Ethereum und der Datenmüll: Buterin warnt vor wachsender Protokoll-Komplexität
• Vitalik Buterin fordert "Garbage Collection" für Ethereum-Protokoll
• Ethereum-Mitbegründer warnt vor wachsender Protokoll-Komplexität
• Kontrast zu Solanas Philosophie kontinuierlicher Evolution
Buterins Warnung: Komplexität bedroht die Dezentralisierung
In einem Beitrag auf X vom 18. Januar 2026 hat Vitalik Buterin die Ethereum-Entwicklergemeinschaft dazu aufgerufen, sich dem Problem des "Protocol Bloat" zu stellen. Der Mitbegründer argumentiert, dass echte "Trustlessness" und Selbstsouveränität weniger von reinen Dezentralisierungsmetriken abhängen als vielmehr von der Einfachheit des Protokolls.
An important, and perenially underrated, aspect of "trustlessness", "passing the walkaway test" and "self-sovereignty" is protocol simplicity.
- vitalik.eth (@VitalikButerin) January 18, 2026
Even if a protocol is super decentralized with hundreds of thousands of nodes, and it has 49% byzantine fault tolerance, and nodes fully… pic.twitter.com/kvzkg11M3c
Selbst wenn ein Protokoll über Hunderttausende von Nodes verfüge und eine hohe Fehlertoleranz aufweise, drohe es letztlich zu scheitern, wenn es zu einem unübersichtlichen Wirrwarr aus Hunderttausenden Codezeilen und komplexer Kryptografie werde. Buterin warnt, dass eine übermäßige Abhängigkeit von "PhD-level cryptography", also kryptografischen Methoden, die nur Experten verstehen, die Zugänglichkeit von Ethereum gefährde. Das Netzwerk könnte sich in ein technokratisches Modell verwandeln, anstatt ein dezentralisiertes öffentliches Gut zu bleiben.
Das Konzept der "Garbage Collection"
Um diesem Problem zu begegnen, schlägt Buterin eine explizite "Simplification"- oder "Garbage Collection"-Funktion im Entwicklungsprozess von Ethereum vor. Dieser Ansatz soll veralteten Code und überflüssige Abhängigkeiten systematisch entfernen.
Der Ethereum-Mitgründer nennt drei konkrete Ziele: Erstens soll der gesamte Protokollcode minimiert werden. Zweitens soll die Abhängigkeit von komplexen Komponenten reduziert werden, wobei einfachere Grundelemente wie Hash-Funktionen bevorzugt werden sollen. Drittens soll die Anzahl der "Invarianten" erhöht werden, feste Regeln, auf die sich das Protokoll stets verlassen kann.
Als erfolgreiches Beispiel für eine solche Bereinigung nennt Buterin den Übergang von Proof-of-Work zu Proof-of-Stake. Auch die jüngsten Gas-Kosten-Reformen, die Transaktionskosten direkter an den tatsächlichen Ressourcenverbrauch koppeln, seien Schritte in Richtung Vereinfachung.
Der "Walkaway Test" als Maßstab
Ein zentrales Konzept in Buterins Argumentation ist der sogenannte "Walkaway Test". Dieser misst, ob eine Blockchain sicher weiterlaufen könnte, falls ihre ursprünglichen Gründer und Kernforscher das Projekt dauerhaft verlassen würden. Der Ethereum-Mitgründer warnt, dass Ethereum derzeit Gefahr laufe, diesen Test nicht zu bestehen, da die Abläufe zu komplex seien, als dass neue Teams sie ohne Expertenanleitung bewältigen könnten.
Buterins Appell steht im Kontrast zur Philosophie anderer Blockchain-Projekte. Wie aus einem Bericht von Cointelegraph vom 18. Januar 2026 hervorgeht, vertritt Solana-Labs-CEO Anatoly Yakovenko die Ansicht, dass eine Blockchain, die aufhört, sich weiterzuentwickeln, um Entwickler- und Nutzerbedürfnisse zu erfüllen, irrelevant zu werden drohe. Buterin hingegen strebt an, dass Ethereum langfristig einen Zustand erreicht, in dem es über Jahrzehnte hinweg sicher und vorhersehbar funktionieren kann, auch ohne ständige Entwicklereingriffe.
D. Maier / Redaktion finanzen.net
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