Tesla-Aktie nach Zahlen im Analystencheck: Zwischen Euphorie und Absturzgefahr
• Tesla mit erstem Jahresumsatzrückgang der Unternehmensgeschichte
• Wells Fargo warnt vor steigenden Ausführungsrisiken
• Canaccord und RBC halten an ihrer optimistischen Langfriststory fest
Tesla konnte im vierten Quartal 2025 die Erwartungen der Analysten übertreffen. Der Elektroautopionier meldete einen Gewinn pro Aktie (EPS) von 0,50 US-Dollar, was über den prognostizierten 0,45 US-Dollar lag. Auch der Umsatz fiel mit 24,9 Milliarden US-Dollar leicht höher aus als die erwarteten 24,75 Milliarden US-Dollar.
Dennoch offenbarte der Jahresbericht eine historische Zäsur: Erstmals in der Unternehmensgeschichte verzeichnete Tesla einen Rückgang des Jahresumsatzes. Zudem plant das Unternehmen, die Kapitalausgaben (Capex) im Jahr 2026 auf rund 20 Milliarden US-Dollar fast zu verdoppeln, um die Produktion von Robotaxis und dem humanoiden Roboter Optimus zu finanzieren.
Wells Fargo bleibt pessimistisch: Kursziel auf 125 Dollar gesenkt
Trotz der kurzfristigen Gewinnüberraschung reagierte Wells Fargo im Anschluss an die Tesla-Zahlen defensiv. Die Analysten der Bank senkten ihr Kursziel für die Tesla-Aktie von zuvor 130 US-Dollar auf nun 125 US-Dollar. Nachdem der Anteilsschein an der NASDAQ am Donnerstag 3,45 Prozent tiefer bei 416,56 US-Dollar geschlossen hatte, würde dies einem Abwärtspotenzial von fast 70 Prozent entsprechen.
Dass es für die Tesla-Aktie vorbörslich wieder 1,42 Prozent auf 422,47 US-Dollar nach oben geht, fällt bei dem Preisziel von Wells Fargo kaum ins Gewicht.
Die Bank behielt zudem ihre Einstufung "Underweight" bei. Die Analysten begründen ihre Skepsis vor allem mit den steigenden Ausführungsrisiken. Der geplante massive Anstieg der Investitionskosten belaste den Free Cash Flow und setze das Unternehmen unter Druck, mit noch unbewiesenen Produkten wie dem Robotaxi und Optimus schnell Gewinne zu erzielen.
Andere Experten bleiben optimistischer
Auch Canaccord-Analyst George Gianarikas senkte sein Preisziel für die Tesla-Aktie von 551 auf 520 US-Dollar, allerdings hält er an seinem Buy-Rating weiter fest. Anders als Wells Fargo hat der Canaccord-Experte aber keine Sorge um das Geschäftsmodell des Autobauers. Investing zufolge ist die Anpassung des Kursziels im Zuge einer Neukalibrierung des Bewertungsmodells passiert. Dennoch sieht man Tesla weiter als Stellvertreter für ein neues Paradigma, das auf der Konvergenz von künstlicher Intelligenz, Robotik und der Dekarbonisierung von Energiesystemen basiere. Eine Investition in das Unternehmen unterstütze demnach Elon Musks Vision dieser Zukunft.
Positive Worte waren auch von RBC Capital zu hören: Die Experten halten ihr Kursziel von 500 US-Dollar für die Tesla-Aktie aufrecht, insbesondere die geplanten hohen Investitionen wurden dabei gelobt. Laut RBC-Analyst Tom Narayan sei mit einer soliden Bilanz für die geplante Expansion gut aufgestellt und verfüge über mehr liquide Mittel als Schulden in Höhe von 13,79 Milliarden US-Dollar, zitiert Investing den Marktexperten.
Tesla am Scheideweg
Tesla steht also vor einer entscheidenden Phase: Die soliden Margen und Gewinnzahlen kaschieren nicht den historischen Umsatzrückgang und die ambitionierten Capex-Pläne für Robotaxis und Optimus. Während Skeptiker wie Wells Fargo massive Risiken wittern und das Kursziel drastisch kürzen, setzen Optimisten von Canaccord bis RBC auf Musks Vision als Pionier der KI- und Energiezukunft. Anleger sollten die nächsten Quartale genau beobachten - hier entscheidet sich, ob Tesla seinen Hype in nachhaltiges Wachstum ummünzt.
Redaktion finanzen.net
Bildquelle: Andrei Tudoran / Shutterstock.com