SAP-Aktie sackt nach Rückkauf-Ankündigung ab: Gewinn steigt deutlich - Umsatz leicht unter den Erwartungen
Gegen Ende des vergangenen Jahres konnten die Walldorfer nicht so viele Verträge im Wachstumsfeld mit Cloudsoftware abschließen wie erhofft. Auch 2026 wird das Wachstum des Vertragsbestands auf Sicht der kommenden zwölf Monate im Vergleich mit dem Vorjahr zurückgehen. Um die Anleger bei Laune zu halten, steckt das DAX-Schwergewicht über zwei Jahre bis zu 10 Milliarden Euro in Aktienrückkäufe.
JPMorgan-Analyst Toby Ogg wertete zwar die Aussichten für den freien Finanzmittelfluss (Free Cashflow) im neuen Jahr als überraschend hoch. Der Vertragsbestand in der Cloud enttäusche aber, und die Umsatzprognose in der Cloud für das laufende Jahr liege leicht unter der Markterwartung. Jefferies-Experte Charles Brennan verwies zudem auf eine gesunkene Kundenzufriedenheit, die das Unternehmen an schlechteren Noten durch Kunden mit fest installierter Software festmachte.
Trotz der aktuell trüben Aussichten setzt SAP-Chef Christian Klein - wie in der Mittelfristplanung versprochen - beim Umsatz auf weitere Beschleunigung sowie eine Ausweitung der Profitabilität. "SAP Business AI ist zu einem wichtigen Wachstumstreiber geworden und bereits in zwei Drittel unserer Cloud-Vertragsabschlüsse im vierten Quartal enthalten", sagte Klein laut Mitteilung, der sich von Künstlicher Intelligenz (KI - englisch "AI") künftig viel verspricht.
Der Produktumsatz mit Cloudsoftware und herkömmlichen Lizenzen soll 2026 währungsbereinigt um 12 bis 13 Prozent zulegen, die Cloudsoftware zur Nutzung über das Netz allein um 23 bis 25 Prozent, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte.
Die Nordbadener wollen zudem das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) um 14 bis 18 Prozent steigern, wenn Wechselkursschwankungen ausgeklammert werden. Damit würde die Marge weiter anziehen. Mit den Zielen liegt SAP im Rahmen der Erwartungen von Analysten.
Der Auftragsbestand in der Cloud auf Sicht von zwölf Monaten (Current Cloud Backlog - CCB) dürfte allerdings langsamer wachsen als im Vorjahr. Schon 2025 hatte der Bestand an vertraglich zugesicherten Zahlungen nicht mehr so rasant angezogen wie zuvor. Finanzchef Asam sagte, der Rückgang der Wachstumsrate werde allerdings nicht so deutlich ausfallen wie zuletzt.
Mit einem Anstieg des kurzfristigen Vertragsbestands in der Cloud von währungsbereinigt 25 Prozent verfehlte SAP im vergangenen Jahr seine eigene Erwartung um einen Prozentpunkt. Anleger sind empfindlich, wenn es um diese Kennzahl geht - ist sie doch bei den Aboverträgen die Basis für den künftigen gebuchten Umsatz.
Im vierten Quartal seien einige große Deals in der Vertriebspipeline gewesen, die wegen ihrer Komplexität länger in der Umsetzung bräuchten, sagte Finanzchef Dominik Asam. Zudem seien einige abgeschlossene öffentliche Verträge noch nicht in den Vertragsbestand eingeflossen - Grund sind spezielle Kündigungsregeln für manche dieser Verträge. Grundsätzlich profitiere SAP aber weiter von guter Nachfrage - auch, weil Kunden angesichts der geopolitischen Lage mehr und mehr auf Datensouveränität setzten.
Das Unternehmen kündigte ein neues Aktienrückkaufprogramm für 10 Milliarden Euro über zwei Jahre an. SAP kauft regelmäßig Aktien für das eigene aktienbasierte Vergütungssystem der Mitarbeitenden zurück - das dürften nach SAP-Angaben pro Jahr 1,5 bis 2 Milliarden Euro sein. Der Rest geht an die Aktionäre. Aktienrückkäufe sind bei großen Investoren beliebt, weil sie unter anderem den Gewinnanteil je verbleibendem Papier erhöhen. Allerdings gibt es auch Kritik, dass das Geld dann für Investitionen in eigene Produkte fehlt und lediglich der Kurspflege dient.
2025 stieg der Erlös des Konzerns dank des starken Zuwachses bei Cloudsoftware insgesamt um acht Prozent auf 36,8 Milliarden Euro, der schwache Dollar bremste dabei erheblich und kostete beim Umsatzanstieg drei Prozentpunkte.
Das bereinigte operative Ergebnis legte unter anderem wegen Einsparungen durch einen großen Personalumbau um 28 Prozent auf 10,4 Milliarden Euro zu und fiel damit etwas besser aus als von Experten geschätzt.
Unter dem Strich wuchs der Nettogewinn auf 7,5 Milliarden Euro, das war mehr als doppelt so viel wie ein Jahr zuvor. Im Vorjahr hatten Stellenstreichungen mit Milliardenkosten belastet. Diesmal legte SAP 174 Millionen Euro für einen alten Rechtsstreit in den USA mit der dortigen Firma Teradata zurück. Dabei geht es unter anderem um kartellrechtliche Vorwürfe im Zusammenhang mit der SAP-Datenbanktechnik Hana.
So reagiert die SAP-Aktie
Mit Entsetzen haben Investoren am Donnerstag auf die Quartalsbilanz von SAP reagiert. Die SAP-Aktie verliert im XETRA-Handel kräftig.
Zeitweise markierte das Papier den tiefsten Stand seit Mitte 2024. Zuletzt ging es 14,08 Prozent auf 168,52 Euro nach unten. Einen größeren Tagesverlust gab es zuletzt im Oktober 2020, als der Software-Entwickler wegen der Corona-Pandemie die Geschäftsziele drastisch zusammenstreichen musste.
Die Nordbadener konnten gegen Ende des vergangenen Jahres nicht so viele Verträge im Wachstumsfeld mit Cloudsoftware abschließen wie erhofft.
Nach Aussage von SAP-Chef Christian Klein ziehen Investoren derzeit auch Geld aus den Softwareanbietern ab, um es in Werte zu stecken, die sich im Ausbau von KI-Kapazitäten und der Chipherstellung engagieren.
Auch in diesem Jahr wird die Steigerungsrate des Vertragsbestands auf Sicht der kommenden zwölf Monate im Vergleich mit dem Vorjahr zurückgehen. Um die Anleger bei Laune zu halten, steckt SAP über zwei Jahre bis zu zehn Milliarden Euro in Aktienrückkäufe. Das verfing an der Börse aber nicht.
"Ein seltenes Schauspiel", konstatierten denn auch die Börsenexperten von Index-Radar mit Blick auf den Kurseinbruch. Ein Lichtblick sei immerhin der deutlich gestiegene Auftragseingang. Zudem sollte sich im kommenden Jahr der Anstieg des Gesamtumsatzes beschleunigen. Generell sei die Lage bei Software-Aktien "angespannt", bei einigen großen Anbietern spiegele der Kursverfall mittlerweile eine "übertriebene Skepsis" wider.
Tatsächlich haben die Aktie von Software-Unternehmen derzeit einen schweren Stand. Investoren haben sich in den vergangenen Monaten vielfach von ihnen abgewandt. Sie fürchten Konkurrenz und ein schwierigeres Umfeld im Zuge des rasanten Wachstums von KI-Anwendungen. Der Aktienkurs von SAP hat vom Rekordhoch vor knapp einem Jahr bis dato rund 40 Prozent verloren.
Ähnlich weit ist die Aktie des US-Kontrahenten Salesforce mittlerweile von ihrem Höchstkurs von Ende 2024 entfernt. Papiere von Oracle haben sich seit dem Rekordhoch vom September nahezu halbiert.
SAP büßten am Donnerstag rund 34 Milliarden Euro ihres Börsenwerts ein. Mit mehr als 200 Milliarden Marktkapitalisierung ist die Aktie aber nach wie vor unangefochtenes Schwergewicht im DAX. Dieser gab denn auch entsprechend nach. Auch den europäischen Technologiesektor, der am Vortag noch auf ein Hoch seit 25 Jahren gestiegen war, zog die SAP-Aktie nach unten.
Redaktion finanzen.net / dpa-AFX
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