Netflix-Aktie von Aussetzung der Rückkäufe belastet: Bilanz weist Gewinn- und Umsatzsprung aus

21.01.2026 12:06:00

Am Dienstag nach US-Börsenschluss öffnete Netflix seine Bücher. So fiel die Bilanz des Streaminggiganten aus und so reagiert die Aktie.

Netflix hat am Dienstagabend nach US-Börsenschluss seine Bilanz veröffentlicht. Im vierten Geschäftsquartal 2025 verbesserte das Unternehmen seinen Gewinn je Aktie von 0,430 US-Dollar auf 0,56 US-Dollar und lag damit über den Markterwartungen, die sich im Vorfeld auf 0,552 US-Dollar je Aktie belaufen hatten.
Im Gesamtjahr zog das EPS von 1,98 US-Dollar auf 2,53 US-Dollar an, hier hatten die Analystenerwartungen im Vorfeld bei 2,58 US-Dollar je Aktie gelegen.

Auch der Umsatz entwickelte sich positiv: Nach 10,19 Milliarden US-Dollar an Erlösen im vierten Quartal 2024 fuhr Netflix nun einen Umsatz von 12,05 Milliarden US-Dollar ein und konnte die Markterwartungen (11,97 Milliarden US-Dollar) damit schlagen.
Im Gesamtjahr erwirtschaftete Netflix einen Umsatz von 45,18 Milliarden US-Dollar nach 39,00 Milliarden US-Dollar im Vorjahr und Analystenschätzungen von 45,10 Milliarden US-Dollar.

Netflix will stärker bei Hochkant-Videos mitmischen

Der US-Streamingriese Netflix strapaziert im Übernahmekampf um das Hollywood-Urgestein Warner Bros Discovery die Geduld seiner Anleger. Weil das Netflix-Management den dutzende Milliarden schweren Kauf des Streaming- und Studiogeschäfts von Warner inzwischen komplett bar stemmen will, setzte der Konzern nun seine laufenden Aktienrückkäufe aus.

Auch der Ausblick auf den Gewinn je Aktie im gerade begonnenen Quartal ließ bei den Investoren zu wünschen übrig. Da konnten frische Nutzerzahlen sowie deutlich gestiegene Umsatz- und Gewinnkennziffern aus dem Schlussquartal nicht mehr überzeugen -

Seit dem ersten Bekanntwerden der Warner-Übernahmepläne hat das Papier bereits rund 30 Prozent an Wert verloren, mit der Abwärtsbewegung nach den Zahlen droht sich diese Negativbilanz noch zu verschlimmern. Netflix musste wegen des in den vergangenen Wochen absackenden Kurses bereits einschwenken und auf eine Aktienkomponente bei dem Deal verzichten, weil der Gegenwert des Gebots für die Warner-Aktionäre schwand. Zur Finanzierung braucht Netflix dementsprechend mehr Bares - und legt daher die bei US-Investoren so beliebten Aktienrückkäufe auf Eis.

Im Bericht gebe es etwas sowohl für Bullen als auch Bären an der Börse, schrieb Jefferies-Analyst James Heaney. Sowohl bei der in Aussicht gestellten Profitabilität als auch den jüngsten Sehzeiten der Nutzer habe Netflix etwas enttäuscht. Dafür sehe aber die Umsatzprognose etwas besser als erwartet aus und die bestätigten Ziele für 2030 seien ebenfalls auf der positiven Seite zu sehen.

Mehr als 325 Millionen Kunden

Netflix knackte im vergangenen Vierteljahr die Marke von 325 Millionen Kunden, wie das Unternehmen am Vorabend nach US-Börsenschluss mitteilte. Eine genaue Zahl wurde nicht genannt - aber das jetzige Update zur Nutzerzahl ist das erste seit einem Jahr. 2024 hatte Netflix das Jahr mit 301,6 Millionen zahlenden Kunden abgeschlossen. Da in Haushalten oft mehr als eine Person wohnt und der Netflix-Account geteilt wird, sieht sich der Branchenriese auf dem Weg zu einer Milliarde Zuschauer.

Im Schlussquartal steigerte Netflix den Umsatz im Jahresvergleich um 17,6 Prozent auf gut zwölf Milliarden Dollar. Unter dem Strich blieb ein Gewinn von 2,42 Milliarden Dollar (rund zwei Milliarden Euro) in den Kassen - etwa 29 Prozent mehr als ein Jahr zuvor und etwas mehr als von Experten erwartet. Im ersten Quartal geht Netflix nun von 76 US-Cent Gewinn je Aktie aus - hier hatten Analysten im Schnitt aber mit 82 Cent mehr auf dem Zettel.

Teure Übernahmepläne

Netflix versucht gerade, das Studio- und Streaming-Geschäft von Warner Brothers zu übernehmen. Für den inklusive Schulden rund 83 Milliarden Dollar schweren Deal werde man die Aktienrückkäufe aussetzen, teilte Netflix bei Vorlage der Quartalszahlen mit. US-Unternehmen stützen oft die Kurse ihrer Papiere mit Aktienrückkäufen.

Der Streaming-Riese ist in einem Bieterwettstreit mit dem Hollywood-Konzern Paramount Skydance, der Warner Bros. Discovery für 108,4 Milliarden Dollar komplett übernehmen will, samt der TV-Sender wie unter anderem CNN. Das Warner-Management entschied sich für das Netflix-Gebot, Paramount wandte sich danach direkt an die Aktionäre. Der Ausgang des Bieterwettstreits ist noch offen.

Charme-Offensive bei Kinobranche

Netflix setzt unterdessen die Charme-Offensive bei Kino-Betreibern fort, bei denen die Warner-Übernahmepläne auf Skepsis treffen. Man habe über die Jahre immer wieder erwogen, ein eigenes Filmtheater-Geschäft aufzubauen, sei aber angesichts anderer Prioritäten nicht dazu gekommen, betonten Co-Chef Greg Peters und der andere Co-Chef Ted Sarandos in einer Telefonkonferenz mit Analysten. Mit Warner Bros. werde man aber ein bereits gut laufendes Kino-Geschäft bekommen und es stärken.

Netflix hatte in der Vergangenheit wenig Begeisterung fürs Kino gezeigt. Auf Fragen dazu antworteten Manager stets, dass es für die Firma wichtiger sei, Filme für hunderte Millionen Streaming-Kunden zu veröffentlichen, als sie auf die Leinwand zu bringen. Sarandos betonte jetzt, seine früheren Äußerungen stammten aus einer Zeit, in der Netflix noch nicht im Filmtheater-Geschäft aktiv gewesen sei.

Hochformat-Videos im Auge

Bei Netflix denkt man zwar vor allem ans TV-Format - aber der Streaming-Marktführer will auch Hochkant-Videos auf dem Smartphone nicht komplett Rivalen wie Tiktok oder Instagram überlassen. Manager Peters verwies darauf, dass der Dienst bereits seit Monaten einen Feed mit Senkrecht-Clips aus seinen Filmen und Serien teste. In Zukunft könnten Ausschnitte aus Video-Podcasts dazukommen. Das Format solle Teil einer Erneuerung der Smartphone-App von Netflix in diesem Jahr werden.

Der Vertikal-Feed soll Nutzern helfen, Netflix-Sendungen zu entdecken, die sie sich ansehen möchten. Aktuell werden Ausschnitte aus Netflix-Serien im Senkrecht-Format oft zum Beispiel bei Tiktok verbreitet - dem Dienst wäre aber lieber, wenn das auf seiner eigenen Plattform stattfinden würde.

Netflix vorbörslich schwer unter Druck - Enttäuschender Ausblick

Bei den Netflix-Aktien dürfte am Mittwoch ein enttäuschender Margenausblick schwer auf den Papieren lasten. In einem Umfeld, das nach den jüngsten Kursverlusten wegen der Politik von US-Präsident Donald Trump zumindest eine vorsichtige Stabilisierung verspricht, sackten die Titel des Streaminganbieters im vorbörslichen US-Handel um 6,6 Prozent ab. Sie drohen damit an der Nasdaq-Börse unter die 82-Dollar-Marke auf ein Tief seit November 2024 zu rutschen.

Analyst Matt Britzman vom Vermögensverwalter Hargreaves Lansdown kommentierte, das Quartal sei eigentlich stark gewesen. "Doch die Märkte blicken nicht lange in den Rückspiegel", betonte er mit Verweis auf den Ausblick, der vor allem margenseitig wegen steigender Kosten enttäuscht habe. Analyst Peter Supino von Wolfe Research schrieb, dies schüre Bedenken am Ziel, das Streaming- und Studiogeschäft des Medienkonzerns Warner Brothers Discovery zu übernehmen.

Der Abwärtstrend bei den Papieren erhält damit wohl neuen Schub, denn die Aktien haben seit ihrem Rekordhoch vom Juni bislang mehr als ein Drittel verloren. Dies wurde in den vergangenen Wochen stark mit den Übernahmeplänen in Zusammenhang gebracht. Weil das Netflix-Management den milliardenschweren Warner-Kauf inzwischen komplett bar stemmen will, soll vorerst auch das bereits laufende Aktienrückkaufprogramm ausgesetzt werden.

Markus Leistner von der DZ Bank hält es für möglich, dass die kostspielige Übernahme nun im Kurs mehr als eingepreist ist. Er geht davon aus, dass sich Netflix im Bieterstreit durchsetzt und dabei Zugeständnisse an die Kartellbehörden machen muss. Er bestätigte seine Kaufempfehlung mit dem Verweis, dass ein Unterhaltungsgigant mit einem "Content-Imperium" entstünde, sofern die Integration reibungslos gelingt.

Redaktion finanzen.net mit Material von dpa-AFX

Bildquelle: jejim / Shutterstock.com

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