Aktien von NVIDIA und Microsoft: Es kriselt zwischen OpenAI und NVIDIA - ChatGPT-Macher unzufrieden mit KI-Chips?
• OpenAI testet offenbar alternative Hardware zu NVIDIA-Chips für Inferenz
• Investitionspläne im Blick
• NVIDIA dementiert Unzufriedenheits-Gerüchte und bestätigt weitere Zusammenarbeit
Der Druck auf den KI-Marktführer NVIDIA verschärft sich, da nun möglicherweise der wichtigste Partner OpenAI offen nach technologischen Alternativen sucht. Laut einem Exklusivbericht von Reuters zeigt sich das Unternehmen hinter ChatGPT zunehmend unzufrieden mit der Performance aktueller NVIDIA-Chips, insbesondere im Bereich der Inferenz.
NVIDIA-Hardware mit Grenzen bei der Effizienz?
Während NVIDIAs Hardware beim Training von KI-Modellen weiterhin als Maßstab gilt, stößt sie bei der täglichen Beantwortung von Nutzeranfragen offenbar an Effizienzgrenzen. OpenAI plane daher, rund zehn Prozent seines Inferenz-Bedarfs auf Hardware anderer Anbieter umzulagern, um die enorme Kostenlast zu senken und die Abhängigkeit von einem einzigen Lieferanten zu durchbrechen, heißt es bei Reuters unter Berufung auf Quellen.
Verhandlungen um Investitionen im Fokus
Diese strategische Neuausrichtung öffnet die Tür für Wettbewerber und neue Allianzen, insbesondere vor dem Hintergrund, dass beide Unternehmen derzeit in Verhandlungen über neue Investitionen sind. Bereits am vergangenen Wochenende hatte es diesbezüglich erste Störfeuer gegeben: NVIDIAs angeblicher Plan, bis zu 100 Milliarden US-Dollar in OpenAI zu investieren, sei aufgrund interner Bedenken ins Stocken geraten, hatte das "Wall Street Journal" berichtet. Demnach würden insbesondere Führungskräfte bei NVIDIA an der künftigen Wettbewerbsposition des ChatGPT-Entwicklers zweifeln.
NVIDIA-CEO Jensen Huang war daraufhin in die Offensive gegangen und hatte die Gerüchte, man sei "unzufrieden" mit OpenAI, als "Unsinn" zurückgewiesen. NVIDIA plane eine "enorme" Investition in OpenAI, die wahrscheinlich größte in der Unternehmensgeschichte, so Huang CNBC zufolge im Gespräch mit Reportern in Taipeh. "Wir werden massiv in OpenAI investieren. Ich glaube an OpenAI, ihre Arbeit ist unglaublich, sie gehören zu den einflussreichsten Unternehmen unserer Zeit, und ich arbeite sehr gerne mit Sam zusammen", sagte er in Bezug auf OpenAI-CEO Sam Altman.
Bessere Verhandlungsposition für OpenAI?
Vor dem Hintergrund der jüngst laut gewordenen möglichen Zweifel an der Investition in OpenAI wirken die in der Presse diskutieren Pläne des ChatGPT-Entwicklers, sich von dem KI-Giganten zu emanzipieren und die Abhängigkeit zu reduzieren, auch als möglicher Schritt hin zu einer verbesserten Verhandlungsposition. Denn ein derartiger Strategiewechsel könnte sich empfindlich auf die gemeinsamen Pläne der beiden Unternehmen auswirken.
Bereits in der Vergangenheit hatte sich OpenAI auf die Suche nach Alternativen für NVIDIA-Chips gemacht. Da die Chip-Architektur des KI-Giganten häufig auf externe Speichereinheiten zugreifen muss, entstehen Verzögerungen, welche die Rechenleistung beeinträchtigen. Um diese Effizienzverluste zu umgehen, suchte OpenAI aktiv nach alternativen Hardware-Partnern und führte unter anderem intensive Gespräche mit den spezialisierten Startups Cerebras und Groq. Ein strategisches Manöver von NVIDIA veränderte jedoch die Verhandlungslage grundlegend: Der Marktführer sicherte sich im Dezember 2025 eine milliardenschwere Lizenz für die Inferenz-Technologie von Groq, was letztlich dazu führte, dass OpenAI die Gespräche mit Groq einstellte und stattdessen eine Milliarden-Dollar-Allianz mit Cerebras besiegelte.
NVIDIA-Aktionäre reagieren
Die jüngsten Nachrichten über eine Krise in der Zusammenarbeit zwischen OpenAI und NVIDIA haben sich auch am Aktienmarkt bemerkbar gemacht. Die NVIDIA-Aktie hatte am Vortag an der NASDAQ 2,89 Prozent schwächer bei 186,25 US-Dollar geschlossen, zeigt am Dienstag vorbörslich mit +0,46 Prozent auf 186,47 US-Dollar aber leichte Erholungstendenzen. Die Aktie des OpenAI-Partners Microsoft legt daneben zeitweise 0,45 Prozent auf 425,29 US-Dollar zu.
Redaktion finanzen.net
Bildquelle: JarTee / Shutterstock.com