aktualisiert: 11.03.2013 18:06
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Yale-Professor Robert Shiller: Gold wird kollabieren

Robert Shiller: Gold wird kollabieren
Euro am Sonntag-Interview
Der bekannte US-Ökonom Robert Shiller warnt vor einem Heißlaufen des Wohnungsmarkts in Deutschland und hält die Entwicklung des Goldpreises für eine Blase. Aktien hält er dagegen noch nicht für überbewertet.
€uro am Sonntag

von Tim Schäfer, Euro am Sonntag

Robert Shiller ist einer der einflussreichsten US-Ökonomen. Der 66-jährige Yale-­Professor hat den Case-Shiller-Immobilienindex mitentwickelt, der den Häusermarkt in den USA abbildet, sowie das Shiller-Kurs-Gewinn-Verhältnis, das die langfristige Gewinnentwicklung von Unternehmen darstellt. Shiller, der fließend Deutsch spricht, hat das Platzen der New-Economy-Blase ebenso vorausgesagt wie die US-Immobilienkrise im Jahr 2007. €uro am Sonntag fragte den Finanzexperten, wo die nächste Blase entsteht, wie er sein Geld anlegt und wo er derzeit die günstigsten Aktien findet.

€uro am Sonntag: Herr Shiller, der Immobilienmarkt in Deutschland boomt. Besteht die Gefahr, dass sich hier eine Blase bildet?
Robert Shiller:
Ich sehe tatsächlich Anzeichen einer Blasenbildung in diesem Land. Auch Skandinavien ist betroffen, vor allem Norwegen. Blasen gibt es in Kanada und Taiwan. Womöglich wäre auch China betroffen, wenn die Regierung nicht strikt eingegriffen hätte. Der Immobilienmarkt als Ganzes ist volatiler geworden.

Woran liegt das?
Es liegt am kulturellen Wandel. Menschen sehen Immobilien immer stärker als sehr spekulatives Investment, insbesondere Einfamilienhäuser. Das war früher nicht so ausgeprägt, aber es ist Teil unserer Kultur geworden.

Haben die Leute aus früheren ­Blasen nichts gelernt?
In den USA beispielsweise war der Absturz der Häuserpreise 2007 bislang ohne Beispiel. So einen scharfen Rückgang hat es seit der Großen Depression nicht gegeben, und dementsprechend hatte man auch keine Erfahrungen.

Wenn man Ihren Case-Shiller-Index langfristig betrachtet und um die Inflation bereinigt, könnte man glauben, dass man mit Immobilien kaum Geld verdienen kann.
Richtig, mit Immobilien kann man langfristig kein Geld verdienen.

Warum weigern sich die Leute, das zu akzeptieren?
Der größte Wert bei Immobilien in den meisten Gegenden entsteht durch den Bau, die Konstruktion, den Stil. Und das nutzt sich ab oder es kommt aus der Mode. Die meisten mögen eben das Neue, das Großartige. Spekulationen auf den Immo­bilienmärkten waren historisch betrachtet stets Massenspekulationen. Es ist schon komisch, dass sich solche Szenen im 21. Jahrhundert abspielen.

Worauf führen Sie das zurück?
Zum Teil darauf, dass in dicht gedrängten Städten die Immobilienpreise ja durchaus steigen. Doch die Menschen verallgemeinern diese Zusammenhänge. Bemerkenswert an dem US-Häuserboom Anfang des 21. Jahrhunderts war, dass die Hauspreise überall nach oben gingen. Die Menschen glaubten, die Preise würden überall stetig anziehen. Das war ein Fehler. Sie leben eben in Gefühlswelten, rational macht das alles keinen Sinn.

Bei der Beurteilung von Aktien haben Sie 1996 das Shiller-Kurs-Gewinn-Verhältnis entwickelt, das den Kurs in Relation zu den Durchschnittsgewinnen der vergangenen zehn Jahre setzt. Wie teuer sind US-Aktien, die derzeit zum Beispiel im Dow-Jones-Index neue Höchststände markieren, auf dieser langfristigen Basis?
Sie sind eher teuer, aber nicht zu teuer. Die erwartete Rendite ist bei Aktien noch immer höher als bei Anleihen. Es gibt Risiken, ganz klar. Der Aktienmarkt hat aber auch in der Vergangenheit gut abgeschnitten, wenn die Bewertungen auf einem hohen Niveau waren.

Welche Performance erwarten Sie an der Börse?
Legt man die langfristige Bewertung zugrunde, haben Aktien in den kommenden zwölf Monaten das Potenzial für eine reale Rendite von 3,6 Prozent. Eine unterstellte Inflationsrate von zwei Prozent ergibt insgesamt rund 5,6 Prozent Rendite. Das klingt nicht schlecht, aber es gibt noch sehr viele Unsicherheiten.

Das klingt nach einer gemischten Botschaft.
Basierend auf meinem zyklisch-adjustierten Kurs-Gewinn-Verhältnis bin ich nach wie vor der Meinung, dass Aktien Teil eines Portfolios sein sollten. Vor allem, wenn man die Alternativen betrachtet. Mit festverzinslichen Anlagen kann man nichts verdienen. Aktien müssten wirklich hoch klettern, bevor ich komplett aus dem Markt aussteigen würde.

Wie sind nach Ihrem Modell die Aktienmärkte der Schwellenländer bewertet?
Da bin ich zurückhaltend. Wenn Sie Länder vergleichen, müssen Sie die unterschiedlichen Bilanzierungsstandards berücksichtigen.

Und in Europa?
Ein Land, das mir in Europa zuletzt als günstig auffiel, ist Großbritannien.

Wie sollten Anleger ihr Portfolio derzeit ausrichten?
Immobilien halte ich für einen wichtigen Bestandteil, ebenso Aktien, auch wenn sie schon teuer sind. Breit zu diversifizieren ist wichtig. Bei einer Immobilie ist zu berücksichtigen, inwieweit sie Teil Ihres Lebensstils ist. Möchten Sie in einer bestimmten Gegend wohnen? Soll die richtige Schule vor Ort sein? Solche Entscheidungen können Sie nicht aufgrund eines Index treffen. Grundsätzlich mag es wohl eine Bewegung hin zur Miete geben.

Welche Assetklasse bietet Ihrer Meinung nach das beste Potenzial?
Womöglich Rohstoffe. Beispielsweise gibt es gute Argumente für Ölaktien beziehungsweise Ölfonds. Öl ist gut für die Diversifikation, es ist eine Art Absicherung. Es nimmt das Risiko heraus. Denn Öl braucht jeder.

Wie haben Sie Ihr persönliches Portfolio strukturiert?
Ich habe ein diversifiziertes Portfolio. Ich habe zwei Häuser. Den größten Anteil nehmen Aktien ein. Ich besitze keine normalen Anleihen, nur inflationsindexierte Bonds.

Was halten Sie von Gold?
Mein Bewertungsschema basiert auf Gewinnen und eignet sich nicht für Gold, denn Gold bringt keine Erträge. Abgesehen davon glaube ich aber, dass wir bei Gold durchaus von einer Blase sprechen können. Was Gold antreibt, ist die Story der großen Schwäche in der Weltökonomie. Einige Politiker, wie der Konservative Ron Paul in den USA, wollen sogar zurück zum Goldstandard. Solche Storys sind immer wichtig für das Entstehen einer Blase. Gold wird wahrscheinlich kollabieren.

Viele Finanzexperten kritisieren seit Jahren den Finanzsektor. In Ihrem Buch „Märkte für Menschen“ zeichnen Sie die Branche in einem sehr positiven Licht. Hätten Sie nicht kritischer sein müssen?
Das Buch gibt eine Antwort auf die Finanzkrise, auf die ganzen Anfeindungen. Ich dachte, es ist Zeit hervorzuheben, dass die Finanzmärkte Teil unserer erfolgreichen Zivilisation sind. Viele Menschen sehen das anders. Sie glauben, es handelt sich um egoistische Aktivitäten geldgieriger Leute. Dabei bilden die Finanzen das Grundgerüst für alle Aktivitäten. Die Menschen realisieren nicht in vollem Umfang, wie wichtig die Finanzbranche ist.

Halten Sie eine weitergehende Regulierung in den Finanzmärkten für überflüssig? Nein, Regulierung ist notwendig. Auf den Finanzmärkten haben wir es mit Menschen zu tun, es entstehen Konflikte, nichts ist perfekt. Deshalb befürworte ich Regulierung, es ist ähnlich wie im Sport. Auch bei einem Fußballspiel muss man sicherstellen, dass es ein Spiel bleibt, dass es nicht in Fouls ausartet oder gar jemand stirbt. Die Spieler ärgern sich zwar, dass sie überwacht werden. Generell aber verstehen sie, dass man Regeln und einen Schiedsrichter braucht.

Sie haben sich mit dem Physiker Albert Einstein beschäftigt. War er ein guter Investor? Menschen haben die Fähigkeit zu einer außergewöhnlichen Genialität, weil sie ein spezielles Talent haben. Das macht diese Menschen aber nicht auf jedem Gebiet weise. Einstein war in der Tat kein guter Anleger. Wenn es ums Investieren ging, war Einstein kein Einstein. Investieren ist Arbeit, es bedarf der Hingabe. Versuchen Sie es also nicht, wenn Ihnen die Zeit und Energie hierfür fehlen.

Warum hat so gut wie niemand die Finanzkrise vorhergesehen?
Weil wir Modelle hatten, die sich auf Daten stützten, die überquanti­fiziert wurden. Wir hatten Modelle, bei denen der Immobiliensektor fehlte, ebenso das Schattenbankensystem mangels Daten. Sie ignorierten es und verpassten die gesamte Krise. Ich glaube, es ist von Vorteil, gute Geschichtsbücher zu lesen, die Meinung von Leuten aus verschiedenen Epochen zu lesen und den gesunden Menschenverstand zu benutzen.

Schnittstelle von
Theorie und Empirie

Der US-Amerikaner Robert Shiller, geboren am 29. März 1946 in Detroit, gilt als möglicher Kandidat für den Wirtschaftsnobelpreis. Der Yale-Professor hat empirische mit theoretischen Analysen zur Volatilität von Vermögenswerten verbunden und damit zum Verständnis von Preisschwankungen in diesen Märkten beigetragen. Sein Buch „Animal Spirits“ gilt als eine der besten Analysen der Finanzkrise. Im vergangenen Sommer erschien „Märkte für Menschen – So schaffen wir ein besseres Finanzsystem“.

Bildquellen: Michael Marsland
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