Trotz Erholung nach Zoll-Schock: Experten sehen weiter Risiken am US-Aktienmarkt
• US-Aktienmärkte erholen sich nach Zoll-Schock spürbar
• Experten skeptisch: Konsum und Arbeitsmarkt senden Warnsignale
• Hohe Bewertungen und Anleiherenditen bleiben Risiko für Anleger
Die im April 2025 von US-Präsident Donald Trump verkündeten Strafzölle hatten Anleger in Panik versetzt. An den Finanzmärkten machten sich Rezessionssorgen breit und es schien, als würde der Bullenmarkt in den USA nach einer starken zweieinhalbjährigen Rally nun kippen. Doch überraschend kam es anders: Eine 90-tägige Deeskalationsphase im Handelskonflikt mit China sorgte im Mai für Erleichterung und eine deutliche Gegenbewegung an den Aktienmärkten.
Experten warnen: Risiken für Anleger bleiben bestehen
Trotz dieser Kursgewinne bleiben viele Experten vorsichtig. "Es gibt Gründe für Optimismus", sagte Ross Mayfield, Investmentstratege bei Baird Private Wealth Management, im Interview mit MarketWatch. "Aber es gibt immer noch viele Gegenwinde. Selbst mit dieser massiven Deeskalation liegt der durchschnittliche Zollsatz immer noch über allem, was wir in den letzten 75 Jahren gesehen haben."
Wie MarketWatch berichtet, dürfte laut Jonathan Pingle, US-Chefökonom der UBS Investment Bank, die vorübergehende Aussetzung der China-Zölle den durchschnittlichen US-Zollsatz spürbar senken - statt auf 24 Prozent zu steigen, dürfte er nun bei etwa 15 Prozent liegen.
Erste Warnsignale: Konsum schwächelt - Arbeitsmarkt zeigt Risse
Zunehmend belasten die Auswirkungen der Zölle aber den ohnehin angeschlagenen US-Konsum. Vor allem einkommensschwächere Haushalte halten sich spürbar mit Ausgaben zurück. Dies zeigen unter anderem die aktuellen Quartalszahlen von McDonald's, die laut einiger Analysten ein Indiz für nachlassende Konsumbereitschaft sind. Entsprechend schwach performen laut MarketWatch auch die Konsumwerte im S&P 500, die zu den bislang größten Verlierern des Jahres zählen.
Hinzu kommen warnende Signale vom US-Arbeitsmarkt. Zwar lagen die Beschäftigungszahlen im April über den Erwartungen, doch Garrett Melson, Portfoliostratege bei Natixis Investment Managers Solutions, relativiert dies und erwartet, dass auch diese Daten nach unten revidiert werden. Gleichzeitig lasse das Lohnwachstum nach - ein Problem, wenn Konsumenten zusätzlich von höheren Importpreisen getroffen werden.
"Wir sehen ein Tauziehen zwischen Optimismus an der Handelsfront und unserer Einschätzung nach negativ verzerrten Wirtschaftsdaten", sagte Melson gegenüber MarketWatch. "Es besteht das Risiko eines recht mageren Wachstums im weiteren Jahresverlauf."
Aktien-Bewertung bleibt hoch - und damit die Fallhöhe
Eine weitere Sorge der Analysten: Trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten sind US-Aktien nach wie vor hoch bewertet. Ein Rückgang der Unternehmensgewinne könnte daher schnell überproportionale Kursverluste nach sich ziehen.
Auch Callie Cox, Chefmarktstrategin bei Ritholtz Wealth Management, warnte in einer Mail an MarketWatch: "Märkte folgen letztlich den Gewinnen und der Wirtschaft. Aber die Aussichten für beide haben sich mit den heutigen Nachrichten kaum verbessert. Das beunruhigt mich […] Erholungsrallys könnten wenig bewirken, wenn das Fundament bröckelt." Selbst solide Unternehmenszahlen wie zuletzt bei den Unternehmen im S&P 500 - mit einem von FactSet berichteten Gewinnwachstum von 13,4 Prozent im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahr - könnten in einem von Unsicherheit geprägten Umfeld nicht ausreichen, um die Börsen langfristig zu stabilisieren, so die Experten.
Experten warnen: Anleiherenditen steigen - Gefahr für Aktienmärkte?
Ein zusätzlicher Belastungsfaktor ist der Rentenmarkt. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg zuletzt auf 4,444 Prozent und nähert sich somit gefährlich der psychologisch wichtigen 5-Prozent-Marke (Stand: 16. Mai 2025). Ein weiteres Anziehen, das laut Ross Mayfield zu einer Neubewertung von Aktien führen könnte. "Es ist derzeit ein schwieriges Umfeld. Natürlich sind die Nachrichten gut, es ist ein risk-on-Markt - aber wenn die 10-jährige zu hoch geht, könnten die Aktienmärkte sehr negativ reagieren", erklärte er gegenüber MarketWatch.
Die Risiken bleiben laut Experten also weiterhin bestehen: Hohe Bewertungen, schwacher Konsum, ein fragiler Arbeitsmarkt und steigende Anleiherenditen könnten die jüngste Erholung womöglich schnell wieder zunichtemachen. Ob sich diese Warnungen bewahrheiten oder die Märkte ihren Aufwärtstrend fortsetzen können, bleibt vorerst abzuwarten.
Redaktion finanzen.net
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