Wie viel Netto braucht man, um in Deutschland als reich zu gelten?
Wann gilt man als "reich" ?
Fragt man Menschen, ab welcher Summe jemand als reich gilt, fallen die Antworten meist unterschiedlich aus. Es ist jedoch nötig, zwischen Einkommens- und Vermögensreichtum zu differenzieren. Wer materielle Werte besitzt (zum Beispiel Immobilien, Aktien, Bargeld, Unternehmensbeteiligungen), gilt als vermögensreich, unabhängig vom regelmäßigen Einkommen. Laut einer Studie der Bundesbank liegt der Median des Nettovermögens privater Haushalte in Deutschland bei 76.000 Euro. Wer das doppelte dieses Mittelwerts besitzt, gilt als Vermögensreicher. Da allerdings in Deutschland Vermögen viel ungleicher verteilt ist als Einkommen, ist zweiteres als Dimension interessanter zu betrachten.
Wer über ein außergewöhnlich hohes laufendes Einkommen (beispielsweise Gehalt, Rente, Kapitalerträge) verfügt, gilt als einkommensreich. Laut Kununu ist Reichtum dennoch Definitionssache und nicht unbedingt eine Frage der Zahlen. Wer selbst mit 3.000 Euro im Monat auskommen muss, hält 8.000 Euro für übermäßig viel. Wer hingegen in Branchen mit sechsstelligen Jahresgehältern unterwegs ist, setzt die Messlatte ganz woanders an.
Wissenschaftliche Definitionen
Wirtschaftsinstitute wie das IW Köln oder das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung nutzen objektive Kriterien, um Wohlstand und Reichtum messbar zu machen. Grundlage ist dabei meist das sogenannte Nettoäquivalenzeinkommen, welches das Einkommen an Haushaltsgröße und Lebenshaltungskosten anpasst. Laut einer Studie des IW Köln beginnt das oberste Zehntel der Einkommensverteilung bei Alleinstehenden ab einem monatlichen Nettoeinkommen von 3.529 Euro. Paare ohne Kinder erreichen diese Schwelle bei etwa 5.294 Euro.
Laut Angaben auf karrierebibel.de gelten Paare mit zwei Kindern bereits ab einem Nettoeinkommen von 7.412 Euro als einkommensreich. Neben dem Blick auf die oberen zehn Prozent wird häufig auch das Medianeinkommen als Bezugsgröße herangezogen. Wer das Doppelte oder Dreifache dieses Betrags zur Verfügung hat, wird in vielen Studien als wohlhabend oder sogar reich eingestuft.
Reichtum ist regional verschieden verteilt
Je nach Wohnort verändert sich jedoch nicht nur die Kaufkraft, sondern auch die Schwelle, ab der Einkommen als hoch gelten. Während in Großstädten wie München oder Hamburg hohe Mieten und Lebenshaltungskosten Normalität sind, reicht in ländlichen Regionen deutlich weniger Geld für ein vergleichbares Lebensniveau. Laut einer Auswertung des Mikrozensus 2023, auf die sich merkur.de bezieht, liegt der Anteil einkommensreicher Personen in Hamburg bei 10,4 Prozent. In Sachsen-Anhalt dagegen schaffen es nur 3,5 Prozent in diese Gruppe. Auch Berlin (8,6 Prozent) oder Hessen (8,9 Prozent) liegen deutlich über dem Bundesdurchschnitt.
Schere zwischen Arm und Reich
Auffällig ist, wie weit die Einschätzungen auseinandergehen. Während Studien belegen, dass bereits ab etwa 3.500 Euro netto von Reichtum im statistischen Sinne gesprochen werden kann, liegt die gefühlte Grenze für viele Menschen deutlich darüber. Laut dem Informationsdienst des Instituts der deutschen Wirtschaft (iwd.de) hängt dieses Auseinanderklaffen vor allem mit dem gestiegenen Lebensstandard, zunehmender sozialer Ungleichheit und der wachsenden Sichtbarkeit von Reichtum zusammen. Besonders durch soziale Medien entsteht oft der Eindruck, Reichtum beginne erst bei fünfstelligen Monatseinkommen. Die Realität ist eine andere - und sie zeigt: Wer in Deutschland zu den obersten zehn Prozent gehört, hat zwar mehr als die Mehrheit, lebt aber nicht zwangsläufig im Luxus.
Redaktion finanzen.net
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