Internationale Notenbanken stocken weiter Goldreserven auf - Polen überholt sogar die EZB
• Internationale Notenbanken setzen auf De-Dollarisierung
• Polen baut Goldreserven massiv auf
• Experte fordert Rückholung der deutschen Goldreserven in den USA
Obwohl der Goldpreis im Jahr 2025 bereits diverse neue Rekordhochs erreicht hat, investierten Notenbanken rund um den Globus enorm in das gelbe Edelmetall und bauten ihre Bestände weiter auf. Dieser Trend lässt sich nun schon längere Zeit beobachten: Insbesondere Schwellenländer traten in den letzten Jahren verstärkt als Käufer auf - umso mehr seit sie beobachten konnten wie die demokratischen westlichen Staaten mit harten Sanktionen auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine reagiert haben - weil sie ihre Reserven so unabhängiger vom US-Dollar machen wollen.
Gold gilt dabei Experten zufolge als sichere Anlage für Staatsreserven. So ist das gelbe Edelmetall im Vergleich zu Währungen deutlich weniger anfällig für inflationäre Geldpolitik und kann zudem nicht beliebig vermehrt werden. Hinzu kommt, dass der Besitz von Gold die Vertrauenswürdigkeit der Zentralbanken und Landeswährungen stärkt.
Polen überholt EZB
Auch in Europa bauen Zentralbanken ihre Goldreserven aus. Gerade in Zeiten globaler Krisen und Finanzunsicherheit wird Gold für Notenbanken in sämtlichen Regionen der Welt immer wichtiger, um Währungsreserven zu diversifizieren und unabhängiger etwa vom US-Dollar zu werden. Experten sprechen von "De-Dollarisierung". Vorne mit dabei ist hierbei Polen. Wie "euronews" berichtet, hat die polnische Nationalbank (NPB) ihre Goldreserven auf inzwischen rund 550 Tonnen erhöht. Machte Gold im Jahr 2024 nur 16,86 Prozent der polnischen Devisenreserven aus, gehen Schätzungen von Ende Dezember 2025 inzwischen von 28,22 Prozent aus.
Diese Goldmenge ist beachtlich, denn die Europäische Zentralbank, welche die Geldpolitik der Eurozone verwaltet, besitzt nur Goldreserven von rund 506,5 Tonnen. Angesichts dessen nimmt Polen eine wichtige Position in der europäischen Finanzarchitektur ein. Der für den strategischen Aufbau der polnischen Goldreserven verantwortliche NPB-Präsident Prof. Adam Glapinski will diesen Kurs weiter fortsetzen und strebt laut "euronews" sogar eine Erhöhung auf 700 Tonnen Goldbarren an. Die sprunghafte Politik Donald Trumps und seine wachsende Unzuverlässigkeit als Bündnispartner dürften bei dem Bestreben, die Abhängigkeit vom US-Dollar zu verringern, wohl auch eine wesentliche Rolle spielen.
Länder-Ranking
Laut Daten von "Statista" (Stand: 3. Quartal 2025) lag Polen im Ranking der Länder mit den größten Goldreserven mit 515,3 Tonnen des gelben Edelmetalls auf dem elften Platz. Die größten Bestände besitzen mit großem Abstand die USA (8.133,5 Tonnen) und Deutschland (3.350,3 Tonnen). Darauf folgen Italien, Frankreich, Russland und China mit 2.303,5 bis 2.451,8 Tonnen.
Trump sorgt für Verunsicherung in Deutschland
Vor Jahrzehnten hat die Deutsche Bundesbank beschlossen, nur etwa die Hälfte ihrer Goldreserven in Frankfurt aufzubewahren. Um die Unabhängigkeit Deutschlands - etwa im Fall eines sowjetischen Angriffs - zu sichern, lagern rund 37 Prozent in New York, der Rest wird laut "n-tv" von der Bank of England in London aufbewahrt.
Doch infolge der zunehmenden Radikalisierung von Donald Trump sorgt sich nun der frühere Leiter der Forschungsabteilung der Bundesbank, Emanuel Mönch, um die Sicherheit der deutschen Goldreserven in den USA und rät zu einem Umdenken: "Angesichts der geopolitischen Situation scheint es aktuell riskant, so viel Gold in den USA zu lagern. Im Sinne einer größeren strategischen Unabhängigkeit von den USA wäre die Bundesbank darum gut beraten, über eine Rückholaktion nachzudenken", fordert er im "Handelsblatt".
Bundesbankpräsident Joachim Nagel sieht hier aber keinen Handlungsbedarf: "Ich zweifele nicht daran, dass unser Gold bei der Fed in New York sicher aufbewahrt ist", so Nagel gegenüber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" mit Blick auf die Aufbewahrung bei der US-Notenbank Federal Reserve. "Das sind unsere Währungsreserven mit besonderem Schutzstatus."
Redaktion finanzen.net
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