Umweltbewusst zahlen

Nachhaltiges Girokonto: grüne Banken im Test

Das Thema Nachhaltigkeit nimmt einen immer größeren Platz in unserer Gesellschaft ein, besonders vor dem Hintergrund der sich häufenden Klimakatastrophen in den letzten Jahren. Viele fragen sich daher, wie sie auch selbst zum Klimaschutz, besonders im Alltag, beitragen können. In diesem Ratgeber möchten wir Ihnen das Konzept eines nachhaltigen Girokontos näherbringen, mit dem Sie bei jedem normalen Einkauf der Umwelt etwas Gutes tun können. Wir starten wie gewohnt mit unseren Empfehlungen und dem Wichtigsten in Kürze.

Nachhaltiges Girokonto - Empfehlungen & Tipps

Viele Anbieter von nachhaltigen Girokonten bieten günstige Kontomodelle für Jugendliche und junge Erwachsene an.
Unsere Empfehlung: Ein nachhaltiges Girokonto können Sie zum Beispiel bei der 🌳GLS, 🌳Pax-Bank, 🌳Steyler Bank, 🌳EthikBank und 🌳Triodos Bank eröffnen, die wir für Sie verglichen haben.

Nachhaltiges Girokonto - das Wichtigste in Kürze

Banken, die nachhaltige Girokonten anbieten, können ganz verschiedene Nachhaltigkeitsgrundsätze haben.
Tipp: Seit 2016 ist das Zahlungskontengesetz in Kraft. Das heißt, Ihre aktuelle Bank muss Sie auch beim Wechsel eines Girokontos unterstützen.
nachhaltiges Girokonto

Was ist ein nachhaltiges Girokonto?

Was ein nachhaltiges Girokonto ist, darüber gibt es keine einheitliche Definition oder gar gesetzliche Vorgaben. Es gibt zum Beispiel Banken, die nachhaltige Debit-Karten aus recyceltem Plastik oder nachwachsenden Ressourcen anbieten. Wir verstehen im Rahmen dieses Artikels aber unter einem nachhaltigen Girokonto ein Girokonto von einer Bank, die sich ethisch-moralischen und umweltfreundlichen Grundsätzen verpflichtet sieht. Das bedeutet beispielsweise, dass diese Banken keine Kredite an Firmen vergeben, die nicht nach diesen Grundsätzen handeln.

Hinweis: Chipkarten, also auch Karten für das Girokonto und Kreditkarten, sollten nicht im Hausmüll entsorgt werden. Die fachgerechte Entsorgung von ausrangierten Chipkarten wird über Wertstoffhöfe oder Sammelstellen für Elektrogeräte abgewickelt.

Grundsätze von Banken, die ein nachhaltiges Girokonto anbieten

Grundsätzlich gibt es zwei Arten von Banken, bei denen man ein nachhaltiges Girokonto eröffnen kann. Zum einen existieren christliche Banken und zum anderen säkulare, „alternative“ Banken, die Geschäfte mit Unternehmen ausschließen, die in der Rüstungsindustrie tätig sind oder Menschenrechtsverletzungen sowie Kinderarbeit dulden. Jedoch nehmen es einige Banken beim Umweltschutz nicht ganz so genau und kooperieren zum Beispiel mit Unternehmen aus der Atom- und Erdöl-Industrie sowie der Massentierhaltung.

Aber: Einige christliche Banken nehmen beispielsweise nur Kirchenmitarbeiter als Kunden an.

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Welche Services bietet ein nachhaltiges Girokonto?

Ein nachhaltiges Girokonto bietet in der Regel dieselben Services wie ein konventionelles Girokonto. Sie bekommen eine Debit- beziehungsweise Kreditkarte und können damit an Geldautomaten Geld abheben. Die Geldautomaten gehören in der Regel entweder dem BankCard ServiceNetz (BSN) oder dem CashPool-Verbund an. Wie teuer die Geldabhebungen sind beziehungsweise bis zu welchem monatlichen Volumen, hängt von der Bank ab.

Besonders ist bei einem nachhaltigen Girokonto, dass man relativ genau weiß, was mit dem Geld passiert, das man dort deponiert. Es ist dabei nicht nur möglich, Unternehmen aus bestimmten Branchen für die Kreditvergabe auszuschließen, man kann teilweise auch entscheiden, für welche Branchen Kredite bevorzugt ausgegeben werden. Sie können zum Beispiel Unternehmen aus den Bereichen Bildung, erneuerbare Energien oder soziale Einrichtungen wählen.

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Ist ein nachhaltiges Girokonto teurer als ein reguläres?

Das kann man so direkt nicht sagen, da sowohl bei den nachhaltigen Girokonten als auch bei den konventionellen Girokonten die Gebühren relativ stark schwanken. Im direkten Vergleich der Girokonten sind die nachhaltigen Konto-Modelle im mittleren bis höheren Preissegment angesiedelt. Es gibt durchaus günstigere Girokonten, aber auch teurere von Banken, die kein Nachhaltigkeitsmodell verfolgen. Diese bieten dann jeweils schlechtere beziehungsweise bessere Konditionen in Bezug auf die Verfügbarkeit von Bankautomaten, Kosten für Bargeldzahlungen oder Dispozinsrahmen.

Wichtig: Der Nachhaltigkeitsfaktor scheint aber unserer Einschätzung nach kein Kostenfaktor bei den Gebühren eines Girokontos zu sein.

Nachhaltiges Girokonto: Anbieter im Vergleich

Für unseren Vergleich von nachhaltigen Girokonten haben wir die Produkte von fünf Banken verglichen. Wir haben die Banken danach ausgewählt, ob sie alle Nachhaltigkeitskriterien erfüllen und ihr Angebot für die Allgemeinheit verfügbar ist. Bei den Nachhaltigkeitskriterien orientieren wir uns an den Maßgaben der Verbraucherzentrale, also dem Verzicht der Kooperation mit Unternehmen aus folgenden Branchen: Rüstung, Atomkraft, fossile Brennstoffe, industrielle Tierhaltung und Glücksspiel – oder mit Unternehmen, die Kinderarbeit sowie Menschen- und Arbeitsrechtsverletzungen tolerieren. Neben der Nachhaltigkeit haben wir auf die Kontoführungs- und Bankkartengebühren, die Verfügbarkeit der Bankautomaten und den Dispozins besonders geachtet.

Hinweis: Die Reihenfolge, in der die Banken vorgestellt werden, ist rein zufällig.

Nachhaltiges Girokonto der Ethikbank

Das nachhaltige Girokonto der 🌳Ethikbank befindet sich mit einer monatlichen Kontoführungsgebühr von 8,50 Euro sowie einer jährlichen Gebühr für die Girokarte von 15 Euro im höheren Preissegment. Für junge Erwachsene von 18 bis 23 Jahren sowie Neukunden bis zu einem Jahr betragen die monatlichen Kosten für das Konto lediglich zwei Euro, die Girokarte ist in diesem Zeitraum kostenfrei. Geld abheben kann man gebührenfrei mit einer Girokarte der Ethikbank an den rund 19.000 Bankautomaten des BankCard Service-Netzes, die wöchentliche Verfügbarkeit ist auf 5.000 Euro limitiert. Der Dispozins liegt bei 7,5 Prozent und ab einer Einlage von mehr als 50.000 Euro fällt ein Negativzins von 0,5 Prozent an.

Nachhaltiges Girokonto der GLS

Bis zum 28. Geburtstag bezahlt man keine Kontoführungs- oder Kartengebühren bei der 🌳GLS, jedoch einen monatlichen, produktunabhängigen „GLS Beitrag“ von einem Euro. Ältere Kunden zahlen monatlich für ihr Konto 3,80 Euro und 15 Euro für die Debitkarte. Der „GLS Beitrag“ erhöht sich dann auch auf 5 Euro im Monat. Das Geldabheben ist kostenlos ebenso an allen Automaten des BankCard Service-Netzes möglich. Spannend bei der GLS ist, dass der Dispozins bis 10.000 Euro null Prozent beträgt, ab dann werden sieben Prozent fällig. Ab einem Kontostand von mehr als 50.000 Euro wird ein jährliches Einlagenentgeld von 0,5 berechnet.

Nachhaltiges Girokonto der Pax-Bank

Auch die Pax-Bank bietet mit dem nachhaltigen Girokonto-Modell 🌳PaxJunior ein kostenfreies Girokonto ohne Kartengebühren bis zum 28. Lebensjahr an. Danach kostet das Girokonto 2,50 Euro im Monat und die Debit-Karte fünf Euro jährlich und ist damit von allen verglichenen nachhaltigen Girokonten in der Hinsicht am günstigsten. Mit einer Girokarte der Pax-Bank können Sie sowohl an Geldautomaten aus dem BankCard Service-Netz als auch dem Cash-Pool-Verbund kostenfrei Geld abheben. Bei einer Kontoüberziehung berechnet die Pax-Bank 6,58 Prozent Dispozinsen.

Nachhaltiges Girokonto der Steyler Bank

Mit monatlichen Kontogebühren von sieben Euro und einem jährlichen Preis für die Girokarte von zwölf Euro liegt die 🌳Steyler Bank in unserem Vergleich im Mittelfeld. Allerdings geht ein Euro der monatlichen Kontoführungskosten direkt an ein Hilfsprojekt der Steyler Bank. Auch bei dieser Bank gibt es ein günstigeres Girokonto für junge Menschen bis 27 Jahre. Hier kostet die Debitkarte nichts und es gibt nur den Grundbeitrag von einem Euro, der wie bei dem anderen Kontomodell ebenfalls in ein Hilfsprojekt fließt. Die Steyler Bank kooperiert mit dem CashPool-Verbund und die Dispozinsen betragen acht Prozent. Ebenso wie die GLS und EthikBank verlangt die Steyler Bank auch ein Verwahrentgeld von 0,5 Prozent ab einer Einlage von 50.000 Euro.

Nachhaltiges Girokonto der Triodos Bank

In Bezug auf die Kontoführungsgebühren ist das nachhaltige Girokonto der 🌳Triodos Bank relativ günstig, die Debitkarte schlägt mit 15 Euro jährlich zu Buche. Die kostenfreie Bargeldauszahlung ist mit der Girokarte nur in ausgewählten Geschäften möglich, jedoch kann man mit einer Kreditkarte (Mastercard) der Triodos Bank an den „meisten Geldautomaten“ mit einem Mastercard-Symbol weltweit gebührenfrei Geld abheben. Die Kreditkarte kostet wiederum 39 Euro jährlich. Als Dispozins verlangt die Triodos Bank 6,47 Prozent und auch hier gibt es ein Einlagenentgeld von 0,5 Prozent, allerdings schon ab 10.000 Euro auf der Haben-Seite.

Fazit: Lohnt sich ein nachhaltiges Girokonto?

Ob sich ein Wechsel auf ein nachhaltiges Girokonto lohnt, ist sicherlich vor allem eine Frage des persönlichen Standpunktes. Das Konto einer nachhaltigen Bank bietet prinzipiell keine Nachteile gegenüber einem herkömmlichen Girokonto, weder im Bereich der Kosten noch des Services. Sicherlich gibt es Banken, die nicht so viel Wert auf Nachhaltigkeitskriterien legen und Girokonten zu besseren Konditionen anbieten, aber das Hauptargument für ein nachhaltiges Girokonto liegt eben nicht im materiellen Bereich. Die Entscheidung für ein nachhaltiges Girokonto ist ein ideelle Wahl und Sie müssen für sich ganz persönlich entscheiden, wie viel Ihnen das wert ist.

Unsere Empfehlung: Wenn Sie sich auch dafür interessieren, wie man Geld nachhaltig investieren kann, lesen Sie gerne in unserem Ratgeber zur nachhaltigen Geldanlage weiter.

Nachhaltiges Girokonto - das sollten Sie tun

1
Überlegen Sie sich, ob ein nachhaltiges Girokonto für Sie in Frage kommt.
2
Vergleichen Sie die nachhaltigen Grundsätze verschiedener Banken und natürlich auch die Kosten.
3
Jetzt müssen Sie abwägen, wie viel Ihnen bestimmte Services und Grundsätze wert sind.
4
In den meisten Fällen können Sie einen Eröffnungsantrag elektronisch oder per Post bei der Bank Ihrer Wahl stellen.
5
Wenn die Bank Sie annimmt, sollten Sie innerhalb weniger Tage Ihre Bankkarte und PIN-Nummer postialisch zugestellt bekommen.

Beitrag verfasst von:

BENJAMIN RESSEL - RATGEBER-REDAKTEUR

benjamin ressel rredakteur Benjamin Ressel ist seit Anfang 2022 in der Ratgeber-Redaktion. Sein Masterstudium absolvierte er im Fachbereich Germanistik, währenddessen er bereits als freier Lektor und Autor tätig war. Erste journalistische Erfahrungen sammelte er als Eventreporter, bevor ihn sein Weg zu finanzen.net führte.

*Das bedeutet das Sternchen: Unsere Ratgeber-Artikel sind objektiv recherchiert und unabhängig erstellt. Wir wollen so möglichst vielen Menschen helfen, eigenständig Vermögen aufzubauen und in Finanzfragen die richtigen Entscheidungen zu treffen. Damit unsere Informationen kostenlos abrufbar sind, werden manchmal Klicks auf Verlinkungen vergütet. Diese sogenannten Affiliate Links kennzeichnen wir mit einem Sternchen. Geld bekommt die finanzen.net GmbH, aber nie der Autor individuell, wenn Leser auf einen solchen Link klicken oder beim Anbieter einen Vertrag abschließen. Ob die finanzen.net GmbH eine Vergütung erhält und in welcher Höhe, hat keinerlei Einfluss auf die Produktempfehlungen. Für die Ratgeber-Redaktion ist ausschließlich wichtig, ob ein Angebot gut für Anleger und Sparer ist.

🌳Das bedeutet das Bäumchen: Anlageprodukte, die im Sinne des Emittenten als nachhaltig klassifiziert werden, zeichnen wir mit einem Bäumchen-Symbol aus.

Bildquelle: magic pictures / Shutterstock.com

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