Aktien von TKMS, DEUTZ, Rheinmetall, HENSOLDT & RENK im Blick: Deutsch-indische Rüstungskooperation

12.01.2026 21:51:00

Deutschland und Indien wollen ihre Kooperation im Rüstungsbereich ausbauen. Was Anleger darüber wissen sollten und wie sich die Rüstungstitel schlagen.

Eine entsprechende Absichtserklärung der Verteidigungsministerien wurde während des Indien-Besuchs von Bundeskanzler Friedrich Merz in Ahmedabad unterzeichnet.

TKMS soll U-Boote in Indien bauen

Verträge über konkrete Projekte wurden zunächst nicht abgeschlossen. Indien will aber in Zusammenarbeit mit dem deutschen Unternehmen thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) in Mumbai sechs U-Boote im Wert von acht Milliarden Euro bauen. Die Unterzeichnung einer Vereinbarung darüber wird in Kürze erwartet und könnte ein Türöffner für weitere Kooperationen sein.

Indien gilt nach der jüngsten Statistik des Friedensforschungsinstituts Sipri als größter Rüstungsimporteur der Welt. Zwischen 2019 und 2023 bezog das Land immer noch 36 Prozent seiner Rüstungsgüter aus Russland - auch wenn die Tendenz rückläufig ist. Deutsche Rüstungsexporte nach Indien könnten also auch die Abhängigkeit von Russland verringern.

Insgesamt 27 Vereinbarungen

Insgesamt wurden am Rande der Gespräche zwischen Merz und dem indischen Ministerpräsidenten Narendra Modi 27 Absichtserklärungen und Ankündigungen unterzeichnet - von der Zusammenarbeit beim Abbau seltener Erde über die Förderung des Hockey-Nachwuchses in beiden Ländern bis zur Anwerbung von Fachkräften für das deutsche Gesundheitssystem.

Die Anwerbung von Fachkräften aus Indien ist schon von den Vorgängerregierungen vorangetrieben worden. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Inder in Deutschland ist zwischen 2015 und 2025 nach Angaben der Bundesanstalt für Arbeit von knapp 25.000 auf knapp 170.000 gestiegen. Und mit knapp 60.000 kommt die größte Gruppe ausländischer Studentinnen und Studenten aus Indien.

Indien kündigt Fahrplan für Rüstungskooperation mit Deutschland an

Indiens Ministerpräsident Narendra Modi hat einen gemeinsamen Entwicklungsplan für die künftige Zusammenarbeit mit Deutschland im Verteidigungsbereich angekündigt. Er sei Bundeskanzler Friedrich Merz dankbar dafür, die Regularien im Bereich des Handels mit Rüstungsgütern zu vereinfachen, sagte Modi während dessen Besuchs in Indien. "Wir werden einen Fahrplan ausarbeiten, um die Kooperation zwischen unseren Verteidigungsbereichen zu erhöhen." Beide Seiten würden sich nach entsprechenden Gelegenheiten für die gemeinsame Entwicklung und Produktion umsehen.

Der Kanzler hatte zuvor in Ahmedabad im westlichen indischen Bundesstaat Gujarat eine Absichtserklärung der Verteidigungsministerien beider Länder unterzeichnet, die den Ausbau der Zusammenarbeit in dem Bereich vorsieht. Verträge über konkrete Projekte wurden zunächst nicht abgeschlossen. Indien will aber in Zusammenarbeit mit dem deutschen Unternehmen thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) in Mumbai sechs U-Boote im Wert von acht Milliarden Euro bauen. Die Unterzeichnung einer Vereinbarung darüber wird in Kürze erwartet und könnte ein Türöffner für weitere Kooperationen sein.

Der Besuch von Kanzler Merz habe den Beziehungen beider Länder neuen Auftrieb verliehen und Vertrauen gebracht, betonte Modi. Die erste Reise des Kanzlers nach Asien sei ein "starker Beweis dafür, welche Bedeutung er den Beziehungen mit Indien beimisst". Merz wird bei seiner zweitägigen Reise von einer großen Wirtschaftsdelegation begleitet.

Merz hofft auf baldiges Freihandelsabkommen mit Indien

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hofft darauf, dass das Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien bei einem Gipfeltreffen am 27. Januar unterzeichnet werden kann. Dieses Abkommen sei dringend nötig, um das volle Potenzial der Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und Indien ausschöpfen zu können, sagte er nach einem Gespräch mit dem indischen Ministerpräsidenten Narendra Modi in Ahmedabad. "Diese Chance dürfen wir und wollen wir nicht ungenutzt lassen."

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Ratspräsident António Costa wollen Ende Januar in die indische Hauptstadt Neu-Delhi reisen und dort möglichst das Abkommen unterzeichnen. Im Umfeld des Kanzlers wurden die Erfolgschancen als gut beschrieben.

Mercosur-Einigung "ermutigendes Zeichen"

Merz bezeichnete es als "ermutigendes Zeichen", dass erst in der vergangenen Woche eine Einigung über das Abkommen mit den lateinamerikanischen Mercosur-Staaten gelungen sei, nachdem mehr als ein Vierteljahrhundert darüber verhandelt wurde. Die Verhandlungen über das EU-Indien-Abkommen haben vor 18 Jahren begonnen.

Rheinmetall liefert Schützenpanzer Lynx an Ukraine

Deutschlands größter Rüstungskonzern Rheinmetall liefert fünf Schützenpanzer des Typs Lynx KF41 an die Ukraine. Die ersten Fahrzeuge sollen Anfang 2026 geliefert werden, wie das Unternehmen in Düsseldorf mitteilte. Der Auftragswert für die fünf Fahrzeuge belaufe sich auf einen mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Betrag. Finanziert würden die Systeme durch die Bundesrepublik Deutschland. "Als nächster Schritt ist die Beschaffung weiterer Lose einschließlich der Produktion in der Ukraine vorgesehen", hieß es.

Die Ukraine wehrt sich seit fast vier Jahren gegen einen russischen Angriffskrieg und wird dabei auch mit Waffenlieferungen aus Deutschland, anderen europäischen Staaten und den USA unterstützt.

TKMS steigt an MDAX-Spitze

Die Aktien von TKMS haben am Montag von der weiterhin aktuellen Aussicht auf einen Auftrag aus Indien profitiert. Mit einem Kursplus setzen sie sich an die Spitze im MDAX der mittelgroßen Werte. Damit geht der jüngste Aufwärtstrend weiter: Im noch jungen Jahr liegt das Plus bereits bei fast einem Drittel. Für die Papiere von TKMS ging es letztlich via XETRA um 12,42 Prozent aufwärts auf 92,75 Euro. Die Papiere von Rheinmetall notierten jedoch 0,53 Prozent tiefer bei 1.890,00 Euro. HENSOLDT stieg schlussendlich um 0,77 Prozent auf 92,00 Euro, während die Titel von RENK um 3,18 Prozent ansprangen auf 66,22 Euro.

Die Anhaltende Rüstungsfantasie hat die Aktien von DEUTZ am Montag auf den höchsten Stand seit Mitte 2007 getrieben. Letztlich legten sie via XETRA 5,56 Prozent auf 10,53 Euro zu und waren damit stärkster Titel im Nebenwerteindex SDAX. Das Kursplus im noch jungen Jahr beträgt schon fast ein Viertel. Im abgelaufenen Jahr hatten die Papiere ihren Wert bereits mehr als verdoppelt.

Deutz entwickelt sich derzeit weg vom reinen Motorenbauer und sucht auch im Rüstungsbereich seine Chance. Konzernchef Sebastian Schulte bekräftigte jüngst in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" die Transformation des Unternehmens. Demnach könnte sich die Mitte Dezember angekündigte Übernahme der niedersächsischen Firma Frerk perspektivisch auch im Rüstungsgeschäft bezahlt machen. Obendrein setzt Deutz auf Geschäfte rund um Rechenzentren.

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AHMEDABAD (dpa-AFX)

Bildquelle: Tobias Arhelger / Shutterstock.com, Oliver Hoffmann / Shutterstock.com, Postmodern Studio / Shutterstock.com

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