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09.08.2011 11:10

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Krisenfest: Zwölf Aktien gegen den Crash

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Mutige Anleger greifen zu, wenn die Kurse zusammenkrachen
Schwarze Woche an den Börsen, die Aktienkurse sind im Tiefenrausch. Die Angst vor einer neuen Rezession treibt Anleger weltweit in die Flucht. Welche Papiere krisenfest sind.

von L. Winter, G. Pröbstl und J. Castner, €uro am Sonntag

Kaufen, wenn die Kanonen donnern: Schon Börsenaltmeister André Kostolany bediente sich bei seiner Anlagestrategie dieser Weisheit, und meistens fuhr er gut damit. „Ich habe als Börsianer immer mehr Geld damit verdient, gute Aktien in schlechten Zeiten zu kaufen als umgekehrt“, sagte er einst.

Doch zugegeben: Momentan fällt es nicht leicht, es der Börsenlegende gleichzutun. Seit Monaten befinden sich die weltweiten Finanzmärkte im Krisenmodus. Anhaltende Sorgen um die Schuldenmisere in Europa, Ängste vor einer mittlerweile erfolgten Ratingabstufung der Vereinigten Staaten und zuletzt auch schwache Wirtschaftsdaten aus Übersee schicken die Börsen weltweit auf Talfahrt. Lange Zeit hatten sich die meisten Indizes dank guter Wirtschaftsprognosen und ­hoher Unternehmensgewinne noch gegen das Krisenszenario gestemmt. Doch nun kracht es auch am Aktienmarkt.

Innerhalb weniger Tage verloren wichtige Leitindizes wie der S & P 500 oder der DAX massiv an Wert. Im Sog nach unten wurden obendrein charttechnische Unterstützungsmarken und wichtige gleitende Durchschnitte wie die 200-Tage-Linie spielend durchbrochen. Daraus lässt sich nach Meinung von Klaus Deppermann, technischer Analyst der BHF Bank, kurzfristig nicht viel Gutes für die weitere Entwicklung der Aktienmärkte ableiten. „Unsere Indikatoren sprechen für eine längere Schwächeperiode bis ins vierte Quartal“, sagt Deppermann, der für den DAX erst bei einer Überschreitung der Juli-Hochs bei 7523 Punkten wieder Licht am Ende des Tunnels sieht. Auch Privatanleger ­beurteilen die Lage offensichtlich skeptischer. Laut einer Umfrage der Citigroup glauben nur 29 Prozent der Investoren an steigende Kurse in den kommenden drei Monaten. Im ersten Quartal lag die Zahl der Optimisten noch bei 45 Prozent.

Der rasante Abwärtstrend machte zuletzt selbst attraktiven Einzelwerten, die vor Kurzem noch fundamental und charttechnisch aussichtsreich erschienen, quasi über Nacht den Garaus. Der Anspruch, in diesen schlechten Zeiten gute Aktien zu finden, ist also hoch. Deshalb hat sich die Redaktion von €uro am Sonntag auf die Suche nach krisenfesten Aktien begeben, die Anleger in unsicheren Zeiten ruhig schlafen lassen.

Auf Wunsch vieler Leser haben wir uns bei der Auswahl geeigneter Titel am Screening von Susan Levermann orientiert. Die ehemalige DWS-Fondsmanagerin hat ein quantitatives Auswahlverfahren entwickelt, das auf statistischen Daten beruht. Die 37-Jährige beurteilt Aktien anhand von insgesamt 13 Kriterien. Für jedes erfüllte (zum Beispiel KGV unter 12) gibt es einen Punkt, bei krasser Verfehlung (zum Beispiel KGV über 16) einen Minuspunkt.


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Neben fundamentalen Kennzah­len werden auch Momentum-Kriterien wie die Reaktion auf die jüngsten Quartalszahlen (idealerweise mindestens ein Prozent besser als der Vergleichsindex am Tag der Veröffentlichung) oder der Sechs- und Zwölf-Monats-Kurstrend berücksichtigt. Gerade Letztere verhindern im aktuellen Krisenumfeld bei den meisten Bluechips die erforderliche Anzahl von vier Punkten (Nebenwerte unter fünf Milliarden Euro Börsenwert müssen sieben zusammenbekommen).

Unter den rund 700 untersuchten Aktien finden sich derzeit maximal zehn internationale Bluechips, die kaufenswert sind. Von den 110 deutschen Titeln aus DAX, MDAX und TecDAX qualifizieren sich sogar nur zwei Aktien für eine Depotaufnahme. Aus den heimischen Nebenwerte­segmenten bestanden von den ausreichend liquiden Titeln nochmals fünf den Test. Levermann sieht die niedrige Kaufquote gelassen. „Es kommt gelegentlich vor, dass nur wenige Titel die Kaufkriterien erfüllen“, sagt sie und verweist darauf, dass die überschaubare Auswahl geeigneter Aktien nicht unbedingt ein schlechtes Zeugnis für den Markt sein muss. „Manchmal zeigt es lediglich an, dass wir uns in einer Korrekturphase befinden und das Modell vorsichtig ist.“ Doch Anleger, die nur Aktien kaufen, die das Modell empfiehlt, fahren ihrer Erfahrung nach trotzdem besser. „In der Regel performen diese Titel unabhängig von der allgemeinen Marktlage sehr gut“, weiß Levermann. Allerdings kann sich aktuell von einem Tag auf den andern alles ändern, erklärt Thomas Schöberl, der auf der Website www.levermann-aktien.de sowohl den deutschen Markt als auch die wichtigsten ausländischen Börsen nach den Kriterien der Autorin des preisgekrönten Börsenbuchs „Der entspannte Weg zum Reichtum“ durchforstet: Unilever zum Beispiel tauchte am Montag noch als Kaufgelegenheit im Levermann-Screening auf. Am Dienstag war die Aktie schon wieder draußen. Trotzdem: Wer gute Aktien in schlechten Zeiten kauft, muss sich vor einer Rückkehr in gute Zeiten nicht fürchten.

Und Experten sind überzeugt, dass es am Aktienmarkt mittelfristig auch wieder bergauf gehen kann. „Im vierten Quartal würde ich wieder offensiver in Aktien gehen“, sagt Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Geschäftskunden der Deutschen Bank. „Nach der kräftigen Korrektur der Aktienmärkte sind die Bewertungen der Unternehmen sehr niedrig, dividendenstarke Titel könnten deshalb eine gute Wahl sein“, meint Stephan, der den DAX trotz aktueller Krisenstimmung am Jahresende wieder bei 7.800 Punkten sieht. Aus heutiger Sicht wäre das ein Kurspotenzial von 20 Prozent. Die Stimmung ist im Moment also schlechter als die Lage.

Investor-Info

Internationale Aktien
Defensive ist Trumpf

Wie man es auch dreht und wendet, das Ergebnis ist fast immer das gleiche. ­Sobald neben fundamentalen Bewertungsparametern auch markttechnische Indikatoren in eine Handelsstrategie einfließen, wird es übersichtlich. Stets taucht nur noch eine Handvoll Kaufgelegenheiten auf.

Durchforstet man etwa die wichtigsten außerdeutschen Aktienindizes nach der Levermann-Methode, bleiben exakt zehn potenzielle Kaufkandidaten übrig. Die Hälfte davon stammt aus der Pharma- und Biotechbranche. Auch der Rest ist defensiven Sektoren zuzurechnen, etwa Telekommunikation (AT & T, Swisscom), Energie (Chevron, National Grid) oder Nahrungsmittel (Nestlé, das ewige Allwetterinvestment, das auch nach zahlreichen anderen Analysemodellen immer wieder auf der Favoritenliste auftaucht).

Klar: gegessen, telefoniert und geheizt wird immer, auch falls die USA und Europa wegen der Schuldenkrise erneut in die Rezession schlittern sollten. Und Krankheiten nehmen erst recht keine Rücksicht auf die Weltkonjunktur.

Das massive Auftauchen von Big Pharma im Levermann-Screening ist denn auch kein Zufall. Zwar hat die Branche mit auslaufendem Patentschutz und anhaltendem Kostendruck im Gesundheitswesen zu kämpfen. Doch das ist nicht erst seit gestern bekannt, weshalb die Kurse der Pharmaaktien seit Beginn der ­Erholungsrally nach dem Lehman-Crash teilweise deutlich hinter dem Gesamtmarkt zurückgeblieben sind. Das bedeutet günstige Bewertungen und macht die Aktien einigermaßen resistent gegen Gewinnmitnahmen.

Zudem könnte mit zunehmendem Leidensdruck an den Märkten eine Rückbesinnung der Investoren einsetzen: Die Branche wird wegen der Probleme des Gesundheitssystems in den kommenden Jahren, wenn überhaupt, zwar nur moderates Wachstum aufweisen, dafür laufen die Geschäfte auch in konjunkturell schwierigen Zeiten ­einigermaßen stabil. Die im Devisenhandel zu beobachtende Flucht in den Franken setzt sich am Aktienmarkt nahtlos fort: Vier der zehn Titel, die nach dem Levermann-Verfahren als Kaufkandidaten identifiziert wurden, stammen aus der Schweiz. Auch drei US-Firmen erhalten hohe Punktzahlen: AT & T, Chevron sowie Johnson & Johnson – der Pharmagigant ist eines von weltweit nur vier Unternehmen mit „AAA“-Kreditrating. Doppelt defensiv also, ein idealer Titel, um einerseits schwache Börsenphasen durchzustehen, andererseits aber investiert zu sein, um nichts zu verpassen, falls der Markt schneller als erwartet ins Plus dreht.

Im Überblick: Die besten internationalen BlueChips (PDF)

Deutsche Nebenwerte
Die letzten Aufrechten

Zufall oder nicht? Während DAX und SDAX bis Donnerstag elf Prozent verloren, zeigten sich die wenigen Nebenwerte, die nach der Levermann-Strategie noch kaufenswert sind, mit einem Minus von 6,5 Prozent vergleichsweise stabil.

Zu den relativ stabilen Werten zählt Advanced Inflight. Der Marktführer für Bordunterhaltung in Flugzeugen vollzog Ende Juni mit dem Kauf von zwei Konkurrenten einen weiteren Wachstumsschritt. Das Unternehmen profitiert nicht nur von der Erholung der Luftfahrtindustrie – der Umsatz im ersten Vierteljahr stieg um 9,7 Prozent –, sondern kann auch im Lizenzhandel punkten. Wegen Kostensenkungen kletterte der Quartalsgewinn von drei auf 17 Cent je Aktie. Anleger setzen auf die Präsentation der Halbjahreszahlen am 31. August. Möglicherweise ist, wie bereits bei den Zahlen zum ersten Quartal, eine Überraschung drin.

Interessant ist auch Tipp24. Zwar gab es in den zurückliegenden vier Wochen Kursrückgänge um 15 Prozent, doch die jüngsten Nachrichten des Experten für Lotto und Toto im Internet waren vielversprechend. So bekamen die Hamburger Ende Juni Rückenwind vom Verwaltungsgericht Halle. Die Richter gelangten zu dem Schluss, dass staatliche Glücksspielrestriktionen für Tipp24 nicht gelten. Damit ist der Weg für den Wiedereinstieg in den deutschen Markt frei. Obendrein hat die SDAX-Firma die Prognose für den 2011er-Gewinn vor Zinsen und Steuern von 30 auf 40 Millionen Euro erhöht.

Ein KGV von sieben lockt zum Einstieg.
Vergleichsweise unbeeindruckt vom aktuellen Kursverfall an den Märkten zeigt sich die Immobiliengesellschaft KWG Kommunale Wohnen. Das Geschäftsmodell des Konzerns – Bestandshaltung von Wohn­immobilien – bewährt sich.

Durch energetische Sanierungen konnten die Hamburger die Miete für Neuvermietungen zwischen Januar und Mai um 4,4 Prozent steigern und 25 Prozent mehr neue Flächen vermieten. Firmenchef Stavros Efremidis erwartet eine sehr positive Entwicklung. Trotzdem gibt es das Papier für ein KGV von sechs und mit 30 Prozent Abschlag auf das Nettovermögen von 7,23 Euro je Aktie.

Seit April hält sich die Beteiligungsgesellschaft Aurelius ziemlich konstant im Bereich des Dreijahreshochs. Als Kurstreiber wirken gute Geschäfte der Portfoliounternehmen. So steigerten die Münchner den Umsatz im ersten Quartal um 85 Prozent auf 327,1 Millionen Euro. Zudem berichtet das Management über ein Anziehen der Transaktionen. Das verspricht Veräußerungsgewinne.

Anleger setzen darauf, dass der Kurs von der unteren Begrenzung der Handelsspanne um 27 Euro schnell in Richtung oberer Rand bei 31 Euro klettert. Das kennen Börsianer bei Basler seit Anfang 2011: Auf einen heftigen Kurseinbruch um 15 Prozent folgt eine ebenso schnelle Erholung. Offensichtlich werfen Anleger beim Hersteller von Oberflächeninspektionstechnlologie immer wieder zu schnell die Flinte ins Korn. Starke Daten helfen dem Kurs dann aber wieder auf die Sprünge. Börsianer spekulieren auf die Präsentation guter Halbjahreszahlen am 18. August. Der Vollständigkeit halber sei Elektrische Licht- und Kraftanlagen erwähnt. Der Wert zeigt sich zwar ebenfalls robust gegen Kursverfall und punktet bei Levermann am stärksten, wird aber nur sehr sporadisch mit dünnen Umsätzen gehandelt. Anleger sollten zunächst die Hauptversammlung am 24. August beobachten.

Im Überblick: Die besten Nebenwerte (PDF)

DAX, MDAX und TecDAX
Da waren’s nur noch zwei

So schnell kann’s gehen: Anfang Juli stellte €uro am Sonntag die preisgekrönte Strategie der ehemaligen DWS-Fondsmanagerin Susan Levermann vor. Damals erfüllten noch fünf Aktien auf den DAX die Kaufkriterien der Autorin des Börsenbuchs „Der entspannte Weg zum Reichtum“.

Inzwischen sind nur noch zwei Titel aus dem deutschen Leitindex übrig, die nach der Levermann-Methode zum Einstieg locken: Henkel und BASF. Aus MDAX und TecDAX ist demnach zurzeit überhaupt keine Aktie kaufenswert.

Für Thomas Schöberl ist das niederschmetternde Ergebnis für den deutschen Markt ein klares Indiz, dass es im Moment nicht ratsam ist, voll investiert zu sein. Der Münchner Ingenieur hält die Levermann-Methode für so erfolgversprechend, dass er eine Software entwickelte, mit der über 700 deutsche und internationale Aktien tagesaktuell nach Levermann-Kriterien auf Kauf- und Verkaufssignale abgeklopft werden. Anleger können diesen (kostenpflichtigen) Service beispielsweise über die Internetseite www.levermann-aktien.de abonnieren. Wie die zurückliegende Woche zeigt, ist das kein rausgeworfe­nes Geld: Da die Levermann-Methode eine recht aktive Handelsstrategie ist, erweist es sich gerade in hektischen Markt­phasen als sinnvoll, am Ball zu bleiben.

Aktuell kann sich von einem Tag auf den anderen alles ändern. Die Erfinderin des Systems empfiehlt, den Levermann-Check mindestens alle zwei Wochen durchzuführen, nach Möglichkeit öfter, was aber auch bei nur zehn Minuten Aufwand pro Aktie allein für die 110 größten deutschen Werte einen immensen Zeitaufwand bedeuten würde.

Im Überblick: Die besten Titel aus dem DAX (PDF)

Bildquellen: Julian Mezger

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Kommentare zu diesem Artikel

Lightning McQueen schrieb:
11.08.2011 11:42:37

meiner meinung nach gibt es keine krisensichern aktien. wenn der markt ins schlingern gerät u fällt ins bodenlose gehen auch sogenante krisensichere werte mit baden! ich würde mich nicht drauf verlassen.

WING schrieb:
09.08.2011 20:14:17

von ... G. Pröbstl.... na dass kann nichts werden...

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