SAP-Aktie vor Bilanzvorlage wankelmütig - Analysten optimistisch gestimmt
• Erwartete Steigerung beim Gewinn je Aktie auf 1,507 Euro im Vergleich zum Vorjahr
• Umsatzprognosen der Analysten liegen bei durchschnittlich 9,746 Milliarden Euro
• Marktstimmung durch KI-Unsicherheit belastet
Analysten erwarten solides Wachstum trotz Marktturbulenzen
Kurz vor dem Ende der sogenannten Quiet Period am 29. Januar 2026 richten sich alle Augen auf die SAP-Zentrale in Walldorf. Die vorliegenden Schätzungen von insgesamt 17 Analysten deuten auf ein robustes Schlussquartal für das Geschäftsjahr 2025 hin. Im Durchschnitt wird ein Gewinn je Aktie von 1,507 Euro erwartet, was einer Steigerung gegenüber dem Vorjahreswert von 1,370 Euro entspräche. Auch für das laufende erste Quartal 2026 sind die Experten zuversichtlich und taxieren den Gewinn je Aktie auf durchschnittlich 1,642 Euro. Diese Zahlen unterstreichen die Resilienz des Geschäftsmodells in einem Umfeld, das zuletzt von konjunkturellen Sorgen und geopolitischen Spannungen geprägt war.
Das US-Analysehaus Jefferies fand zwar lobende Worte über die Eckzahlen und die bestätigte Geschäftsjahresprognose 2025/26 des Software-Entwicklers. Die Experten wiesen jedoch darauf hin, dass die Briten mit den Erlösen durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz noch am Anfang stünden.
Analyst Carlos Trevino von der spanischen Bank Santander senkte an diesem Tag sein Kursziel für SAP von 192 auf 187 Euro und bekräftigte sein Anlageurteil "Underperform". Baader Europe-Analyst Maximilien Pascaud strich unterdessen seine Empfehlung "Add" und senkte seine Bewertung gleich um zwei Stufen auf "Reduce". Sein Kursziel kappte er von 219 auf 211 Euro.
Was das KI-Thema betrifft, waren die Anleger auch bei Europas größtem Software-Hersteller zuletzt zunehmend vorsichtig geworden. Zwar läuft die US-Konjunktur insgesamt und damit die wichtigste Region für die Nordbadener augenscheinlich gut. Allerdings ist das vor allem den hohen Investitionen in den Ausbau der KI-Kapazitäten in den USA geschuldet. Industrie und Mittelstand, die Brot- und Butterkundschaft von SAP - geizten angesichts von Einfuhrzöllen und unklaren Aussichten eher mit Ausgaben für IT und Software. Vom Ausbau der KI-Rechenzentren hat SAP zunächst wenig, weil der deutsche Konzern nicht wie Rivale Oracle in großem Stil auf eigene Rechenzentren setzt.
Umsatzentwicklung im Zeichen der Cloud-Transformation
Hinsichtlich der Erlöse prognostizieren 18 Analysten für das abgelaufene vierte Quartal 2025 einen mittleren Umsatz von 9,746 Milliarden Euro. Dies markiert ein deutliches Plus gegenüber den 9,378 Milliarden Euro, die im gleichen Zeitraum des Vorjahres erwirtschaftet wurden. Für das gesamte Geschäftsjahr 2026 rechnen die Experten bereits mit einem Sprung auf über 40 Milliarden Euro Umsatz. Dieser Wachstumskurs wird primär durch die konsequente Umstellung auf Cloud-Subskriptionen getrieben. Balajee Tirupati von der Citigroup betonte in seinem jüngsten Ausblick gegenüber seinen Kunden, dass die Branche derzeit einen Höhepunkt der Mollstimmung erlebe. Dennoch erwartet Tirupati eine anhaltend starke operative Entwicklung des Konzerns, was nach der Veröffentlichung des Berichts zu einer Entspannung bei den Anlegern führen könnte.
Aktienreaktion und technisches Bild im XETRA-Handel
Im XETRA-Handel zeigte sich die SAP-Aktie zuletzt volatil und konnte an die Rekordläufe des DAX nicht anknüpfen. Nachdem das Papier im bisherigen Jahresverlauf ein Hoch bei 213,45 Euro markierte, geriet es im Zuge einer Branchenrotation unter Druck. Am 22. Januar markierten die Anteile bei 189,84 Euro ein vorläufiges Jahrestief, erholten sich jedoch seither moderat. Am heutigen Handelstag notierte der Titel schlussendlich 2,69 Prozent niedriger bei 195,54 Euro. Marktteilnehmer beobachten genau, ob die Unterstützung im Bereich von 190 Euro hält oder ob die Unsicherheit bezüglich der Wachstumsprofile durch künstliche Intelligenz zu weiteren Abverkäufen führt.
Nun bleibt nur abzuwarten, ob SAP mit seiner Bilanzvorlage Anleger überzeugen kann.
Redaktion finanzen.net mit Material von dpa-AFX
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