Edelmetall oder Zockerpapier? Wiederholt sich die GameStop-Geschichte jetzt am Rohstoffmarkt mit Silber?

06.02.2026 03:20:00

Explodierende Kurse, Schwankungen und Parallelen zur GameStop-Manie: Silber rückt zunehmend in den Fokus der Anleger. Folgt der Rohstoff dabei fundamentalen Regeln oder schon einer Meme-Logik?

• Silber verzeichnet ungewöhnlich starke Kursausschläge und hohe Zuflüsse von Privatanlegern
• In sozialen Netzwerken mehren sich Meme-typische Narrative und Durchhalteparolen
• Analysten ziehen offen Vergleiche zur GameStop-Manie von 2021

Der Silbermarkt hat in den vergangenen Wochen deutlich an Dynamik gewonnen. Nach kräftigen Kursanstiegen folgten ebenso schnelle Rücksetzer, die Volatilität nahm spürbar zu.
Parallel dazu verzeichneten Silber-ETFs starke Zuflüsse privater Anleger. Auch auf Reddit wird Silber intensiv diskutiert, begleitet von Meme-typischen Begriffen wie "Dip-Buying" oder "Diamond Hands". Das Muster wirkt vertraut und erinnert an Dynamiken, die Investoren bereits aus der GameStop-Zeit kennen.

"GameStop in 2026": Analysten schlagen Alarm

Die jüngste Preisentwicklung bei Silber hat laut einem Bericht von CNBC bei vielen Marktbeobachtern Erinnerungen an Meme-Aktien geweckt. Charakteristisch seien die steilen Kursbewegungen, die starke Beteiligung von Privatanlegern und Narrative, die sich über soziale Medien verbreiten.
Michael Antonelli, Marktstratege bei Bull and Baird, zog einen direkten Vergleich. Er fragte öffentlich, wie sich Silber derzeit noch von GameStop unterscheide und ob der Markt nicht längst von Meme-Dynamiken geprägt sei.
Denn auch die Kapitalflüsse liefern Hinweise. CNBC zufolge investierten Privatanleger Ende Januar 2026 an einem einzigen Tag rund 171 Millionen US-Dollar netto in einen großen Silber-ETF. Das Volumen lag damit deutlich über früheren Spitzenwerten. Vanda-Analyst Ashwin Bhakre ordnete die Entwicklung gegenüber CNBC nüchtern ein: Silber sei "zum neuen Lieblingsspielzeug der Privatanleger" geworden. Die Dynamik werde zunehmend durch Herdenverhalten bestimmt.

Retail-Investoren und soziale Netzwerke als Preistreiber

Die Rolle privater Anleger ist dabei kein neues Phänomen. Wie aus einem weiteren CNBC-Bericht hervorgeht, hat die GameStop-Manie von 2021 das Anlageverhalten vieler Investoren nachhaltig verändert.
Damals strömten zahlreiche junge und weitgehend unerfahrene Marktteilnehmer erstmals in die Finanzmärkte, getrieben von sozialen Netzwerken und der Aussicht auf schnelle Gewinne. Diese Mentalität wirkt bis heute nach.
Auch bei Silber zeigt sich diese Entwicklung. Reddit dient erneut als Resonanzraum, in dem Kaufentscheidungen diskutiert und gegenseitig bestärkt werden. Die Sprache ähnelt dabei stark der Meme-Kultur vergangener Jahre. Experten sehen darin weniger einen organisierten Markt als vielmehr eine selbstverstärkende Dynamik. Je stärker die Kursbewegungen ausfallen, desto größer wird die Aufmerksamkeit und desto mehr neue Anleger werden angezogen.

Fundamentale Knappheit trifft spekulative Übertreibung

Gleichzeitig unterscheidet sich Silber in einem zentralen Punkt von klassischen Meme-Aktien. Ein Bericht von BeInCrypto verweist auf eine angespannte physische Marktlage. Demnach sind die Lagerbestände an den Terminbörsen niedrig, während gleichzeitig hohe Short-Positionen bestehen. Nur ein kleiner Teil der ausstehenden Futures sei durch physisches Silber gedeckt, was den Markt anfällig für Short-Squeeze-Effekte mache.
Hinzu kommt eine stabile industrielle Nachfrage. Silber wird unter anderem in der Solarindustrie und in der Elektronikproduktion eingesetzt, was dem Rohstoff eine fundamentale Basis verleiht. Dennoch warnen Analysten laut CNBC vor einer Entkopplung von nachhaltigen Preisniveaus. Historisch gilt Silber als besonders volatil. In Phasen spekulativer Übertreibung kam es immer wieder zu abrupten und schmerzhaften Korrekturen.

Redaktion finanzen.net

Bildquelle: Julian Mezger für Finanzen Verlag, Margaret M Stewart / Shutterstock.com, Degussa Goldhandel GmbH

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