Tipps für Verbraucher

Notfallplan Gas – wie Sie sich jetzt auf den Ernstfall vorbereiten können

Wird Gas für Verbraucher und Industrie knapp, dann setzt die Bundesregierung verschiedene Stufen des Notfallplan Gas in Kraft - und Verbrauchern droht im schlimmsten Fall ein kalter und teurer Winter. Gas ist zu einer wirtschaftspolitischen Waffe geworden, Sie als Verbraucher sollten sich also auf alle Szenarien vorbereiten. Wir verraten Ihnen, wie Sie sich vorausschauend Energie und Geld sparen, damit sie für den Ernstfall gewappnet sind. Empfehlungen und die wichtigsten Informationen gibt's gleich zu Beginn in Kurzform.

Notfallplan Gas - Empfehlungen & Tipps

Beginnen Sie möglichst früh mit dem Sparen für die nächste Gasrechnung, wenn sich eine Gasknappheit abzeichnet.
Tipp: Kümmern Sie sich aus Kosten- und Kapazitätsgründen frühzeitig um Alternativen zum Heizen mit Gas. Erneuerbare Heizalternativen werden oft auch staatlich gefördert.

Notfallplan Gas - das Wichtigste in Kürze

Der Notfallplan Gas ist eine EU-Verordnung, die drei Eskalationsstufen kennt. Jede Stufe bringt bestimmte politische Handlungsrichtlinien und Befugnisse mit sich.
Wichtig: Die Notfallstufe sieht zwar gesetzlich vor, dass Privathaushalte bei der Versorgung zu den bevorzugten Gruppen gehören, die Kosten können dennoch stark steigen.
Notfallplan Gas – wie Sie sich jetzt auf den Ernstfall vorbereiten können

Was bedeutet der Notfallplan Gas?

Der Notfallplan Gas beruht auf der europäischen SoS-Verordnung, die Maßnahmen für die Gewährleistung der Gasversorgung vorsieht. Dieser Notfallplan sieht drei Stufen von der Frühwarnstufe bis zur Notfallstufe vor. Wir befinden uns (Stand: Juli 2022) im mittleren Bereich, der Alarmstufe. An diesem Punkt gibt es für die Verbraucher noch keine Probleme, eher unterstützt die Bundesregierung die Betreiber noch bei der Beschaffung von Gas.

Wenn die Notfallstufe bei einer Gas-Krise ausgerufen wird, kann die Bundesregierung umfassende Maßnahmen zur Verteilung, zum Einsatz, Transport und Sparen von Gas ergreifen. Laut Gesetz gibt es bestimmte Verbrauchergruppen, deren Versorgung im besonderen Maße priorisiert wird. Dazu zählen Privathaushalte, medizinische Einrichtungen und Gaskraftwerke. Weitere Informationen finden Sie in einer FAQ-Broschüre des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz.

Hinweis: Das Ausrufen der Alarmstufe oder Notfallstufe allein rechtfertigt noch keine Gaspreiserhöhungen seitens der Versorgungsunternehmen. Dafür muss die Bundesnetzagentur eine „erhebliche Reduzierung der Gesamtgasimportmenge“ festgestellt haben, was diese dann im Bundesanzeiger auch veröffentlichen muss.

Gas-Abschlag im Dezember und Gaspreisbremse ab Januar 2023 (Update vom 24. November 2022)

Die „Frohe Botschaft“ kommt für viele Gas-Verbraucher voraussichtlich von der Bundesregierung im Dezember 2022. Zumindest wenn es nach den Vorschlägen der Expertenkommission geht, die von der Ampel-Koalition zu diesem Zweck eingesetzt wurde. Demnach sollen private Gas-Kunden sowie kleine und mittelständische Unternehmen im Dezember einen einmaligen Gas-Abschlag vom Bund bezahlt bekommen. Grundlage für die Höhe dieses Abschlages soll der Abschlag für September 2022 sein. Gegenüber in der Vergangenheit sparsamen Verbrauchern wäre das jedoch unfair, da diese weniger Geld bekommen würden. Außerdem könnten nach diesem Modell diejenigen über Gebühr profitieren, die hohe Abschlagszahlungen bei relativ niedrigem Verbrauch vorher mit ihrem Versorger vereinbart haben. Feinjustierungen vonseiten des Gesetzgebers wären hier sicher noch angebracht. Allerdings wäre die Einmalzahlung im Dezember auch nur der erste Teil der „Frohen Botschaft“ und soll eine Art Überbrückungsgeld darstellen. Der zweite und vielleicht wesentlich spannendere Teil ist die ab Januar 2023 geplante Gaspreisbremse. Ab dann sollen Gasabnehmer für 80 Prozent ihres prognostizierten Verbrauchs nur 12 Cent pro Kilowattstunde zahlen. Die restlichen 20 Prozent müssten nach dem dann gültigen Marktpreis beglichen werden. Das heißt, Sparen könnte sich dann wirklich lohnen!

So sparen Sie Energie für den Gas-Notfallplan

Wenn die Kosten für Gas steigen beziehungsweise vielleicht sogar die Verbrauchsmengen gedrosselt werden, sollte mit dem Sparen begonnen werden. Dafür gibt es einige einfache Alltagsmaßnahmen:

Im Bad liegt das größte Sparpotenzial beim Duschen. Ein wassersparender Duschkopf reduziert den Wasserverbrauch um 40 bis 50 Prozent – so muss weniger Wasser erhitzt werden. Außerdem sollten Sie darauf achten, während des Einseifens das Wasser abzustellen. Kürzeres Duschen sowie eine geringere Wassertemperatur senken ebenfalls die Gasrechnung. Wenn man zum Beispiel mit 37 statt 40 Grad Celsius duscht, spart man zehn Prozent Energie. Mit einem Durchlauferhitzer kann man die Zieltemperatur direkt einstellen, ohne dass kaltes Wasser hinzugemischt werden muss. Händewaschen und Zähneputzen mit kaltem Wasser schont ebenso den Geldbeutel.

In der Küche hält sich hartnäckig der Glaube, dass ein Wasserkocher energieeffizienter als das Erhitzen im Topf sei. Dies gilt jedoch nur für Wassermengen unter 1,5 Litern; darüber hinaus ergibt sich ein zu großer Wärmeverlust, da das Wasser noch den verhältnismäßig größeren Topf erhitzen muss. Oft liegt Sparpotenzial beim Kühlschrank, wenn man die Temperatur schon leicht erhöht. Außerdem kann man einen Kühlverlust durch Kontrollen der Dichtungen verhindern.

Kommen wir zum Thema Heizen. Eine offensichtliche Maßnahme besteht in der Inkaufnahme einer geringeren Raumtemperatur. Man kann das auch clever anstellen, indem man nur die Räume zu den Zeiten heizt, in denen man sich in ihnen aufhält. Für Schlafzimmer liegt die optimale Einschlaftemperatur zum Beispiel bei 18 Grad, also braucht man hier eigentlich auch in kalten Winternächten nicht viel heizen. Thermostate können bei der genauen und vorausschauenden Heizplanung helfen und somit bares Geld sparen. Unverstellte Heizkörper, regelmäßiges Entlüften und Prüfen des Druckes der Heizungsanlage erhöhen die Heizeffizienz insgesamt. Gute Dichtungen an Fenstern und Türen schützen vor einem Wärmeverlust. Unter 16 Grad sollte die Temperatur jedoch nicht fallen, da hier sonst Feuchtigkeit an den Wänden und damit einhergehende Schimmelbildung droht.

Weitere Energiespartipps erhalten Sie in unserem Artikel Energiespartipps.

Diese Kosten können Sie meiden, um finanziell für den Notfallplan Gas abgesichert zu sein

Um auf eine hohe Gasrechnung reagieren zu können, sollten Sie sich ein wenig Geld zur Seite legen. In Zeiten einer Inflation ist das natürlich schwierig. Wir haben dennoch ein paar Tipps für Sie, wo Sie im Alltag Geld sparen können.

Ein großer Kostenfaktor ist die Mobilität. Langsameres Autofahren senkt den Spritverbrauch erheblich, ist weniger gefährlich und besser für die Umwelt. Besonders bei den aktuell hohen Spritpreisen kann auch der öffentliche Nahverkehr den Kontostand weniger belasten als das Auto. Besonders lohnt sich das natürlich bei Sonderaktionen wie dem 9-Euro-Ticket im Sommer 2022, aber auch sonst kann hier Sparpotenzial gegenüber dem Auto vorhanden sein. Wenn es sich einrichten lässt, ist das Fahrrad das günstigste Verkehrsmittel – in Großstädten manchmal auch das schnellste.

Es mag ein wenig bieder klingen, aber Sie geben deutlich weniger Geld aus, indem Sie Gastronomiebesuche zumindest einschränken. Hier sind Preise um circa 25 Prozent in den letzten sieben Jahren gestiegen. Wenn Sie schon mindestens zweimal weniger im Monat auswärts essen, kann das eine Ersparnis im dreistelligen Bereich einbringen.

Besonders einkommensschwache Familien sind von Lebensmittelinflation betroffen. Das Sparen bei den Grundnahrungsmittel ist vermutlich am schwierigsten, aber es geht auch, wenn man seine Lebensgewohnheiten ein wenig anpasst. Zumindest vor dem Hintergrund des Ukraine-Krieges verteuern sich Lebensmittel wie Fleisch und Sonnenblumenöl überproportional, Gemüse und Pflanzenmargarine sind weniger betroffen.

Noch mehr Tricks zum Geldsparen gibt es in unserem Spartipp-Artikel. Es kann passieren, dass Sie im Notfall für die Gasrechnung einen Kredit aufnehmen müssen. Erfahren Sie in diesem Artikel alles Wichtige zum Ratenkredit.

Mit diesen Investitionen sorgen Sie für einen Gas-Engpass vor

Durch die richtige Vorbereitung können Sie im Falle einer Gaskrise weniger von der Versorgung mit Gas abhängig sein. Wir zeigen Ihnen ein paar Alternativen:

Die einfachste und zumindest kurzfristig günstigste Gas-Alternative zum Heizen sind Heizlüfter. Diese sind in der Anschaffung relativ günstig, wenn sie verfügbar sind, aber können relativ viel Strom verbrauchen. Der wurde zwar im Sommer 2022 durch den Wegfall der EEG-Umlage erst einmal günstiger, aber kann eben auch teurer werden, wenn mehr Verbraucher mit Strom heizen. Wie Sie den günstigsten Stromanbieter finden, lesen Sie in unserem Stromvergleich.

Ein Kaminofen hat zwar einen rustikalen Flair, bringt aber auch mehr Hürden als ein Heizlüfter mit sich. Er ist in der Anschaffung teurer, muss eingebaut und gewartet werden. Brennholz wird als generelle Heizgasalternative im Falle eines Notfallplan Gas auch teurer. Sie sollten also bereits im Frühjahr oder Sommer Holz auf Vorrat kaufen, dann ist es in der Regel günstiger. Wenn Sie zur Miete wohnen, müssen Sie vor dem Einbau den Vermieter um Erlaubnis fragen. Hausbesitzer sollten den Einbau mit einem Schornsteinfeger besprechen.

Für nachhaltige Heizalternativen wie eine Wärmepumpe, Photovoltaik- oder Solarthermie-Anlagen gibt es verschiedene staatliche Förderprogramme. Allerdings sind die Anschaffungskosten trotzdem erst einmal hoch, die Wartezeiten der produzierenden Unternehmen und verbauenden Handwerker können lang sein. Kümmern Sie sich also so früh wie möglich um den Einbau. Sollte es wirklich zu Versorgungsproblemen mit Gas kommen, sind Sie mit solchen nachhaltigen Alternativen in Sachen Heizen autark und schonen Ihren Geldbeutel.

Notfallplan Gas - das sollten Sie tun

1
Achten Sie im Alltag auf Wärmeverschwendung. Schon einfache Dinge wie das Händewaschen mit kaltem Wasser können Kosten sparen.
2
Schränken Sie nicht notwendige Ausgaben wie Gastronomie- oder Kinobesuche ein, um mehr auf dem Konto zu haben, wenn die Gasrechnung sehr teuer werden sollte.
3
Überlegen Sie, ob Sie Ihre Ernährungsgewohnheiten zumindest teilweise umstellen wollen, um Kosten zu senken.
4
Fahrräder und der öffentliche Nahverkehr können günstiger als Autofahren sein. Überlegen Sie sich, ob und für welche Strecken Sie unbedingt ein Auto brauchen.
5
Wenn Sie auf Ihr Auto nicht verzichten können, verbrauchen Sie mit einer defensiven Fahrweise weniger Treibstoff und somit Geld.

Beitrag verfasst von:

BENJAMIN RESSEL - RATGEBER-REDAKTEUR

benjamin ressel rredakteur Benjamin Ressel ist seit Anfang 2022 in der Ratgeber-Redaktion. Sein Masterstudium absolvierte er im Fachbereich Germanistik, während dessen er bereits als freier Lektor und Autor tätig war. Erste journalistische Erfahrungen sammelte er als Eventreporter, bevor ihn sein Weg zu finanzen.net führte.

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🌳Das bedeutet das Bäumchen: Anlageprodukte, die im Sinne des Emittenten als nachhaltig klassifiziert werden, zeichnen wir mit einem Bäumchen-Symbol aus.

Bildquelle: YAKOBCHUK V / Shutterstock.com

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