Bitcoin, Ethereum und Co.: Analysten erwarten 2026 massive Kapitalzuflüsse
• JPMorgan erwartet für 2026 weiter steigende Kapitalzuflüsse in den Kryptomarkt nach Rekordzuflüssen in 2025
• Institutionelle Investoren sollen 2026 die treibende Kraft werden
• Der US-Clarity-Act könnte als regulatorischer Katalysator Fusionen, Börsengänge und VC-Investments ankurbeln
JPMorgan sieht institutionelle Anleger als neue Treiber
Nach einem Rekordjahr 2025, in dem die Zuflüsse in den Kryptomarkt laut JPMorgan knapp 130 Milliarden US-Dollar erreichten, prognostizieren die Analysten der US-Großbank für 2026 einen weiteren Anstieg der Kapitalströme. Wie aus einem Bericht von TheBlock vom 14. Januar 2026 hervorgeht, sehen die Experten um Managing Director Nikolaos Panigirtzoglou dabei eine Wachablösung bei den treibenden Kräften: Während 2025 noch Retail-Investoren und sogenannte Digital Asset Treasuries (DATs) - also Unternehmen wie Strategy (ehemals MicroStrategy), die Bitcoin in ihrer Bilanz halten - für den Großteil der Zuflüsse verantwortlich zeichneten, sollen 2026 verstärkt institutionelle Investoren in den Markt einsteigen.
Ein wesentlicher Katalysator für diese Entwicklung sei die erwartete Verabschiedung regulatorischer Rahmenwerke in den USA, insbesondere des sogenannten Clarity Acts. Dieser könnte laut den Analysten Unsicherheiten beseitigen, die traditionelle Finanzakteure bislang vom Kryptomarkt ferngehalten haben. Zudem würde ein solches Gesetz den Weg für verstärkte M&A-Aktivitäten, Börsengänge sowie Venture-Capital-Investments in Sektoren wie Stablecoin-Emittenten, Wallet-Anbietern und Blockchain-Infrastruktur ebnen.
Starke Konzentration auf Bitcoin und Ethereum in 2025
Die Analyse der Kapitalflüsse des vergangenen Jahres zeigt eine deutliche Konzentration der Liquidität. Wie der Market Maker Wintermute am 13. Januar 2026 auf der Plattform X mitteilte, flossen die massiven Zuflüsse fast ausschließlich in Bitcoin und Ethereum sowie in ausgewählte Large-Cap-Kryptowährungen. Eine breit angelegte Rotation in Altcoins blieb aus.
Capital entered crypto in 2025, but stayed concentrated
- Wintermute (@wintermute_t) January 13, 2026
ETFs and DATs funneled liquidity to BTC, ETH, and select large caps
The broad rotation into altcoins never happened pic.twitter.com/HrhhOsm9dK
Über die Hälfte der gesamten Zuflüsse, rund 68 Milliarden US-Dollar, stammten dabei von DAT-Unternehmen. Allein Strategy war für etwa 23 Milliarden US-Dollar verantwortlich. Andere Unternehmen stockten ihre Bestände um weitere 45 Milliarden US-Dollar auf, ein massiver Anstieg gegenüber den 8 Milliarden US-Dollar im Jahr 2024. Allerdings hat sich diese Kaufdynamik seit Oktober spürbar abgekühlt, da Kapital verstärkt in kurzfristige Treasury-Strategien statt in langfristige Krypto-Positionen fließt.
Auch der Bereich Venture Capital blieb 2025 trotz des Bullenmarktes hinter den Erwartungen zurück. JPMorgan führt dies auf einen Verdrängungseffekt durch die DATs zurück: Kapital, das früher in Early-Stage-Startups geflossen wäre, wurde in liquide Treasury-Strategien umgeleitet. Für 2026 erwarten die Analysten jedoch eine Trendwende, sobald ein klarerer regulatorischer Rahmen geschaffen ist.
Standard Chartered ruft 2026 zum Jahr von Ethereum aus
Einen spezifischen Investment-Case liefert die britische Großbank Standard Chartered. Wie aus einem Bericht von CoinDesk vom 12. Januar 2026 hervorgeht, sieht die Bank 2026 als Durchbruchsjahr für Ethereum. Analyst Geoff Kendrick, Head of Digital Assets Research bei Standard Chartered, erwartet, dass Ethereum den Marktführer Bitcoin in Bezug auf die Performance übertreffen wird.
Die Bank hob ihr langfristiges Kursziel für Ethereum auf 40.000 US-Dollar bis Ende 2030 an und setzte das Kursziel für Ende 2026 auf 7.500 US-Dollar. Als Gründe nennt Kendrick unter anderem die anhaltende institutionelle Nachfrage, Fortschritte bei der Skalierung des Ethereum-Netzwerks sowie die dominante Stellung der Blockchain bei Stablecoins, dezentraler Finanzierung (DeFi) und tokenisierten Real-World-Assets. Auch die erwartete Verabschiedung des US-Clarity-Acts könnte laut Kendrick speziell Ethereum zugutekommen, da ein regulatorischer Rahmen neue Impulse für das DeFi-Ökosystem setzen würde.
Trotz der optimistischen Langfristprognose passte Standard Chartered die mittelfristigen Kursziele für 2026 bis 2028 leicht nach unten an, als Reaktion auf die anhaltende Schwäche bei Bitcoin, die den gesamten Kryptomarkt belastet.
D. Maier / Redaktion finanzen.net
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