quartal handeln, entfällt die Gebühr.

Wie im Lebensmittelhandel
Apropos Kosten: „Es scheint, als gäbe es bei den Onlinebrokern wie im Lebensmitteleinzelhandel zwei Lager: Die einen setzen auf ein breites Angebot und Service, die anderen auf Standardprodukte zum Kampfpreis“, sagt DKI-Chef Jörn Hüsgen. So ist Flatex der Gegenpol zu Comdirect und Cortal Consors. Der Discountbroker mit Sitz im fränkischen Kulmbach setzt, wie der Name Flatex andeutet, fast ausschließlich auf Flatfees, also günstige Pauschalen. Das ist löblich. Geht es jedoch um Produktinformationen oder den Handel, bietet Flatex wenig.

Es gibt aber auch noch zwei Anbieter, die Zertifikateanleger weder beim Preis noch bei der Leistung so richtig überzeugen können: die Netbank und die Targobank. Beide In­s­titute haben sich im Vergleich zum Vorjahrestest verschlechtert.
Während die Targobank wenigstens noch beim Kundenservice die Note „gut“ ergattern konnte, kam die Netbank in keiner Kategorie über ein „befriedigend“ hinaus. Insgesamt enttäuschend.

Im Mittelfeld landete neben einigen anderen Banken die ING-DiBa. Deren Kunden können zwar mit Zertifikaten handeln, allerdings bieten die Frankfurter weniger ausgefeilte Handelsmöglichkeiten als die Konkurrenz.

Einer der Aufsteiger des diesjährigen Tests ist die Onvista Bank. Sie schaffte es nach einem 5. Platz im vergangenen Jahr unter die besten drei. „Günstig war Onvista schon immer, nun hat der Broker in den punkteträchtigen Kategorien ‚Orientierung und Schulung‘ und ‚Produktinformation und Handel‘ zugelegt“, so Hüsgens Fazit.

Ähnlich gesteigert hat sich der S  Broker. Die Sparkassen-Tochter mit Sitz in Wiesbaden hat das Bildungsangebot ordentlich erweitert. Vorstandschef Thomas Pfaff erklärte unlängst im Interview mit dem Magazin „Börse Online“, dass sein Haus im vergangenen Jahr allein 100 Webinare zu Themen für Einsteiger wie auch für Profis veranstaltet hat.

Überhaupt gilt: Im Vergleich zum Vorjahr taten fast alle getesteten Onlinebroker einiges dafür, ihre Kunden besser zu informieren und zu schulen. Kein Wunder. Schließlich handeln Kunden, die mehr Produkte verstehen, auch mehr.
Alle Testergebnisse im Überblick (pdf)

Bildquellen: Lichtmeister / Shutterstock.com, ileela / Shutterstock.com
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