SAP-Aktie fällt: Quartalszahlen könnten positiv überraschen - Kooperation mit Fresenius
• SAP-Aktie belastet durch Marktumfeld und operative Unsicherheiten
• Cloud-Geschäft zuletzt schwächer, Erwartungen gedämpft
• Analysten sehen Aufwärtspotenzial bei positiven Quartalszahlen
Mehr als 22 Prozent hat die SAP-Aktie auf Sicht der letzten zwölf Handelsmonate auf XETRA an Wert verloren. Und auch den Start ins neue Jahr hat der Technologieriese verpatzt: 4,64 Prozent sackte die Aktie seit Jahresbeginn bereits ab. Am Montag setzt sich diese Tendenz weiter fort: Anleger haben zeitweise ein weiteres Minus von 2,80 Prozent auf 196,48 Euro in ihren Depots.
Schwacher Gesamtmarkt vs. operative Probleme
Während es zum Wochenstart ein überaus schwacher Gesamtmarkt sein dürfte, der die SAP-Aktie - ebenso wie zahlreiche andere DAX-Titel - unter Druck setzt, sind es übergeordnet auch operative Probleme, die die schwache Kursentwicklung der Aktie bedingen. Im dritten Quartal 2025 enttäuschte SAP trotz solider Gesamtzahlen vor allem im Cloud-Segment: Das Wachstum verlangsamte sich auf 22 Prozent (5,29 Milliarden Euro), zeitgleich kürzte der Softwareriese seine Prognose für das Segment im Jahr 2025 auf das untere Ende der Spanne (26-28 Prozent).
Zurückhaltung bei US-Kunden aus Industrie und öffentlichem Sektor, ein schwacher US-Dollar durch Trumps Handelspolitik sowie ein unsicheres makroökonomisches Umfeld erwiesen sich in den Folgewochen als Belastungsfaktor für die SAP-Aktie, zusätzlich belasteten ein mehrtägiger Systemausfall bei einem indischen Großkunden sowie anhaltende EU-Kartellermittlungen das Vertrauen.
Morgan Stanley hält positive Überraschung für möglich
Doch die Ende des Monats anstehenden Zahlen zum vierten Quartal und dem Gesamtgeschäftsjahr könnten unter Umständen die Wende bringen. Analysten von Morgan Stanley sehen die Möglichkeit, dass es im Cloud-Geschäft zuletzt besser lief als erhofft. Analyst Adam Wood schrieb in der vergangenen Woche in einer Mitteilung, aus der "Investing" zitiert, dass das Finanzhaus nach "positiven Kommentaren aus unserer Umfrage und weiteren Marktanalysen" ein Aufwärtsrisiko für die Ergebnisse des 4. Quartals sehe. Laut dem Experten bestätigten die Reseller-Umfrage der Bank und das Feedback von Systemintegratoren die positive Einschätzung des CCB-Wachstums im vierten Quartal. Man gehe davon aus, dass SAP nur ein bis zwei der in der Pipeline befindlichen Großaufträge benötige, um ein CCB-Wachstum von 27 Prozent im vierten Quartal zu erreichen.
Darüber hinaus rechnet Wood vor, dass SAP seinen Auftragsbestand um lediglich 2,3 Milliarden Euro aufstocken müsse, um die von Investoren geforderte Wachstumsrate von 26 Prozent zu erreichen. Da sich aus bisher verschobenen Aufträgen möglicherweise noch Aufträge im Wert von mindestens 500 Millionen Euro ergeben würden, kommt der Analyst zu dem Schluss: "Angesichts unserer positiven Analysen sehen wir das Risiko überwiegend nach oben gerichtet."
Ob sich diese positiven Aussichten bestätigen werden, wird sich am 29. Januar bei der Vorlage der neuesten SAP-Quartalsbilanz zeigen. Bis dahin dürften sich Anleger aber möglicherweise kaum aus der Deckung wagen.
SAP und Fresenius treiben Einsatz von KI in Kliniken voran
Deutschlands größter Softwarekonzern SAP und der Klinikbetreiber Fresenius wollen gemeinsam künstliche Intelligenz (KI) im Gesundheitswesen voranbringen. Im Rahmen einer strategischen Partnerschaft solle eine Plattform aufgebaut werden, die vernetzte und datengetriebene Gesundheitsprozesse ermöglicht, teilte Fresenius in Bad Homburg mit. Bei dem Projekt planten die beiden DAX-Konzerne, mittelfristig einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag zu investieren.
"Wir machen Daten und KI zu alltäglichen Begleitern, die für Ärzte und Krankenhausteams sicher, einfach und skalierbar sind", sagte Fresenius-Chef Michael Sen. Damit schaffe man mehr Raum für die Versorgung von Patientinnen und Patienten.
Fresenius Helios ist Deutschlands größter Klinikbetreiber. In mehr als 80 Krankenhäusern und rund 220 Medizinischen Versorgungszentren werden jährlich rund 5,5 Millionen Menschen hierzulande behandelt. Über die Tochtergesellschaft Quirónsalud ist das Unternehmen zudem in Spanien und Lateinamerika aktiv.
Klein: Grundlage für souveräne Gesundheitsplattform
Schon heute kann KI Ärzten helfen, Krankheiten zu erkennen und die richtigen Entscheidungen zu treffen, etwa bei bildgebenden Verfahren bei Radiologen. Bei Fresenius soll das Fachpersonal KI-gestützt bessere Entscheidung bei der Diagnostik treffen. Auch könnten Abläufe beschleunigen werden. Die finale Entscheidung über Behandlungen liege aber immer bei den Ärzten, hieß es.
Mit der Technologie von SAP und der Expertise von Fresenius wolle man die Grundlage für eine souveräne Gesundheitsplattform für Fresenius weltweit schaffen, sagte SAP-Chef Christian Klein. "Damit wollen wir gemeinsam neue Maßstäbe für Datenhoheit, Sicherheit und Innovation im Gesundheitswesen setzen."
Ziel ist demnach ein integriertes, erweiterbares und datenbasiertes digitales System, das Kliniken und medizinischen Einrichtungen den sicheren Einsatz von KI ermöglicht, auch im Umgang mit sensiblen Patientendaten.
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