12.11.2012 18:21
Bewerten
 (13)

USA wird größter Ölproduzent der Welt

Energie-Landkarte im Wandel
Die USA als größte Volkswirtschaft der Welt werden bis 2017 zum größten Ölproduzenten. Die internationale Energie-Landkarte wird sich nicht nur damit in den nächsten 20 Jahren dramatisch verändern - und möglicherweise auch politische Auswirkungen nach sich ziehen.
Die USA werden schon in fünf Jahren der größte Öl- und Gasproduzent der Erde und von Importen praktisch unabhängig sein. Das sagt die Internationale Energie-Agentur in ihrem Welt-Energie-Ausblick 2012 voraus, der am Montag in London vorgestellt wurde. "Die Grundpfeiler des weltweiten Energie-Systems werden verschoben", sagte IEA-Chefökonom Fatih Birol.

Die Verbraucher vor allem in Europa und Japan müssten sich in Zukunft auf höhere Strompreise als in anderen Regionen der Welt einstellen. Im Jahr 2035 werde der Strompreis pro Kilowattstunde bei 24 US-Cent in Japan und bei 19 US-Cent (vor Steuern) in Europa liegen, prognostiziert die Agentur. In China werde die Verbraucher nur sieben Cent zahlen, in den USA etwa 14 Cent. Gründe seien der Verzicht auf billige Kernenergie und ein höherer Anteil teurerer erneuerbarer Energien. In Südasien und Afrika sind derzeit 1,3 Milliarden Menschen noch völlig ohne Elektrizität - fast ein Fünftel der Erdbevölkerung. "Das ist wirtschaftlich, sozial und moralisch nicht haltbar", sagte Birol.

Dank der Steigerung bei der Produktion vor allem aus unkonventionellen Quellen wie Schiefergas und Ölsanden, aber auch dank der Effizienzsteigerung etwa von Autos werde die USA vom Importeur zum Exporteur von Energie. Im Jahr 2020 werden die USA der Prognose zufolge 11,1 Millionen Barrel Öl pro Tag produzieren, derzeit sind es drei Millionen Barrel weniger. In den Jahren danach werde die US-Produktion jedoch wieder leicht zurückgehen und das Land auch die Führungsrolle unter den Produzenten wieder an Saudi-Arabien verlieren, schätzt die Energie-Agentur.

Öl- und Gas aus Nahost werde künftig zu 90 Prozent nach Asien fließen, sagte IEA-Chefökonom Birol - "eine neue Seidenstraße". Die weltweite Nachfrage nach Energie werde von 12.000 Millionen Tonnen Öläquivalent bis zum Jahr 2035 auf fast 17.000 Millionen Tonnen steigen - vor allem wegen der unersättlichen Nachfrage aus China und Indien. 45 Prozent der Produktionssteigerung werde allein aus dem Irak kommen, vor knapp zehn Jahren noch Kriegsgebiet. "Die Produktionskosten im Irak sind 15 Mal geringer als etwa in Kanada und sieben Mal geringer als in Russland", sagte Birol.

Der Klimaschutz rücke in der Energiepolitik vorübergehend in den Hintergrund. Die Welt müsse massiv auf das Ausschöpfen von Effizienz-Potenzialen bei der Energienutzung setzen, wenn sich die Erde nicht um mehr als zwei Grad erwärmen soll, sagte Birol. "Es gibt eine wachsende Überzeugung in mehreren Ländern, jetzt auf den Effizienz-Knopf zu drücken", sagte er. Es bleibe nur noch ein Zeitfenster von fünf Jahren. Die Effizienzreserven etwa im Autoverkehr, beim Transport und in der Baubranche seien enorm. "Das ist der Kardinalfehler in der Energiepolitik in vielen Ländern", sagte Birol. "Zwei Drittel des Effizienzpotenzials, das wir haben, nutzen wir nicht."

Der Verzicht auf Nuklearenergie in einigen Ländern wie Deutschland und Japan sei vor dem Hintergrund der drohenden Klimaerwärmung besorgniserregend. Auch aus Frankreich kämen politische Signale, die Erzeugung von Kernenergie zurückfahren zu wollen. Allerdings werde ein Teil durch den schnell wachsenden Einsatz erneuerbarer Energieträger ausgeglichen./dm/DP/jha

/dm/DP/hbr

LONDON (dpa-AFX)

Bildquellen: cholder / Shutterstock.com
Artikel empfehlen?

Nachrichten zu Ölpreis

  • Relevant+
  • Alle+
  • Medien
  • Agenturen
  • Extern
  • ?
Überarbeitung nötig
Der niedrige Ölpreis reißt im kommenden Jahr ein großes Loch in den russischen Staatshaushalt, der massiv von den Einnahmen aus dem Ölverkauf abhängt.
07:58 Uhr
Um Ihnen die Übersicht über die große Anzahl an Nachrichten, die jeden Tag für ein Unternehmen erscheinen, etwas zu erleichtern, haben wir den Nachrichtenfeed in folgende Kategorien aufgeteilt:

Relevant: Nachrichten von ausgesuchten Quellen, die sich im Speziellen mit diesem Unternehmen befassen
Alle: Alle Nachrichten, die dieses Unternehmen betreffen. Z.B. auch Marktberichte die außerdem auch andere Unternehmen betreffen
vom Unternehmen: Nachrichten und Adhoc-Meldungen, die vom Unternehmen selbst veröffentlicht werden
Peer Group: Nachrichten von Unternehmen, die zur Peer Group gehören

Für den Live-Chat können Sie sich mit Ihrem finanzen.net-, Facebook- oder Twitter Account anmelden. Um immer die neusten Beiträge zu sehen, stellen Sie bitte "Neuesten" ein.

Die beliebtesten Rohstoffe

Goldpreis1.182,45-11,80
-0,99
Kupferpreis6.384,00-165,50
-2,53
Ölpreis (WTI)69,07-0,01
-0,01
Silber15,82-0,47
-2,87
Super Benzin1,41-0,00
-0,14
Weizen183,753,25
1,80

Edelmetalle: Münzen und Barren

  • Gold
  • Silber
1g Goldbarren40,03
-0,6
5g Goldbarren165,73
-0,8
10g Goldbarren321,15
-0,8
1 Uz Goldbarren982,05
-0,8
Krügerrand997,62
-0,8
Britannia1.005,76
-0,8
Maple Leaf994,64
-0,8
American Eagle1.003,79
-0,8
Zum Edelmetallshop

Heute im Fokus

DAX im Minus -- Dow in Grün -- Juncker will Italien und Frankreich nicht bestrafen -- Gold-Nostalgie setzt Europas Zentralbanken unter Druck -- Blackberry, E.ON, Allianz im Fokus

'Schwarze Null' steht - Bundestag stimmt Haushalt 2015 zu. TLG Immobilien lockt weiter mit Aussicht auf hohe Dividende. Lufthansa erhält Auftrieb durch billiges Öl und Analystenlob. Ryanair-Aktionäre machen Weg für Boeing-Großauftrag frei. Analytik Jena mit Gewinnwarnung. Rubel fällt auf Rekordtief.
Diese DAX-Aktien bringen die höchste Rendite

20 Dinge, die man für 561 Milliarden Euro kaufen könnte

Diese Firmen investieren am meisten in Forschung und Entwicklung

Umfrage

Der milliardenschwere "Soli" soll nach dem Willen von Rot-Grün ab dem Jahr 2020 auch den Ländern und Kommunen im Westen Deutschlands zugutekommen. Was halten Sie von diesem Vorhaben?

Anzeige