Halbleiteraktien Advantest, Renesas und Co. schwach: Chinas Vorgehen gegen Japan belastet - Auch Softbank-Aktie tiefrot
• China untersucht Dichlorosilan-Importe aus Japan
• Wichtiger Ausgangsstoff für Halbleiterfertigung
• Angebliche Beschwerden um Preis-Dumping
Nachdem Peking jüngst Exportkontrollen für bestimmte, als "Dual-Use", also sowohl zivil als auch mitliärisch nutzbar, eingestufte Güter nach Japan verhängt hatte, leitete das chinesische Handelsministerium nun auch Untersuchungen gegen ausgewählte Importe aus Japan ein. Im Zentrum steht dabei die Chemikalie Dichlorosilan, ein essenzieller Ausgangsstoff für die Halbleiterfertigung. Die Reaktion der Börsen ließ nicht lange auf sich warten: Aktien aus dem japanischen Chip- und Technologiesektor gerieten am Donnerstag deutlich unter Druck, während Investoren geopolitische Risiken neu bewerteten.
Dichlorosilan als geopolitischer Hebel
Dichlorosilan ist ein zentraler Vorstoff bei der Herstellung hochreiner Siliziumschichten, die unter anderem in der Chipproduktion eingesetzt werden. China kündigte Anfang Januar eine Anti-Dumping-Untersuchung gegen Importe dieser Chemikalie aus Japan an. Begründet wird der Schritt mit Beschwerden chinesischer Produzenten, wonach japanische Anbieter ihre Produkte zu unfair niedrigen Preisen auf den chinesischen Markt brächten und damit der heimischen Industrie schaden würden. Beobachter werten das Vorgehen jedoch weniger als rein handelspolitische Maßnahme, sondern vielmehr als Teil eines breiteren politischen Konflikts zwischen den beiden Ländern.
Zeitlich fällt die Untersuchung auffällig mit zuvor verhängten chinesischen Exportkontrollen zusammen. Diese betreffen Güter mit möglicher militärischer Nutzung und richten sich explizit auch gegen Japan.
Tokio kritisierte die Maßnahmen als intransparent und nicht mit internationalen Handelsregeln vereinbar. Damit weitet sich der wirtschaftliche Schlagabtausch aus und greift zunehmend auf sensible Knotenpunkte globaler Lieferketten über.
Anleger reagieren nervös - Halbleiter-Aktien tiefrot
Die Unsicherheit spiegelte sich am Donnerstag deutlich an den asiatischen Aktienmärkten wider. Besonders Werte aus dem Halbleiterumfeld standen unter Abgabedruck. Der Chiptester-Spezialist Advantest verlor an der japanischen Börse letztlich 2,43 Prozent auf 20.105,00 JPY, die Aktie des Halbleiterherstellers Renesas büßte 2,94 Prozent auf 2.280,50 JPY ein, während Anteilsscheine des Ausrüsters Tokyo Electron um 4,01 Prozent tiefer bei 36.640,00 JPY schlossen. Investoren fürchten, dass Handelshemmnisse bei Vorprodukten wie Dichlorosilan mittelfristig Produktionskosten erhöhen oder Lieferketten unterbrechen könnten.
Besonders stark unter Druck standen daneben auch Papiere der SoftBank Group. Die Aktie des Technologiekonglomerats sackte bis zum Handelsende um 7,59 Prozent auf 4.300,00 JPY ab. Zwar ist SoftBank kein klassischer Halbleiterproduzent, doch das Unternehmen ist über Beteiligungen - insbesondere im Technologiesektor - stark von der globalen Chipindustrie abhängig. Marktteilnehmer werteten den Kursrutsch als Ausdruck wachsender Risikoaversion gegenüber stark vernetzten Tech-Investments in einem zunehmend fragmentierten Welthandel.
Mehr als ein bilateraler Streit
Der aktuelle Konflikt reiht sich ein in eine Serie wirtschaftspolitischer Spannungen in Ostasien, die wiederum eng mit geopolitischen Fragen verknüpft sind. Japans enge sicherheitspolitische Kooperation mit den USA und seine Rolle bei westlichen Exportbeschränkungen gegenüber China, etwa bei moderner Chiptechnologie, gelten in Peking als Provokation. Die nun eingeleiteten Maßnahmen gegen japanische Exporteure werden daher vielfach als Antwort auf diese strategische Positionierung interpretiert .
Auch für die globale Halbleiterindustrie ist die Entwicklung ein weiteres Warnsignal. Schon seit Jahren bemühen sich Unternehmen und Regierungen, Abhängigkeiten zu reduzieren und Lieferketten zu diversifizieren. Der Fall Dichlorosilan zeigt jedoch, wie verwundbar selbst hochspezialisierte Vorprodukte sind, wenn sie in den Fokus geopolitischer Auseinandersetzungen geraten.
Ob die chinesische Untersuchung tatsächlich in Strafzölle oder dauerhafte Handelshemmnisse mündet, ist derzeit offen. Erfahrungsgemäß können solche Verfahren Monate dauern und dienen nicht selten auch als politisches Druckmittel. Für Anleger bleibt die Lage damit angespannt.
Redaktion finanzen.net
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