Aktien von BMW, VW, Mercedes und Porsche unter Druck: US-Zollpläne belasten - neue Prämie soll E-Autos stärken
Auf XETRA büßen die Aktien von BMW zeitweise 3,38 Prozent auf 85,72 Euro ein, während Volkswagen um 2,50 Prozent auf 98,86 Euro fallen. Mercedes-Benz verlieren unterdessen 2,28 Prozent auf 57,48 Euro und Porsche-Titel geben um 2,75 Prozent auf 41,05 Euro ab. Der europäische Sektorindex war vor dem Wochenende bereits auf seinen niedrigsten Stand seit Ende November gefallen.
Auch die Papiere von Zulieferern wie Continental, Infineon und AUMOVIO gerieten am Montag unter Druck.
"US-Präsident Donald Trump schwingt erneut die Zoll-Keule und trifft Europa damit an einem empfindlichen Nerv", schrieb Analyst Frank Sohlleder vom Broker Activtrades. Investoren dürften sich schmerzlich an Anfang April erinnern, als Trump seine ersten Zollpläne vorstellte und der deutsche Leitindex Dax "innerhalb kürzester Zeit um sage und schreibe mehr als 18 Prozent in die Tiefe rauschte". Weil im Polit-Thriller um Grönland die diplomatischen Fronten verhärtet seien, sei davon auszugehen, dass die Volatilität an den europäischen Aktienmärkten massiv ansteigen dürfte.
Henning Cosman, Analyst von der britischen Bank Barclays sprach angesichts der Drohungen des US-Präsidenten Donald Trump im Zusammenhang mit dem Grönland-Konflikt von einer "beunruhigenden Rhetorik". Geopolitische Risiken mit Blick auf die Autobranche überraschten ihn nicht, doch die Bedrohung sei greifbarer und trete zudem früher als erwartet ein, selbst wenn es Abkommen, Verzögerungen und/oder Ausnahmen geben werde.
Neue Prämie soll E-Autos und deutsche Hersteller stärken
Die neue Kaufprämie für Elektroautos wird nach Einschätzung von Bundesumweltminister Carsten Schneider auch der deutschen Autobranche helfen. "Das ist ein starker Anschub für die Elektromobilität in Deutschland", sagte der SPD-Politiker. "Und es ist ein Anschub für unsere heimische Automobilwirtschaft, die starke Elektroautos im Angebot hat."
Schneider erwartet mehr günstige Autos
Im vergangenen Jahr seien ungefähr 80 Prozent der in Deutschland neu zugelassenen Elektroautos und Plug-in-Hybride aus europäischer Produktion gewesen, sagte Schneider. Plug-in-Hybride sind Autos, die sowohl mit Strom als auch mit Treibstoff fahren können.
Auch die Top Ten der neu zugelassenen E-Fahrzeugmodelle zeigten, wie stark die deutsche Autoindustrie ist, so der Minister. "In diesem Jahr werden noch weitere und auch günstigere Modelle der deutschen Hersteller auf den Markt kommen."
Nach Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes kamen vergangenes Jahr die elf am häufigsten neu zugelassenen reinen Elektroautos Fahrzeugmodelle aus dem VW (Volkswagen (VW) vz)-Konzern oder der BMW-Gruppe. Allen voran VWs ID.7 und ID.3. Bei Plug-in-Hybriden ist die Situation nicht ganz so deutlich, auch hier kommen aber sieben der zehn beliebtesten Modelle von BMW, Mercedes (Mercedes-Benz Group (ex Daimler)) oder aus dem VW-Konzern.
Wer weniger verdient oder Kinder hat bekommt mehr
Grundsätzlich gilt: Wer weniger verdient oder Kinder hat, soll stärker von der neuen Förderung für Kauf oder Leasing eines Elektroautos profitieren. Je nach persönlichen Umständen sind zwischen 1.500 und 6.000 Euro staatliche Unterstützung drin.
Die Fördergrenze liegt bei einem Haushaltseinkommen von 80.000 Euro, bei zwei Kindern bei 90.000 Euro. Die Basisförderung liegt für reine Elektroautos bei 3.000 Euro. Für Haushalte mit einem Einkommen von maximal 60.000 Euro gibt es 4.000 Euro, für Haushalte mit einem Maximal-Einkommen von 45.000 Euro 5.000 Euro. Pro Kind steigt die Förderung um 500 Euro, insgesamt um höchstens 1.000 Euro.
Förderung nicht nur für reine Elektroautos
Weniger Geld gibt es für sogenannte Plug-in-Hybride, die sowohl mit Strom als auch mit Treibstoff fahren können. Für diese Autos und Fahrzeuge mit einem Range Extender liegt die Basisförderung bei 1.500 Euro. Range Extender sind kleine Verbrennungsmotoren, die die Reichweite von Elektroautos erhöhen.
Damit Autos mit diesen Technologien förderfähig sind, dürfen sie nicht mehr als 60 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen oder müssen eine elektrische Reichweite von mindestens 80 Kilometern haben. Für die Zeit ab dem 1. Juli 2027 soll die Förderung auf den Prüfstand, angedacht sind dann Vorgaben, die sich stärker am CO2-Ausstoß im realen Betrieb orientieren.
Citigroup-Analyst Harald Hendrikse sieht aktuell schwarz für die Autobranche: "Es ist schwer vorstellbar, dass 2026 schlechter hätte beginnen können." Dabei erinnerte er obendrein daran, dass im EU-Abkommen zur CO2-Reduzierung bis 2035 "keine ausreichenden Änderungen" hätten erzielt werden können und die EU zudem mit China eine Vereinbarung zur Umstellung der Einfuhrzölle für Elektrofahrzeuge auf einen Mindestpreis getroffen hat.
Zwar spiegeln sich laut Hendrikse zahlreiche Risiken bezüglich der Ergebnisse und der Stimmung für den Sektor in den Kursen bereits wider, doch die Nachrichtenlage müsse sich "deutlich verbessern, bevor Investoren wieder in EU-Automobile investieren werden". Am stärksten betroffen von den möglichen neuen Zöllen sind ihm zufolge zuvorderst die Gewinne von Porsche AG und VW, gefolgt von Mercedes-Benz und BMW.
FRANKFURT/BERLIN (dpa-AFX)
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