UnitedHealth-Aktie tiefrot: Erster Umsatzrückgang seit 1989 erwartet - Medicare-Pläne schocken auch Humana und CVS

27.01.2026 15:41:00

Der US-Krankenversicherungskonzern UnitedHealth hat seine Bücher geöffnet. So fiel die Bilanz des Branchenriesen aus.

UnitedHealth hat das vierte Geschäftsquartal 2025 mit einem kräftigen Gewinneinbruch abgeschlossen. Das Ergebnis je Aktie sackte von 5,98 US-Dollar auf 2,11 US-Dollar ab und lag damit über den Analystenschätzungen von 2,10 US-Dollar. Im Gesamtjahr lag der Gewinn unterdessen bei 16,35 US-Dollar je Anteilsschein nach 15,51 US-Dollar vor Jahresfrist und Analystenerwartungen von 16,32 US-Dollar.

Bei den Erlösen meldete der größte private Krankenversicherungsanbieter in den USA für das vierte Quartal ein Plus von 12,31 Prozent, nach 100,81 Milliarden US-Dollar vor Jahresfrist standen im aktuellen Berichtsquartal 113,22 Milliarden US-Dollar in den Büchern (Analystenerwartungen: 113,77 Milliarden US-Dollar). Im Gesamtgeschäftsjahr verbesserte sich der Umsatz von 400,28 Milliarden US-Dollar auf 447,6 Milliarden US-Dollar, die Expertenprognosen von 447,86 Milliarden US-Dollar konnten damit knapp nicht erreicht werden.

Weniger Einnahmen erwartet

Der US-Krankenversicherer rechnet nach einer herben Krise mit dem ersten Umsatzrückgang seit mehr als 30 Jahren. Das Unternehmen soll künftig weniger Kunden bedienen und weniger einnehmen, aber trotzdem mehr Gewinn erwirtschaften. Dazu soll die Zahl der Versicherten ebenso schrumpfen wie die Präsenz der Dienstleistungstochter Optum in den USA. Außerdem will das Management Geschäftsteile im Ausland veräußern, wie der Konzern am Dienstag in Eden Prairie (US-Bundesstaat Minnesota) mitteilte.

Für das laufende Jahr erwartet das Management konzernweit einen Umsatz von mehr als 439 Milliarden US-Dollar (370 Mrd Euro). Das wären zwei Prozent weniger als im Vorjahr, weniger als von Analysten im Schnitt erwartet - und laut Daten der Nachrichtenagentur Bloomberg der erste Umsatzrückgang seit dem Jahr 1989. Der um Sonderposten bereinigte Gewinn je Aktie soll jedoch von zuletzt 16,35 Dollar auf mehr als 17,75 Dollar steigen.

Der geringere Umsatz im vergangenene Jahr lag auch an Sonderbelastungen von insgesamt 1,6 Milliarden Dollar nach Steuern. Darin enthalten sind die Folgen eines Cyberangriffs sowie Kosten für den Konzernumbau, abgefedert von Gewinnen aus dem Verkauf von Beteiligungen.

Unitedhealth war 2025 wiederholt ins Visier staatlicher Ermittlungen geraten. Im April kappte das Management zunächst seine Jahresziele und strich sie im Mai wegen unerwartet hoher Kosten für medizinische Behandlungen komplett. Zugleich holte der Konzern seinen früheren Chef Hemsley zurück an die Spitze, um die Krise zu beenden. Dieser gab später deutlich bescheidenere Ziele aus als sein Vorgänger.

Medicare-Pläne schocken UnitedHealth und andere Krankenversicherer

Die UnitedHealth-Aktie zeigt sich an der NYSE mit einem Kurseinbruch von 19,16 Prozent bei 284,31 US-Dollar.

Auch die Konkurrenz verliert kräftig an Boden: Für CVS Health ging es um 10,22 Prozent nach unten auf 75,30 US-Dollar. Humana rutschten um 19,73 Prozent ab auf 212,45 US-Dollar.

Die zuständige Bundesbehörde Centers for Medicare & Medicaid Services hatte angekündigt, die Zahlungen an private Medicare-Versicherungen für die von den Konzernen betreuten, sogenannten Advantage-Pläne im nächsten Jahr um lediglich 0,09 Prozent zu erhöhen und damit quasi unverändert lassen zu lassen. Analysten hatten einen Anstieg von bis zu 6 Prozent erwartet; entsprechend groß war die Enttäuschung der Anleger.

Die Anleger waren bislang davon ausgegangen, dass die neue US-Regierung unter Präsident Donald Trump privaten Medicare-Plänen gegenüber wohlwollender eingestellt ist als ihre Vorgängerin. Doch Trump begann, Versicherer ins Visier zu nehmen und ihnen die Schuld für steigende Prämien bei den privaten Krankenversicherungen zu geben. Im Dezember sagte er, dass Versicherungsgesellschaften "so viel Geld verdienen und dass sie weniger verdienen müssen, viel weniger".

Die Gewinne der Medicare-Versicherer waren zuletzt durch steigende Pflegekosten und die nach Meinung der Unternehmen unzureichende Finanzierung durch die Regierung geschmälert worden. Der vorläufige Erhöhungssatz muss in den kommenden Monaten endgültig festgelegt werden, sodass noch Spielraum für Nachbesserungen besteht.

Die US-Krankenversicherung Medicare ist vor allem für Personen ab 65 Jahren und für jüngere Menschen mit bestimmten Behinderungen oder Nierenerkrankungen konzipiert.

Redaktion finanzen.net und dpa-AFX

Bildquelle: II.studio / Shutterstock.com

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