01.05.2017 13:25
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Verschenktes Vermögen: So geht VL-Sparen heute!

Euro am Sonntag-Service: Verschenktes Vermögen: So geht VL-Sparen heute! | Nachricht | finanzen.net
Euro am Sonntag-Service
Viele Angestellte verzichten auf vermögenswirksame Leistungen. Ein Fehler! Denn das Geldgeschenk vom Chef kann durchaus zu einem schönen Sümmchen anwachsen.
€uro am Sonntag
von Brigitte Watermann, Euro am Sonntag

Zugegeben, ein Millionenvermögen kann man nicht mit ihnen aufbauen, doch verzichten sollte man deshalb keinesfalls auf sie: Die Rede ist von Vermögenswirksamen Leistungen (VL). Viele Unternehmen zahlen ihren Angestellten VL als zusätzliche Sozialleistung. Aber auch Beamte bekommen sie.


Wie viel VL man bekommt, richtet sich nach der jeweiligen Branche und ist meist in Tarifverträgen, Betriebsvereinbarungen oder im Arbeitsvertrag geregelt. Häufig gibt es das Geld vom Chef erst nach Ablauf der Probezeit. In der Spitze zahlen Arbeitgeber VL-Raten von 40 Euro je Monat, also 480 Euro im Jahr. Im öffentlichen Dienst, gibt es jedoch nur 6,65 Euro pro Monat. Innerhalb bestimmter Einkommensgrenzen kann man zusätzlich staatliche Förderung beantragen.

Der Abschluss eines VL-Vertrags ist einfacher, als viele denken: Der Arbeitnehmer muss sich lediglich überlegen, welcher VL-Vertrag am besten zu ihm passt. Dabei haben die meisten freie Auswahl. Die Beschäftigten der Metall- und Elektrobranche müssen jedoch ihre VL in die betriebliche Altersvorsorge oder in einen Riester-Vertrag stecken.

Hat man den Vertrag abgeschlossen, informiert man den Arbeitgeber darüber - dieser überweist dann in aller Regel fortan die Beiträge. So schreibt es das Fünfte Vermögensbildungsgesetz vor. Wichtig: Auf das VL-Bonbon werden Steuern und Sozialabgaben fällig. Ausnahme: VL-Raten, die in die betriebliche Altersvorsorge fließen. Hier werden Steuern und Abgaben erst im Ruhestand abgezogen. Wenn man unter den Einkommensgrenzen für die staatlichen Förderungen liegt - und je nachdem wie hoch die VL sind -, kann es sich lohnen, die VL-Sparrate mit eigenem Geld aufzustocken.

Nicht immer Geld vom Staat

Die gängigsten VL-Sparformen sind Aktienfonds und Bausparverträge. Das kommt nicht von ungefähr, denn beide Anlageformen werden vom Staat über die Arbeitnehmersparzulage besonders gefördert (siehe Kasten rechts). Gleiches gilt übrigens auch für die Tilgung eines Baukredits. Andere bekannte VL-Anlageformen wie Banksparverträge oder Kapitallebensversicherungen können zwar auch mit VL bespart werden, doch auf diese gibt es keinen Staatszuschuss.

Was mancher nicht weiß: Selbst wenn der Chef keine VL spendiert, kann man selbst im Zuge der Gehaltsumwandlung trotzdem einen VL-Vertrag besparen, um sich die staatlichen Prämien zu sichern. Doch auch dann muss der Arbeitgeber den Ansparbetrag auf das VL-Konto überweisen.

VL-Sparen bedeutet, regelmäßig Geld anzulegen und das Ersparte nicht anzutasten. Bei Aktienfondssparplänen zum Beispiel zahlt man sechs Jahre lang ein. Nach der letzten Rate liegen die Gelder noch maximal bis zum Jahresende fest, bevor man an sie herankommt. Während dieser Wartezeit kann man schon den nächsten Vertrag besparen. Erst nach Ablauf der maximal einjährigen Sperrfrist überweist der Fiskus die gesamte staatliche Fördersumme. Die Sparzulage muss der Anleger jedoch während der Sparzeit einmal jährlich mit der Steuererklärung beantragen. Das Institut, das den VL-Vertrag verwaltet, stellt das dafür nötige Formular aus.

Gut zu wissen: Die Sperrfrist beginnt nicht mit dem Tag der ersten Einzahlung, sondern am 1. Januar des jeweiligen Kalenderjahres. Nach Ende der Sperrfrist (immer am 31. Dezember) kann der Sparer über das gesamte Geld verfügen. Wenn also Mitte des Jahres ein VL-Vertrag abgeschlossen wird, sind es bis zum Ende der Sperrfrist nur sechseinhalb Jahre.

Bausparen ist derzeit am beliebtesten unter den VL-Sparern, es gibt rund zehn Millionen Bausparverträge, die mit VL bespart werden, heißt es beim Verband der Privaten Bausparkassen. Wem es darauf ankommt, dass sein Geld sicher angelegt ist und wer in absehbarer Zeit eine Immobilie kaufen oder renovieren möchte, sollte den Abschluss erwägen.

Die Beliebtheit liegt auch daran, dass man für diese Verträge neben der Arbeitnehmersparzulage zusätzlich auch noch die Wohnungsbauprämie von 8,8 Prozent (maximal 45 Euro für Ledige; 90 Euro für Verheiratete) kassieren kann, sofern Ledige maximal 512 Euro pro Jahr (Verheiratete: 1024 Euro) aus eigener Tasche einzahlen. Die Einkommensgrenzen für die Wohnungsbauprämie liegen deutlich höher als bei der Arbeitnehmersparzulage (siehe unten). Wichtig zu wissen: Will man die Wohnungsbauprämie kassieren, dürfen die eingezahlten VL-Gelder ausschließlich für Immobilienzwecke verwendet werden - es sei denn, der VL-Sparer ist jünger als 25 Jahre.

Eine interessante Alternative zum Bausparen ist der Einsatz von VL zur Schuldentilgung bei der Baufinanzierung, wenn man schon einen Immobilienkredit abzahlt. Eine bessere Anlage als die Kredittilgung gibt es kaum, denn die Rendite dieser "Anlageform" entspricht der Höhe des gesparten Schuldzinses. So viel wirft derzeit wohl keine andere sehr sichere Anlageform ab. Der Haken dabei: Schon bei der Aufnahme des Hypothekendarlehens sollte die Möglichkeit einer teilweisen Tilgung durch VL vereinbart worden sein.

Lukrative Alternative

Wer dagegen ein gewisses Risiko und Kursschwankungen nicht scheut, fährt auf längere Sicht mit VL-Sparplänen auf breit streuende Aktienfonds oder börsengehandelte Indexfonds (ETF) gute Renditen ein. Wurde beispielsweise von 2009 bis 2015 ein VL-Sparplan mit 40 Euro im Monat bedient, konnte man aus einer Gesamteinzahlung von 2.880 Euro über sechs Jahre 4.471 Euro machen, das entspricht einer jährlichen Wertentwicklung nach siebenjähriger Vertragsdauer von 11,02 Prozent, rechnet der Fondsverband BVI vor. Wer überdies auch noch die Arbeitnehmersparzulage kassieren konnte, durfte sich sogar über eine Rendite von 13,62 Prozent freuen - wirklich nicht schlecht.

Es gab aber auch Zeiten, in denen die VL-Sparer im Minus landeten. Etwa zwischen 1996 und 2002 - zu Zeiten des Dotcom-Crashs. Damals blieben aus derselben Einzahlsumme von 2.880 Euro nur 1.848 Euro übrig. Werden die VL jedoch zwei oder drei Jahrzehnte lang in Aktien gesteckt, ist die Chance hoch, jährliche Renditen von vier bis sieben Prozent zu erzielen, rechnet der Bundesverband deutscher Banken vor. Wer etwa seit 1995 seine VL in deutsche Aktienfonds gesteckt und 20 Jahre durchgehalten hätte, hätte aus Einzahlungen von 9.600 Euro (20 Jahre lang 40 Euro pro Monat) 18.834 Euro gemacht - fast eine Verdopplung und das ohne Einrechnung der Arbeitnehmersparzulage.

Während sich die Ablaufrenditen bei VL-Aktienfonds nicht vorhersagen lassen, können Anleger bei den Gebühren ganz sicher einiges sparen. Etwa indem sie den VL-Vertrag übers Internet bei spezialisierten Fondsvermittlern abschließen. Dann kann man sich die Ausgabeaufschläge teilweise oder ganz sparen. Dafür wird jedoch oft eine - eher geringe - Jahresgebühr für das VL-Depot fällig. Auch die Direktbank Comdirect offeriert VL-Sparpläne, und das sogar auf besonders kostengünstige ETFs.

Eigentlich gar nicht so schwer, sich die Geschenke von Arbeitgeber und Vater Staat zu sichern. Nur ein klein wenig Eigeninitiative - und schon läuft es.

Sparer-Info

Förderungen vom Staat
Arbeitnehmersparzulage

Vater Staat greift vielen VL-Sparern zusätzlich unter die Arme - mit der Arbeitnehmersparzulage. Abhängig vom besparten Produkt zahlt der Fiskus unterschiedlich hohe Förderungen. Bei Aktienfonds kann ein VL-Sparer auf die maximal förderfähige Summe von 400 Euro im Jahr eine Zulage von 20 Prozent (maximal 80 Euro pro Jahr) erhalten; bei Bausparverträgen sind es auf maximal 470 Euro neun Prozent (43 Euro maximal). Die Förderung gibt es sogar kumulativ, wenn man gleichzeitig einen Aktienfonds und einen Bausparvertrag mit VL bespart und dafür auch eigenes Geld aufwendet.

Jedoch gibt es das Zusatzbonbon nur für Arbeitnehmer, die als Ledige höchstens ein zu versteuerndes Jahreseinkommen von 20.000 Euro haben - sofern sie Aktienfonds besparen. Bei Bausparverträgen und der Baukredittilgung liegt die Grenze dagegen bereits bei 17.900 Euro. Für Verheiratete verdoppeln sich die Einkommensgrenzen.

Wohnungsbauprämie

Für die Wohnungsbauprämie gilt beim zu versteuernden Jahreseinkommen eine Grenze von 25.600 Euro für Ledige (51.200 Euro für zusammen veranlagte Ehepaare). Liegt das Einkommen unter der jeweiligen Grenze, werden bei Ledigen Einzahlungen von maximal 512 Euro mit 8,8 Prozent gefördert. Maximal gibt es für sie 45 Euro im Jahr. Bei Verheirateten gibt es die Förderung von 8,8 Prozent auf bis zu 1.024 Euro - maximal 90 Euro im Jahr.

Fonds
Ausgewählte VL-Fonds

Wer VL-Fondssparpläne nutzen will, steht vor der klassischen Frage: Wie viel Risiko will man eingehen? Wer stärkere Kursschwankungen ertragen kann, dem sei ein Aktienfonds ans Herz gelegt. Wer die Nerven mehr schonen will, setzt auf Mischfonds. Anbei jeweils zwei für gut befundene Aktien- und Mischfonds. Eine Gesamtliste zu über 1.000 VL-fähigen Fonds gibt es im Web (https://www.edisoft.de/fonds/vl-mit-fonds).

Name ISIN
Allianz Europe Equity Growth 1) LU 025 683 919 1
DWS Deutschland 2) DE 000 849 096 2
BGF Global Allocation Fund 3) LU 007 246 242 6
UniRak 3) DE 000 849 104 4
1) AF Europa; 2) AF Deutschland; 3) MF Global; Quelle: Edisoft

Bildquellen: Fotolia, Istockphoto, iStock

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