PUMA-Aktie hebt ab: Chinesische Anta Sports wird zum größten Aktionär - Keine Übernahmefantasie mehr

27.01.2026 15:11:00

PUMA bekommt einen neuen Großaktionär. Der chinesische Sportartikelhersteller Anta Sports übernimmt einen Anteil von 29,06 Prozent an PUMA von der Familie Pinault für 1,51 Milliarden Euro.

Anta, Eigentümer von Marken wie Fila und Jack Wolfskin, übernimmt 43,01 Millionen PUMA-Aktien zum Preis von 35 Euro das Stück. Die Aktie war am Montag mit 21,63 Euro aus dem Handel gegangen.

Monatelang war spekuliert worden, dass mehrere Unternehmen um eine Beteiligung an PUMA wetteiferten. PUMA befindet sich im Umbau, seit der ehemalige adidas-Manager Arthur Hoeld im Jahr 2025 die Führung übernommen hat.

Die Aktien von PUMA standen im vergangenen Jahr aufgrund vielfältiger Herausforderungen stark unter Druck, darunter die Auswirkungen der US-Zölle. Das Unternehmen versucht, seine Produktpalette zu modernisieren, um die Nachfrage zu stützen, überschüssige Lagerbestände abzubauen und die Kosten in den Griff zu bekommen.

Im Oktober kündigte PUMA an, weitere 900 Arbeitsplätze zu streichen und damit sein Kostensenkungsprogramm auszuweiten. Ziel ist es, ab 2027 wieder zu wachsen, während eine Strategie zur Neuausrichtung der Marke umgesetzt wird.

Anta kann mit dem Deal seine Präsenz außerhalb Chinas ausbauen. Der Konzern hat zuletzt in wichtigen Märkten Südostasien, Nordamerika und Europa expandiert. Mit dem Erwerb der PUMA-Anteile "wird erwartet, dass die Gruppe ihre Präsenz und Markenbekanntheit auf dem globalen Sportartikelmarkt weiter stärkt", hieß es am Dienstag.

Obwohl der Schritt wahrscheinlich kaum Auswirkungen auf die Gewinne in den Jahren 2025 und 2026 haben werde, dürfte er die globale Marktpositionierung von Anta weiter stärken, meinen die Analysten von DBS Group Research. Anta könne in Europa starke Marktanteile gewinnen und gleichzeitig "die Möglichkeit schaffen, PUMAs Präsenz in China und Asien auszubauen", schrieben sie.

Die Analysten von Jefferies sind jedoch der Ansicht, dass der Deal Verwässerungsrisiken birgt, die die langfristigen Vorteile für Anta deutlich überwiegen. "Wir hatten bereits das Gefühl, dass die Marke Anta vor Herausforderungen steht, die auf strategische Fehltritte zurückzuführen sind", und diese Übernahme könnte die Managementressourcen weiter binden, schrieben sie. Da PUMA in China bereits sehr bekannt sei, könnte Anta zudem Schwierigkeiten haben, "ein Gefühl von Markenfrische" einzubringen, fügten sie hinzu.

Die Transaktion soll Ende des Jahres abgeschlossen werden. Anta Sports ist auch der größte Aktionär bei Amer Sports, zu der Marken wie Wilson, Peak Performance und Atomic gehören.

Jefferies belässt PUMA-Aktie auf 'Hold' - Ziel 20

Das Analysehaus Jefferies hat die Einstufung für Puma mit einem Kursziel von 20 Euro auf "Hold" belassen. Anta zahle für den Artemis-Anteil eine eindrucksvolle Prämie, schrieb James Grzinic am Dienstag. Zunächst strebten die Chinesen keine Komplettübernahme an. Grzinic wies allerdings auf einen Passus im Vertrag hin, der Artemis zusätzliche Gelder von Anta im Falle einer Puma-Komplettübernahme innerhalb der kommenden fünfzehn Monate sichere. Auf den Turnaround-Plan der Herzogenauracher sieht der Experte durch den Eigentumswechsel der Anteile keinen Einfluss.

PUMA-Aktien im Höhenflug

Der Einstieg des chinesischen Konzerns Anta Sports bei PUMA hat die Aktie des Sportartikelherstellers aus Herzogenaurach am Dienstag zeitweise auf den höchsten Stand seit März 2025 getrieben. Nach einem Kurssprung um etwas mehr als 21 Prozent bröckelten die Gewinne jedoch deutlich ab. Zuletzt war auf XETRA noch ein Plus von 11,65 Prozent auf 24,15 Euro übrig geblieben.

Der Markt reagiert laut Analyst Jie Zhang von Baader Europe "mit einiger Enttäuschung" darauf, dass Anta eine vollständige Übernahme zum jetzigen Zeitpunkt explizit ausgeschlossen und sich für eine unabhängige Unternehmensführung ausgesprochen hat. Für Minderheitsaktionäre ergebe sich aus dem Einstieg somit kein unmittelbarer Gewinn, erklärte er. Zhang glaubt aber, dass dieser starke strategische Aktionär PUMAs langfristige Sanierung und Neupositionierung, insbesondere in China, unterstützen könnte.

Anta Sports, zu dem Marken wie Atomic, Fila, Jack Wolfskin, Salomon oder Wilson gehören, will den 29-prozentigen Anteil der französischen Milliardärsfamilie Pinault für insgesamt rund 1,5 Milliarden Euro übernehmen. Je Aktie sind dies 35 Euro - der Preis liegt fast 62 Prozent über dem Xetra-Schlusskurs vom Montag.

Eine vollständige Übernahme würde Anta deutlich stärker belasten als die mit Puma vereinbarte Beteiligung, so Zhang. Er erinnerte daran, dass Antas letzter großer Zukauf, Amer Sports, über ein Konsortium mit Tencent und anderen Finanzpartnern realisiert wurde. Wichtiger aber sei, dass Puma auf diese Weise eine "europäische Marke mit einer starken Tradition" bleibe. "Der Erhalt der europäischen Identität und der Börsennotierung dürfte sich positiv auf das Marken-Storytelling und die internationale Entwicklung auswirken, primär in China", erwartet der Baader-Europe-Analyst.

Die Experten von "Bernecker Börsenbriefe" sehen in dem Anteilskauf sogar einen "Befreiungsschlag" für das MDAX-Unternehmen, dessen Aktie seit dem Rekordhoch von etwas über 115 Euro im Jahr 2021 fast nur noch nachgab, bis es 2025 einen Boden fand.

Anta habe das Potenzial, Puma "wieder auf den richtigen Weg zu bringen", schrieben die Experten. Fila, Amer Sports und Descente seien die historischen Belege dafür. Zudem setzten die Chinesen mit ihrem Kaufpreis für den 29-prozentigen Anteil "eine neue Bewertungsmarke", auch wenn kein Pflichtangebot ausgelöst werde. Anta sei in der Vergangenheit außerdem bislang kein Kurzfristinvestor gewesen, sondern gehe häufig schrittweise vor. Der Konzern "integriert operativ und stockt später auf".

Die Puma-Aktie hatte seit Jahresbeginn wegen erneut aufgekeimter Übernahmegerüchten wieder Auftrieb erhalten. Auslöser für derlei Spekulationen war im August 2025 ein Artikel der Nachrichtenagentur Bloomberg gewesen. Unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertrauten Personen wurde berichtet, dass Pinault den Ausstieg erwäge und dabei auch einen Verkauf in Betracht ziehe.

Seither wurde Pumas Aktienkurs immer wieder kräftig von Spekulationen hochgetrieben, bevor er wieder deutlich absackte. Zuletzt war dieses kräftige Auf und Ab am Freitag und Montag zu beobachten gewesen. Ein Bericht der "Platow Börse", dass Gespräche über einen Einstieg durch Anta Sports "vorerst vom Tisch" seien, hatte die Puma-Aktie vor dem Wochenende um rund 14 Prozent gedrückt. Direkt am Montag dann waren diese Verluste nach neuerlichen Übernahmefantasien bereits wettgemacht worden.

DOW JONES und dpa (AFX)

Bildquelle: Robert Ascroft/ PUMA

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