Michael Saylors neue Bitcoin-Wette: Ist Stretch ein Coup oder ein Schneeballsystem?

19.05.2026 23:46:00

Michael Saylor will mit Strategy aus Bitcoin mehr machen als eine Reserve in der Bilanz. Die Vorzugsaktie Stretch verspricht hohe Ausschüttungen, doch entzündet nun scharfe Kritik.

• Strategy lockt bei Stretch mit einer jährlichen Rendite von rund 11,5 Prozent
• Peter Schiff nennt STRC ein "klassisches zentralisiertes Ponzi-System"
• Entscheidend ist, ob Bitcoin als Basis für planbare Dividenden taugt

Saylor baut die Bitcoin-Story weiter aus

Michael Saylor hat Strategy längst zur bekanntesten Bitcoin-Aktie an der Wall Street umgebaut. Mit der Vorzugsaktie Stretch, kurz STRC, folgt nun der nächste Schritt: Aus der Bitcoin-Bilanz soll ein renditestarkes Finanzprodukt werden.

Den Aktienangaben nach erhalten Investoren bei der Vorzugsaktie derzeit rund 11,5 Prozent Rendite pro Jahr. CCN beschreibt Stretch als ewige Vorzugsaktie ohne feste Laufzeit, mit monatlicher Dividende und variablem Ausschüttungsmodell.

Der Reiz ist klar: regelmäßige Erträge, ein Kurs möglichst nahe 100 US-Dollar und indirekter Zugang zu Strategys Bitcoin-Bestand. Damit zielt Strategy nicht nur auf Krypto-Spekulanten, sondern auch auf Anleger, die laufende Ausschüttungen suchen.

Aus Bitcoin wird ein Kreditprodukt

Laut CCN soll Stretch ein möglichst schwankungsarmes Bitcoin-basiertes Kreditinstrument sein. Die Dividende kann monatlich angepasst werden, um den Kurs nahe am genannten Zielwert zu halten. Auch Marktplatzierungen und eine mögliche Rückkaufoption sollen Stabilität schaffen.

In dieser Konstruktion steckt Saylors eigentliche Wette: Bitcoin soll nicht nur gehalten, sondern in eine Kapitalstruktur übersetzt werden. Aus einem volatilen Vermögenswert soll ein Produkt mit planbaren Zahlungen entstehen. Gemäß "BTC-ECHO" sieht Saylor darin den Versuch, Risiko zu isolieren und konservativeren Anlegern indirektes Bitcoin-Exposure mit planbarer Rendite zu bieten. Genau dieser Anspruch macht Stretch aber angreifbar.

Peter Schiff greift Saylor frontal an

Scharfer Gegenwind kommt dabei von Peter Schiff. "Be(in)Crypto" zufolge nennt der Bitcoin-Kritiker STRC ein "klassisches zentralisiertes Ponzi-System, betrieben von MSTR". Sein Vorwurf: Die Ausschüttungen stammen nicht aus organischen Erträgen eines operativen Geschäfts. Schiff argumentiert laut dem Bericht, dass Bitcoin selbst keine laufenden Cashflows erzeugt. Deshalb könne die Dividende nicht aus dem zugrundeliegenden Asset finanziert werden. Das Modell hänge stattdessen an frischem Kapital, hohen Bitcoin-Preisen und Anlegervertrauen.

"BTC-ECHO" verweist zudem auf Schiffs Kritik an der Vermarktung. In einem X-Beitrag fragt er, wie die SEC zulassen könne, dass STRC als passend für Anleger dargestellt werde, die konservative Vermögenssicherung und stabile Einkommen suchen.

Die SEC-Frage macht den Streit größer

Damit geht es nicht mehr nur um eine Dauerfehde zwischen Bitcoin-Bullen und Bitcoin-Skeptikern. Laut "Be(in)Crypto" sieht Schiff in Saylors Aussagen ein mögliches Problem mit Blick auf US-Regeln gegen irreführende Werbung und Betrug am Kapitalmarkt.

Der Punkt ist heikel, weil Stretch wie ein Einkommensprodukt wirkt, wirtschaftlich aber weiter eng an Bitcoin hängt. Für Anleger entsteht ein Spagat: Die Ausschüttung sieht planbar aus, die Grundlage bleibt jedoch stark schwankungsanfällig. Strategy stellt das anders dar. CCN zufolge steht Stretch in der Kapitalstruktur über Stammaktien und bestimmten nachrangigen Vorzugsinstrumenten. Vom Bitcoin-Risiko löst sich STRC dadurch aber nicht.

Was das für Anleger bedeutet

Für Anleger bleibt Stretch ein Renditeprodukt mit erhöhtem Erklärungsbedarf. Die Ausschüttung wirkt zwar attraktiv, doch sie hängt nicht an klassischen Unternehmensgewinnen, sondern an Strategys Bitcoin-Modell.

Entscheidend dürfte sein, ob Strategy die Dividenden auch in schwächeren Bitcoin-Phasen verlässlich bedienen könnte. Wer an Saylor, stabile Kapitalmärkte und steigende Bitcoin-Kurse glaubt, könnte in STRC einen ungewöhnlichen Ertragsbaustein sehen.

Wer dagegen Schiffs Kritik teilt, dürfte vor allem das Risiko erkennen, dass aus versprochener Stabilität schnell ein Vertrauensproblem wird. Stretch wäre damit weniger Sicherheitsanker als Bewährungsprobe für Saylors gesamte Bitcoin-Finanzarchitektur.

Benedict Kurschat, Redaktion finanzen.net

Dieser Text dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schließt jegliche Regressansprüche aus.

Bildquelle: Quality Stock Arts / Shutterstock.com, Strategy

In eigener Sache

Krypto Broker Vergleich – die besten Broker im Test

Du willst Bitcoin, Ethereum und Co. günstig handeln? Dann vergleiche hier die Konditionen der beliebtesten Krypto-Broker!

Krypto-Broker-Vergleich: Die besten Anbieter im Test

Weitere News zum Thema