Bayer-Aktie zieht an: Asundexian senkt Schlaganfall-Risiko merklich
Das ist das Ergebnis der zulassungsrelevanten Studie Oceanic Stroke mit mehr als 12.300 Teilnehmern, deren Details der deutsche Pharma- und Agrarchemiekonzern bei der International Stroke Conference 2026 in New Orleans vorstellte. Damit stehen die Chancen gut, dass das Mittel, ein sogenannter FXIa-Hemmer, für Bayer doch noch zu einem Verkaufserfolg wird.
Oceanic-Stroke-Studie: Bayer veröffentlicht Details zum Erfolg bei der Schlaganfallprävention
Ende 2023 hatte Bayer mit dem Prüfpräparat in seiner anderen Indikation zunächst einen Forschungsrückschlag bei der eigentlichen Hauptindikation erlitten, die Untersuchung zur Schlaganfallprävention in Kombination mit einem Thrombozytenaggregationshemmer aber fortgesetzt. Im vergangenen November erklärte Bayer dann, Asundexian habe das Schlaganfall-Risiko im Rahmen der Oceanic-Stroke-Studie signifikant verringert. Die Details wurden jetzt veröffentlicht.
Konsistente Studienergebnisse: Asundexian überzeugt über alle Patientengruppen hinweg
Nach Angaben von Bayer waren die Ergebnisse über alle klinisch relevanten Patientengruppen konsistent, unabhängig von wesentlichen Patientenmerkmalen wie Alter, Geschlecht, Ursache des Schlaganfalls oder Schwere des Schlaganfalls. Das Leverkusener Unternehmen wird nun die Studiendaten bei den Gesundheitsbehörden zur Beantragung von Marktzulassungen für Asundexian einreichen. Bei der US-Gesundheitsbehörde FDA hat das Mittel einen Fast Track-Status bekommen.
Der Chef der Bayer-Pharmaforschung Christian Rommel sagte, er glaube, dass "Asundexian... einen bedeutenden Beitrag zur Verbesserung des Lebens von Schlaganfallpatienten und Angehörigen sowie positive Auswirkungen auf die Gesundheitssysteme weltweit haben könnte".
Blockbuster-Potenzial für Bayer: Asundexian visiert Milliardenumsätze an
Asundexian gilt noch immer als möglicher Blockbuster mit Spitzenumsätzen von 1 Milliarde Euro jährlich. Weltweit etwa 12 Millionen Menschen pro Jahr erleiden einen Schlaganfall. Trotz Behandlung erleidet einer von fünf Überlebenden binnen fünf Jahren einen weiteren Schlaganfall. Wiederkehrende ischämische Schlaganfälle führen tendenziell zu größeren Behinderungen und sind mit einem höheren Sterblichkeitsrisiko verbunden als der erste Schlaganfall.
So reagiert die Bayer-Aktie am Freitag
Detaillierte Studienergebnisse von Bayer zum Medikamentenkandidaten Asundexian machen Anlegern Hoffnung auf gute Geschäfte mit dem Blutgerinnungshemmer. Analysten äußerten sich positiv zur Wirksamkeit und Sicherheit des Medikaments zur Vorbeugung eines zweiten Schlaganfalls. Der Aktienkurs des DAX-Konzerns stieg denn auch am Freitag im Vergleich zum XETRA-Schluss zeitweise um 1,70 Prozent auf 45,58 Euro. Damit würden nicht mehr viel zum gegen Ende Januar erreichten Hoch seit dem Herbst 2023 fehlen. Seit dem Mehrjahrestief im Frühjahr 2025 würden sich die Kursgewinne damit wieder auf mehr als 150 Prozent summieren.
Analysten optimistisch
Die Perspektiven für den Pharma- und Agrarchemiekonzern hatten sich zuletzt deutlich aufgehellt. Denn: Bei den Bemühungen um eine Lösung der US-Rechtsstreitigkeiten rund um angebliche Krebsrisiken glyphosathaltiger Unkraufvernichter machte Bayer Fortschritte. Die Leverkusener können mittlerweile auf ein für sie positives Grundsatzurteil des obersten US-Gerichts, des US Supreme Court hoffen.
Gleichzeitig scheinen die Sorgen vieler Investoren über eine Patentklippe im Pharmageschäft wie weggewischt. Die Bedenken schwanden zuletzt deutlich, dass neue Medikamente wegbrechende Erlöse der Kassenschlager Xarelto und Eylea wegen wegfallenden Patentschutzes für den Blutgerinnungshemmer und das Augenmedikament nicht auffangen können. Die lange Zeit angenommene Patentklippe erscheine mittlerweile nur noch wie eine kleinere Unebenheit auf eine Straße, hatten die Analysten Christian Faitz und David Evans von Kepler Cheuvreux erst im Januar dazu geschrieben.
So sieht Bayer die Pharmasparte wegen des Erfolgs noch junger Medikamente und geplanter Verkaufsstarts neuer Arzneien wieder auf Wachstumskurs. "Wir haben jetzt fünf große Blockbuster-Kandidaten", hatte der Chef der Pharmasparte Stefan Oelrich Anfang des Jahres im Zuge der JPMorgan Healthcare Conference in San Francisco im Gespräch mit der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX gesagt. In den kommenden Jahren bis in die 2030er Jahre hinein erwartet der Manager auch daher "extrem gutes" Wachstum.
Untermauert wird dies nun offenbar durch die Asundexian-Daten. Bereits im Herbst hatten erste Resultate der zulassungsrelevanten Phase-III-Studie Anleger und Analysten überzeugt. Als für das Verkaufspotenzial entscheidend verwiesen Experten aber auf die nun veröffentlichten detaillierten Daten.
Die Studie ergab laut der am Donnerstagabend veröffentlichten Daten eine Reduzierung der Anzahl von wiederkehrenden Schlaganfällen um gut ein Viertel. JPMorgan-Analyst Vosser rechnete bisher mit einem Jahresspitzenumsatz von 1,4 Milliarden Euro nach 2035 sowie mit Erlösen von rund 100 Millionen Euro im Jahr 2028. Angesichts der Daten sieht er aber Luft nach oben, sowohl bei den anfänglichen Erlösen sowie beim Spitzenumsatz. Allerdings hänge das Umsatzpotenzial auch vom Abschneiden der Konkurrenz ab. So stünden für den Wirkstoff Milvexian wichtige Studienergebnisse seitens Johnson & Johnson und Bristol-Myers Squibb Ende 2026 sowie Anfang 2027 an.
Auch Matthew Weston von der Schweizer Großbank UBS äußerte sich optimistisch. Sowohl die Wirksamkeit als auch das Sicherheitsprofil des Gerinnungshemmers habe auf der Internationalen Schlaganfall-Konferenz für Applaus gesorgt, schrieb Weston in einer ersten Einschätzung. Der Präventionserfolg bei ischämischem Schlaganfall (Hirninfarkt) sei bedeutend. In der Schlaganfall-Prävention taxiert Weston das Marktpotenzial von Asundexian aktuell auf einen Jahresspitzenumsatz von 1,5 Milliarden US-Dollar (knapp 1,3 Mrd Euro) bei einer Wahrscheinlichkeit von 80 Prozent.
DOW JONES / dpa-AFX
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