Sartorius-Aktie dreht ins Minus: Prognose für 2025 erfüllt - weiteres Wachstum angepeilt

03.02.2026 12:54:00

Der Labor- und Pharmazulieferer Sartorius hat im vergangenen Geschäftsjahr die Prognose erfüllt und stellt für 2026 weiteres profitables Wachstum in Aussicht.

Der Labor- und Pharmazulieferer Sartorius will 2026 an seine jüngste Erholung anknüpfen. Nach einer längeren Durststrecke, die sich an eine starke Corona-Zeit angeschlossen hatte, sehen die Göttinger sich und die Branche inzwischen wieder im Aufwind. Im vergangenen Jahr hatte Sartorius vor allem von einem starken Lauf in seiner Bioprozesssparte profitiert. Konzernchef Michael Grosse ist optimistisch, dass nun auch der kleineren Laborsparte ein Aufschwung bevorsteht. An der Börse konnte die Aktie anfängliche Gewinne aber nicht halten.

Das im MDAX notierte Papier legte im frühen Handel deutlich zu, bevor es zurückfiel. Zuletzt stand via XETRA ein Minus von 2,00 Prozent bei 230,10 Euro zu Buche, im laufenden Jahr hat die Aktie damit schon knapp sieben Prozent verloren.

Kaum besser erging es dem Papier der Tochter Sartorius Stedim Biotech an der Euronext in Paris. Der Kurs gab zuletzt um 3,3 Prozent auf 181 Euro nach. Seit dem Zwölfmonatshoch Anfang Januar bei 224 Euro hat es somit fast 20 Prozent eingebüßt.

Während die vorgelegten Zahlen zum Schlussquartal und dem Gesamtjahr von Analysten wie etwa Matthew Weston von der UBS als "solide" bezeichnet wurden, kam der Ausblick bei den Anlegern nicht gut an. "Die Prognose für das Geschäftsjahr 2026 war vorab ein zentrales Thema in den Diskussionen mit Investoren gewesen", erklärte Weston. Die nun bekannt gegebenen Ziele lägen mit Blick auf das obere Ende der angegebenen Spanne "leicht unter den Markterwartungen".

Richard Vosser von JPMorgan erwartet daher, dass die Jahresprognosen für Sartorius und deren französischer Biotechnologie-Tochter zu Kürzungen der durchschnittlichen Analystenschätzungen für das bereinigte operative Ergebnis von 4 bis 5 Prozent führen dürften.

Während er dies ansonsten nicht weiter kommentierte, schrieb der UBS-Analyst über den Ausblick, dass ihn die "relative Vorsicht des Managements" nicht überrascht habe. Schließlich gebe es Unsicherheiten hinsichtlich der Auftragslage für Bioprozessanlagen sowie auch mit Blick auf die langen Vorlaufzeiten, bis sich Aufträge in der Gewinn- und Verlustrechnung niederschlügen. "Selbst wenn der Auftragsbestand im ersten Halbjahr anzieht, werden diese Umsätze voraussichtlich erst im vierten Quartal verbucht."

Obendrein dürfte der erst seit Juli als Vorstandschef tätige Michael Grosse in seinem ersten vollen Jahr wohl die Erreichbarkeit der Ziele sicherstellen wollen, so Matthew Weston.

Von "bewusst breit angesetzten Umsatzzielen" sprach RBC-Analyst Charles Weston. Das untere Ende der Spanne berücksichtige dabei ein schwächeres Marktszenario, wobei Sartorius aber von einer sich fortsetzenden Erholung ausgehe, präzisierte er. Zudem verwies er darauf, dass die Branche nach der Durststrecke im Anschluss an die starke Corona-Zeit allgemein inzwischen zwar wieder auf Kurs sei, die Nachfrage nach Ausrüstung und Instrumenten aber dennoch bisher nicht wieder die langfristigen Wachstumsraten erreicht habe.

Jefferies-Analyst James Vane-Tempest wies darauf hin, dass die durchschnittlichen Markterwartungen bislang am oberen Ende des für 2026 veröffentlichten Ausblicks gelegen hätten. Die Konzernprognose bezeichnete er aber als vorsichtig - sie lasse Spielraum für mehr im Jahresverlauf.

"Unsere Branche ist zurück auf Kurs, hat ihr langfristiges Wachstumsniveau aber noch nicht vollständig erreicht", sagte der seit vergangenem Juli amtierende Sartorius-Lenker Grosse. Mit der dynamischen Nachfrage nach biopharmazeutisch hergestellten Medikamenten gewännen derzeit die grundsätzlichen Wachstumstreiber für den Life-Science-Markt wieder zunehmend an Bedeutung.

Zuletzt profitierte das Unternehmen vor allem vom Wiederanziehen des Geschäfts mit Verbrauchsmaterialien, das nach dem Corona-Boom eingebrochen war. Mit größeren Investitionen hätten sich die Kunden allerdings noch zurückgehalten, so Grosse. Erholungspotenzial gebe es vor allem im Geschäft mit Anlagen und Instrumenten, das sich immerhin im Verlauf von 2025 bei Sartorius zunehmend stabilisieren konnte.

Für 2026 erwartet das Sartorius-Management konzernweit ein währungsbereinigtes Umsatzplus von fünf bis neun Prozent. In der Bioprozessparte soll es bei rund sechs bis zehn Prozent liegen. In der kleineren Laborsparte, die für rund ein Fünftel des Umsatzes steht, soll sich das Wachstum auf rund zwei bis sechs Prozent beschleunigen. In den Zielen mit eingerechnet sind der jüngste Zukauf des Mikrogewebespezialisten Mattek und US-Zölle. Der Konzern hat bisher die gestiegenen US-Zollaufschläge weitgehend an seine Kunden weiterreichen können, wodurch sich der Umsatz erhöht.

Wegen der weiterhin bestehenden makroökonomischen und geopolitische Unsicherheiten habe Sartorius aber für das neue Jahr einen bewusst breiten Prognosekorridor gewählt, hieß es weiter. "Demgegenüber gehen wir aktuell von einer fortschreitenden Normalisierung der Marktdynamik aus", so Grosse. In einer Videokonferenz mit Journalisten ergänzte er, 2027 und danach dürfte der Bioprozessmarkt das übliche Marktwachstum von acht bis neun Prozent erreichen. "Wir sehen für uns Wachstum oberhalb des Marktes."

2025 hatte das Göttinger Unternehmen seinen Erlös laut vorläufigen Berechnungen zu konstanten Währungen um 7,6 Prozent auf 3,54 Milliarden Euro steigern können, nominal betrug das Plus knapp 5 Prozent.

Zugleich verdiente der Konzern mehr, auch dank des zunehmenden Anteils der margenstarken Verbrauchsmaterialien. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) stieg auf 1,05 Milliarden Euro, nach 945 Millionen ein Jahr zuvor. Die entsprechende Marge kletterte von 28 auf 29,7 Prozent. Damit traf der Konzern die Erwartungen von Analysten.

Unter dem Strich schwoll der Gewinn auf 154,9 Millionen Euro an, nach 84 Millionen ein Jahr zuvor. "Für Sartorius war es ein erfolgreiches Jahr", sagte Grosse. "Wir haben unsere Umsatz- und Profitabilitätsziele zuverlässig erreicht und sind sehr zufrieden."

Sartorius hatte in der Corona-Pandemie von einer starken Nachfrage etwa für die Produktion von Impfstoffen profitiert. Danach litt das Unternehmen aber unter dem Abflauen des Booms und den hohen Lagerbeständen bei Kunden, die inzwischen aber abgebaut sind.

Die Niedersachsen hatten mit Einsparungen reagiert und auch Personal abgebaut. Inzwischen wächst die Belegschaft wieder: 2025 kamen mehr als 500 Stellen hinzu, die Belegschaft wuchs wieder auf etwas mehr als 14.000 Mitarbeitende. Vor allem in der Produktion wurden Leute eingestellt.

Noch offen ist ein Rechtsstreit um die Patente der slowenischen Tochter BIA Separations, die Sartorius 2020 übernommen hatte. Drohende Belastungen sieht Grosse aber nicht kommen. "Für den unwahrscheinlichen Fall, dass da ein Anspruch besteht", müsse dann die Versicherung des damaligen Verkäufers einspringen. Ein erstes Teilurteil in Österreich sei noch nicht rechtskräftig. Zuvor hatte die "Hannoversche Allgemeine" über den Rechtsstreit berichtet. Dem Bericht zufolge geht es um mehr als 200 Millionen Euro.

dpa-AFX

Bildquelle: T. Schneider / Shutterstock.com

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