Wieso die Reparatur von Windschutzscheiben immer teurer wird

16.01.2026 22:43:00

Moderne Windschutzscheiben mit Kameras, Sensoren und Displays machen selbst kleine Schäden teuer. Oft ist ein Komplettaustausch nötig, dazu kommt aufwendige Kalibrierung. Steigende Ersatzteil- und Lohnkosten treiben die Preise - Versicherer schlagen Alarm, Autofahrer zahlen heute oft ein Vielfaches früherer Beträge.

Immer mehr Technik im Glas treibt die Kosten

Was früher vor allem den Blick auf die Straße freihielt, ist heute ein hoch entwickeltes Hightech-Bauteil. Moderne Frontscheiben vereinen bis zu 20 Funktionen in einem einzigen Glaselement - darunter Kameras für Spurhalte- und Notbremsassistenten, Sensoren für Wetter- und Lichtverhältnisse, Heizungen gegen Vereisung, integrierte Antennen sowie Head-up-Displays für Navigations- und Fahrinformationen, berichtet der RND. Diese Technik ist oft präzise auf bestimmte Bereiche der Scheibe abgestimmt. Ein kleiner Riss oder Steinschlag in einem solch sensiblen Segment reicht aus, um die gesamte Scheibe austauschen zu müssen - eine günstige Teilreparatur ist dann keine Option mehr.

Größer, komplexer und schwerer zu verbauen

Hinzu kommt, dass die Scheiben heute deutlich größer und komplexer gebaut sind. Laut RND sind sie oft dreimal so groß wie früher, gewölbt und mit speziellen Aussparungen für Technik versehen. Ihr Ausbau sei entsprechend aufwendig: Bei manchen Modellen müssten Teile der Karosserie oder Innenverkleidung entfernt werden - beim Tesla Model 3 etwa sogar der Frunk und Türdichtungen -, bevor die Scheibe überhaupt gelöst werden könne.

Aufwendige Kalibrierung nach dem Einbau

Nach dem Einbau ist die Arbeit längst nicht beendet. Wie der RND weiter berichtet, müssen Sensoren und Kameras millimetergenau kalibriert und die Fahrzeugsoftware neu konfiguriert werden, damit alle Assistenzsysteme zuverlässig arbeiten. Oft folge eine sogenannte Rekalibrierungsfahrt, die bis zu 160 Kilometer dauern könne - ohne diesen Schritt blieben zentrale Sicherheitsfunktionen deaktiviert.

Steigende Ersatzteil- und Lohnkosten

Auch die reinen Kosten für Material und Arbeitszeit treiben die Preise in die Höhe. Nach Angaben des GDV seien die Ersatzteilpreise für Windschutzscheiben zwischen 2015 und 2025 um 51 Prozent gestiegen. Allein von 2024 auf 2025 betrage der Preisanstieg 4,6 Prozent. Parallel kletterten die Werkstattlöhne im Jahr 2024 auf durchschnittlich 202 Euro pro Stunde und überschritten damit erstmals die 200-Euro-Marke. Eine Auswertung der Stundensätze in Kfz-Werkstätten für 2025 liegt derzeit noch nicht vor.

Teure Folgen für Autofahrer und Versicherer

Die Preisentwicklung hat spürbare Folgen für Versicherer und Autofahrer. Laut GDV lagen die Kosten für einen durchschnittlichen Glasschaden 2024 bei 900 Euro - und damit rund sieben Prozent höher als noch im Vorjahr (838 Euro). Für Hightech-Frontscheiben im Premiumsegment müssen Kunden laut RND hingegen oft 1.500 bis 2.000 Euro einplanen. Standardausführungen ohne aufwendige Technik kosten hingegen nur einen Bruchteil davon, was den Kostendruck bei modernen Fahrzeugen zusätzlich verdeutlicht.

Redaktion finanzen.net

Bildquelle: Alexander Chaikin / Shutterstock.com, Refat / Shutterstock.com

In eigener Sache

Spare Hunderte Euro jährlich mit dem richtigen Depotanbieter

Entdecke jetzt die günstigsten Angebote und finde den für Dich idealen Online Broker!

Jetzt Online Broker vergleichen und sparen!

Weitere News zum Thema