QIAGEN-Aktie auf den Kaufzetteln: Gerüchte über Strategiewechsel lösen Rally aus
Mit der Schlussauktion auf XETRA stiegen die QIAGEN-Papiere schlussendlich um 12,37 Prozent auf 44,11 Euro und waren damit im schwachen DAX der Tagessieger.
Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg mit Verweis auf mit der Sache vertraute Personen berichtete, prüft der Labordienstleister und Diagnostikspezialist strategische Option, welche auch einen möglichen Verkauf beinhalteten.
QIAGEN-Anleger schwelgen weiter in Übernahmefantasie
Der Laborspezialist und Diagnostikkonzern QIAGEN steht erneut im Zentrum von Übernahmespekulationen. Das im DAX notierte Unternehmen erwägt laut einem Bloomberg-Bericht strategische Optionen. Der Aufsichtsrat prüfe laut Insidern bereits das vorläufige Interesse potenzieller Interessenten. Angesichts des wohl baldigen Abschieds von Konzernchef Thierry Bernard könnte dabei der Weg für eine Übernahme von QIAGEN frei sein. Das Unternehmen selbst lehnte eine Stellungnahme zu dem Bericht ab. An der Börse sorgten die Nachrichten unterdessen für reichlich Kursfantasie.
Das Papier schoss kurz nach dem Börsenstart um zeitweise gut 7 Prozent aufwärts. Damit rückte der Kurs zeitweise dicht an sein vor rund einem Jahr erreichtes Zwischenhoch von rund 47,36 Euro heran. Via XETRA geht es Zuletzt noch 2,65 Prozent auf 45,28 Euro nach oben. Der Börsenwert von QIAGEN liegt bei rund zehn Milliarden Euro.
QIAGEN habe Berater hinzugezogen und in den vergangenen Wochen bereits mit mehreren möglichen Käufern gesprochen, darunter auch strategischen Investoren aus den USA, hatte Bloomberg bereits am späten Dienstagnachmittag berichtet und sich dabei auf mit der Sache vertraute Personen berufen. Die Erwägungen seien aber noch in einem frühen Stadium, und es gebe keine Sicherheit, dass eine Transaktion zustande kommen werde.
Für eine denkbare Übernahme entfalle mit dem im November angekündigten Rücktritt von Bernard eines der größten Hindernisse, hieß es weiter. Der Manager wird das Unternehmen verlassen, sobald ein Nachfolger gefunden ist.
Jefferies-Analyst Tycho Peterson hält unterdessen einen Übernahmepreis von 60 Dollar je Aktie für angemessen, umgerechnet aktuell gut 51 Euro. Nach seiner Einschätzung ist der Zeitpunkt für einen Deal so günstig wie nie - und nicht nur wegen des Weggangs von Bernard. Er hält seitens mehrerer großer Anbieter ein Interesse an QIAGEN für möglich, da es dies bereits in der Vergangenheit mehrfach gegeben habe. Dabei könne QIAGEN nach dem Ende der Corona-Pandemie mit einem Produktportfolio punkten, das "hochgradig differenziert" sei. Hinzu komme, dass die Börsenbewertung von QIAGEN trotz einer überzeugenden geschäftlichen Wachstumsbasis derjenigen der Wettbewerber hinterherhinke.
Auch UBS-Analyst Dan Leonard schrieb, dass Medienberichte rund um ein Übernahmeinteresse an QIAGEN das Investmentumfeld seit November 2019 prägten. Damals war der US-Konzern Thermo Fisher Scientific an QIAGEN interessiert gewesen und hatte 2020 dann eine Offerte abgegeben. Mangels Unterstützung durch die Aktionäre war das Vorhaben dann jedoch geplatzt. Der UBS-Analyst bleibt vorsichtig: Es sei schwierig, die Wahrscheinlichkeit einzuschätzen, ob sich der Bloomberg-Bericht konkretisieren werde. Unter anderem verwies er dafür auf die Diskrepanz zwischen den Wachstumszielen von QIAGEN und der tatsächlichen Geschäftsentwicklung.
QIAGEN bietet Technologien und Dienstleistungen für die Untersuchung von genetischem Material für mehr als 500.000 Kunden, darunter pharmazeutische Forschungs- und Entwicklungsteams sowie klinische Labore. Die QIAGEN-Holding hat ihren Sitz im niederländischen Venlo, operativer Hauptsitz des Unternehmens ist jedoch das nordrhein-westfälische Hilden.
In der Vergangenheit hatte QIAGEN bereits mehrfach Interesse geweckt. So war 2020 eine Übernahme durch den US-Technologiekonzern Thermo Fisher Scientific mangels ausreichender Unterstützung durch die Aktionäre geplatzt. Die Amerikaner hatten ihr Angebot zuvor noch erhöht und insgesamt rund 12 Milliarden Dollar für das Dax-Unternehmen geboten. Doch das Vorhaben scheiterte am Widerstand eines aktivistischen Investors.
Im folgenden Jahr sollen dann QIAGEN und sein französischer Konkurrent Biomerieux Insidern zufolge eine mögliche Fusion geprüft haben, wie ebenfalls Bloomberg seinerzeit berichtete. Die Aussicht auf einen Zusammenschluss von zwei der größten Anbieter medizinischer Diagnostika in Europa hatte damals im Zuge der Pandemie den QIAGEN-Kurs deutlich angetrieben.
Aber auch der Umstand, dass der Dax-Konzern gut an den Covid-Tests verdiente, trieb den Aktienkurs nach oben. Im November 2021 erreichte das Papier bei 55,24 Euro den höchsten Stand seit Ende 2000. Seitdem hat der Kurs aber wieder deutlich nachgegeben - und liegt aktuell rund 16 Prozent darunter.
Nach Einschätzung von Beobachtern ist auch das Umfeld für Übernahmen und Zukäufe derzeit günstig. Laut Bloomberg-Daten erreichte der Wert der Transaktionen aus den Bereichen Biowissenschaften und Diagnostik 2025 einen neuen Höchststand. Dies ist unter anderem auf die vereinbarte Übernahme des Krebsvorsorgeunternehmens Exact Sciences durch Abbott Laboratories für 21 Milliarden US-Dollar und den geplanten Kauf des Herstellers von Software für Arzneimittelstudien Clario Holdings durch Thermo Fisher für 8,9 Milliarden US-Dollar zurückzuführen.
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FRANKFURT (dpa-AFX)
Bildquelle: QIAGEN