Nach vorübergehenden Machtwechsel: Siemens lauert auf die Pole-Position - SAP-Aktie bald abgelöst?
• SAP-Aktie fällt deutlich nach Quartalszahlen, Marktwert schrumpft
• Siemens überholt SAP vorübergehend in DAX-Marktkapitalisierung
• AP-Cloud- und AI-Strategie bleibt zentral, aber Wachstumsangst belastet
Jahrelang galt SAP als der mit Abstand größte börsennotierte deutsche Konzern. In Sachen Marktkapitalisierung verwies das Softwareunternehmen die Konkurrenz regelmäßig auf die Plätze, im DAX wurde sogar eine Überbewertung der Walldorfer diskutiert. Doch nun hat der Wind gedreht.
SAP-Aktie in Turbulenzen
Bereits seit einigen Monaten hat der Börsenprimus am Aktienmarkt Probleme. Etwa seit dem Sommer vergangenen Jahres ist die SAP-Aktie zunehmend unter die Räder gekommen, auf Sicht von zwölf Handelsmonaten hat das Unternehmen rund ein Viertel seines Wertes eingebüßt.
Und auch im Jahr 2026 bekommen SAP-Anleger keine Verschnaufpause: Seit Jahresstart beträgt das Minus der Aktie rund 14,7 Prozent - insbesondere bedingt durch die jüngst veröffentlichte Quartalsbilanz von SAP. Europas größter Softwarehersteller SAP peilt zwar Beschleunigung des Umsatzwachstums an, aktuell laufen die Geschäfte aber alles andere als rosig. Dass das Unternehmen in dieser Lage noch über zwei Jahre bis zu 10 Milliarden Euro in Aktienrückkäufe stecken will, nahmen Investoren deutlich negativ auf und schickten die Aktie tief ins Minus. Der Kursrutsch war so dramatisch, dass SAP sogar als wertvollstes DAX-Unternehmen abgelöst wurde - vom Technologieriesen Siemens.
Siemens lauert weiter dicht hinter SAP
Zwar hat sich die Lage zwischenzeitlich wieder entspannt, was auch den Aktienkäufen von Führungskräften zu verdanken war, die den Kurssturz genutzt hatten, um sich mit Anteilen des Softwareunternehmens einzudecken, doch der Vorsprung von SAP vor Siemens ist längst nicht mehr so komfortabel wie einst. Die Börse Frankfurt gibt für SAP am Dienstag eine Marktkapitalisierung von rund 216 Milliarden Euro an - Siemens liegt mit rund 208 Milliarden Euro dicht dahinter.
Cloud bleibt entscheidender Faktor
Entscheidend dafür, ob SAP seine Pole Position an der Börse dauerhaft verteidigen kann, dürfte die Geschäftsentwicklung bleiben. Operativ liefert SAP weiterhin Wachstum: 2025 stiegen die Erlöse um rund acht Prozent auf 36,8 Milliarden Euro, getragen vor allem vom starken Plus im Cloudgeschäft, das allerdings schwächer ausgefallen war, als erhofft.
Das bereinigte operative Ergebnis kletterte dank Effizienzprogramm und Personalumbau um 28 Prozent auf 10,4 Milliarden Euro, der Nettogewinn verdoppelte sich auf 7,5 Milliarden Euro. Ein großes Transformationsprogramm mit Stellenabbau und Umschulung sollte seine volle Wirkung ab 2025 entfalten und die Marge nachhaltig verbessern.
Strategisch verlagert SAP das Modell weg von klassischen Lizenzverkäufen hin zu wiederkehrenden Cloud-Erlösen, was mittelfristig für planbarere Umsätze und höhere Bewertungsmultiplikatoren sorgen kann. Die Transformation muss aber zeitnah Geld in die Kassen spülen.
Und auch die KI-Bemühungen von SAP müssen mit Hochdruck vorangetrieben werden. Mit dem Assistenten "Joule" versucht das Unternehmen, KI Funktionen als Premium Baustein in Cloud Verträgen zu monetarisieren und so zusätzliche Preissetzungsmacht zu schaffen. An der Börse sorgt jedoch die Frage für Verunsicherung, ob generative KI langfristig nicht Teile der Beratungs- und Implementierungserlöse erodieren könnte, indem Standardprozesse automatisiert werden. Skeptische Stimmen warnen zudem, dass KI Lösungen bestimmte ERP Funktionalitäten günstiger nachbilden könnten und so die Preissetzungsmacht traditioneller SAP Produkte untergraben.
SAP-Aktie kommt nicht voran
Am Dienstag sind Anleger unterdessen eher skeptisch: Die SAP-Aktie verliert im XETRA-Handel zeitweise 1,85 Prozent auf 171,86 Euro. Siemens holt unterdessen auf und kann den Abstand verringern: 0,69 Prozent höher notiert die Siemens-Aktie zeitweise und springt im Tageshoch bis auf 266,25 Euro.
Redaktion finanzen.net
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