Deutsche Börse-Aktie deutlich höher: Übernahme von Allfunds geplant
Deutschlands größter Börsenbetreiber bietet den Allfunds Group-Aktionären für jedes Papier 8,80 Euro, davon 6 Euro in bar und den Rest in eigenen Aktien sowie in Form einer Bardividende. Insgesamt summiert sich das Angebot auf 5,3 Milliarden Euro, wie der DAX-Konzern am Mittwochabend in Eschborn mitteilte. Die Deutsche Börse hatte Ende November bestätigt, dass sie exklusive Gespräche mit Allfunds führt und hatte dabei bereits den nun gebotenen Kaufpreis genannt.
Allfunds bietet Managern und Verkäufern von Investmentfonds Systeme für den Handel und die Ausführung an. Hinzu kommen Instrumente für die Datenanalyse und Compliance-Dienstleistungen. Das verwaltete Vermögen von Allfunds belief sich Ende 2025 auf rund 1,7 Billionen Euro. Die größten Aktionäre des spanisch-britischen Unternehmens sind der Finanzinvestor Hellman & Friedman und die französische Bank BNP Paribas, die in Summe knapp die Hälfte der Anteile halten.
Die Direktoren von Allfunds unterstützten die geplante Übernahme einstimmig, teilte die Deutsche Börse weiter mit. Fast 49 Prozent des Allfunds-Aktienkapitals seien bereits angedient worden, die Schwelle liegt bei 75 Prozent.
Die Deutsche Börse rechnet damit, dass der Gesamtkonzern seine jährlichen Kosten durch den Zusammenschluss um 60 Millionen Euro vor Steuern senken kann. Einen Vollzug der Übernahme erwartet sie vorbehaltlich der behördlichen Genehmigungen im ersten Halbjahr 2027.
Die Übernahme werde eine "harmonisierte Plattform mit globaler Reichweite" schaffen, die es Privatanlegern erleichtere, ihre Ersparnisse in Kapitalanlagen wie Investmentfonds zu investieren. Bereits im November hatte die Deutsche Börse erklärt, von einer kombinierten Plattform könnten Kunden und die EU-Aktienmärkte erheblich profitieren.
Kommt der Deal zustande, wäre es die größte Übernahme in der Geschichte der Deutschen Börse. Der bisher teuerste Zukauf des Börsenbetreibers war die Übernahme des dänischen Softwareanbieters Simcorp für 3,9 Milliarden Euro im Jahr 2023.
Branchenexperte Enrico Bolzoni von der US-Bank JPMorgan rechnet damit, dass Allfunds gleich im ersten Jahr nach der Übernahme mit einem hohen einstelligen Prozentsatz positiv zum Gewinn der Deutschen Börse beiträgt. Dem Aktienkurs des DAX-Konzerns traut er weiterhin einen Anstieg auf 298 Euro zu.
Deutsche-Börse-Chef Stephan Leithner will Deutschlands größten Börsenbetreiber mit der Übernahme noch unabhängiger von Börsenschwankungen machen. Diesen Kurs hatte bereits sein Vorgänger Theodor Weimer eingeschlagen.
Deutsche Börse ziehen an - Allfunds-Übernahmeplan kommt gut an
Das offizielle Übernahmeangebot der Deutschen Börse für den Fondsvertriebsspezialisten Allfunds ist bei den Anlegern des Börsenbetreibers aus Eschborn am Donnerstag gut angekommen. Analysten und Marktexperten sprachen trotz der Übernahmesumme von 5,3 Milliarden Euro von einem begrüßenswerten Schritt.
Zuletzt gewann das Papier der Deutschen Börse via XETRA 2,58 Prozent auf 214,70 Euro, womit sich auch die Charttechnik wieder aufhellte. Zwischen 216 und 217 Euro verlaufen wichtige kurz- und mittelfristige Trendlinien. Bei rund 220,50 Euro allerdings lauert mit der 90-Tage-Linie, die ebenfalls ein mittelfristiger Trendindikator ist, der nächste Widerstand.
"Die Deutsche Börse baut mit der geplanten und gleichzeitig größten Übernahme in der Unternehmensgeschichte ihre Serviceleistungen im Fondsgeschäft aus, was den Börsenbetreiber unabhängiger von seinem zyklischen Handelsgeschäft macht", erklärte Marktexperte Andreas Lipkow.
Zudem erwarte die Deutsche Börse durch den Kauf von Allfunds jährliche Kostensynergien vor Steuern von zirka 60 Millionen Euro, hob Lipkow hervor und sieht den Schritt vor dem Hintergrund eines sich verschärfenden internationalen Börsen- und Handelsgeschäfts als "insgesamt interessant und hilfreich in der weiteren Expansion" an.
Analyst Tom Mills von Jefferies nannte das Vorhaben "strategisch sinnvoll" und sieht eine "branchenspezifische Logik" dahinter. Obwohl potenzielle Umsatzsynergien nicht explizit quantifiziert worden seien, habe die Deutsche Börse angedeutet, dass die Transaktion "erhebliches Synergiepotenzial entlang der gesamten Fonds-Wertschöpfungskette aufweist, einschließlich Fondsvertrieb, Verwahrung, Abwicklung und anderer Mehrwertdienste wie Daten und regulatorische Berichterstattung". Mills ist deshalb davon überzeugt, dass einige dieser Bereiche Potenzial für Umsatzsynergien böten, "die die prognostizierte Wertsteigerung sogar übertreffen könnten".
Der Baranteil des Gebots, der von 4,30 auf 6,00 Euro je Aktie erhöht wurde, ohne am gesamten Angebotspreis von 8,80 Euro pro Aktie etwas zu ändern, werde zudem durch vorhandene liquide Mittel und eine Kreditlinie finanziert, hob Mills hervor. Er und JPMorgan-Analyst Enrico Bolzoni wiesen obendrein darauf hin, dass die Deutsche Börse keine negative Auswirkung auf ihr Rating erwartet und dass Allfunds im ersten Jahr nach der Übernahme positiv zum Gewinn beitragen dürfte.
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FRANKFURT/ESCHBORN (dpa-AFX)
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