Apple-Aktie unter Druck: Warum der Tech-Riese die Kontrolle über die Lieferkette verliert
• Apple ist laut Branchenexperte nicht mehr das Gravitationszentrum der Hardware-Lieferkette
• TSMC erzielt mittlerweile 55 Prozent des Umsatzes mit High-Performance Computing
• Der Smartphone-Anteil bei TSMC ist auf nur noch 32 Prozent gesunken
Die Machtverschiebung: Von Smartphones zu KI-Chips
Mehr als zehn Jahre lang saß Apple im Zentrum der globalen Technologie-Lieferkette. Die enorme Größenordnung der iPhone-Produktion ermöglichte es dem Konzern, Preise zu diktieren, Produktionskapazitäten zu sichern und die Entwicklungsfahrpläne von Zulieferern zu steuern. Wie aus einem Beitrag von Business Insider vom 16. Januar 2026 hervorgeht, neigt sich diese Ära nun dem Ende zu.
Laut Brad Gastwirth, Global Head of Research and Market Intelligence beim Marktforschungsunternehmen Circular Technology, ist Apple nicht mehr das Gravitationszentrum des Hardware-Universums. Gegenüber Business Insider erklärte er, dass der Konzern zwar weiterhin enorme Stückzahlen bewege und über eine unübertroffene Markenstärke verfüge. Allerdings sei Apple nicht mehr der wichtigste Kunde für Chip-Fabriken, Substrat-Hersteller oder andere zentrale Komponentenlieferanten. Dies stelle eine fundamentale Veränderung in der Branche dar.
TSMC-Quartalszahlen zeigen den Wandel
Die deutlichsten Anzeichen für diese Verschiebung liefern die jüngsten Geschäftszahlen von TSMC, dem weltweit größten Auftragsfertiger für Halbleiter. Der taiwanesische Konzern ist bekannt für die Produktion der hochmodernen iPhone-Chips, die Apple lange einen erheblichen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Consumer-Hardware-Herstellern verschafften.
Wie aus den offiziellen Quartalszahlen vom 15. Januar 2026 hervorgeht, hat sich das Geschäftsmodell von TSMC grundlegend gewandelt: Der Bereich High-Performance Computing, eine Kategorie, die von KI-Chips für Unternehmen wie NVIDIA und großen Cloud-Anbietern dominiert wird, macht mittlerweile rund 55 Prozent des Umsatzes aus. Smartphones tragen nur noch etwa 32 Prozent bei. Noch vor wenigen Jahren war das Verhältnis umgekehrt.
TSMC-Chef C.C. Wei erklärte in der Analystenkonferenz, dass seine Gespräche mit den großen KI- und Cloud-Kunden eine klare Entwicklung zeigten: Die Unternehmen könnten inzwischen konkret belegen, dass der Einsatz von KI wirtschaftlichen Nutzen bringt. Entsprechend gut sei auch ihre finanzielle Ausstattung. Für Zulieferer sei damit eindeutig, wo die größten Investitionsbudgets liegen: Zunehmend bei KI- und Cloud-Giganten und immer weniger im Smartphone-Geschäft von Apple.
Foxconn verdient mehr mit KI-Servern als mit iPhones
Die Neuausrichtung der Lieferkette zeigt sich auch bei Apples wichtigstem Fertigungspartner. Foxconn, lange Zeit als der iPhone-Hersteller bekannt, generiert mittlerweile mehr Umsatz mit KI-Servern als mit Consumer-Elektronik. Wie aus einer Unternehmensmitteilung vom 5. Januar 2026 hervorgeht, meldete der taiwanesische Elektronikkonzern einen Rekordumsatz für das vierte Quartal 2025: Die Erlöse stiegen um 22 Prozent auf 2,6 Billionen Taiwan-Dollar, umgerechnet rund 83 Milliarden US-Dollar.
Das Wachstum wurde primär durch die starke Performance im Bereich Cloud- und Netzwerkprodukte angetrieben, angeführt von der boomenden Nachfrage nach KI-Produkten. Der Bereich Smart Consumer Electronics, zu dem auch iPhones gehören, verzeichnete hingegen aufgrund ungünstiger Wechselkurse einen leichten Umsatzrückgang. Foxconns schnellstwachsende Kunden sind heute die großen Cloud-Anbieter und NVIDIA, nicht mehr Apple.
Dies macht Apple nicht irrelevant. Der Konzern bleibt einer der weltweit größten Abnehmer von Komponenten. Doch in einer Lieferkette, die zunehmend von KI geprägt wird, werden Preisgestaltung, Zuteilung und Kapazitätsplanung mittlerweile andernorts bestimmt. Apple lernt, was es bedeutet, nur noch ein sehr großer Kunde unter vielen zu sein.
D. Maier / Redaktion finanzen.net
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