Das sollten Sie darüber wissen

Unfallversicherung: Wann sie sich wirklich lohnt – und welche Alternativen es gibt

Etwa neun Millionen Unfälle gibt es pro Jahr in Deutschland. Doch ist es sinnvoll deswegen eine Unfallversicherung abzuschließen, um für den Fall der Fälle gewappnet zu sein? Und wann greift diese überhaupt? Wir haben alle Antworten rund um dieses Thema - und zeigen Ihnen auch, welche Alternativen es gibt.

Unfallversicherung: Wann sie sich wirklich lohnt

Unfallversicherung - darum geht es

Eine Unfallversicherung soll nach einem Unfall die finanziellen Folgen abfedern.
Allerdings greift diese nur bedingt und nicht bei jedem Unfall. In unserem Artikel erfahren Sie, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen.
Wichtig: Überlegen Sie sich gut, welcher Schutz für Sie in Frage kommt. Das hängt von Ihren persönlichen Lebensumständen ab.

Unfallversicherung - Empfehlungen & Tipps

Wenn Sie eine Unfallversicherung abschließen, sollten Sie genau auf die Leistungen achten - und nicht bei der Versicherungsumme geizen.
Für viele Menschen lohnt sich eine Unfallversicherung gar nicht oder nur unter gewissen Umständen.
Unsere Empfehlung: Welche Alternativen es zur Unfallversicherung gibt, erfahren Sie ebenfalls in diesem Artikel.

Unfallversicherung: Wie sinnvoll ist sie?

Eine Unfallversicherung greift bei jeglichen Unfällen – das suggeriert zumindest der Name. Doch gilt das wirklich für alle Unfälle – vom Ausrutschen auf einer Bananenschale bis hin zum schweren Treppensturz? Nein, denn um von einer Unfallversicherung Geld zu kassieren, müssen bestimmte Bedingungen erfüllt sein. Denn wer sich ein Bein bricht und mehrere Wochen nicht arbeiten kann, wird in der Regel kein Geld von der Unfallversicherung sehen. Um Leistungen zu erhalten, müssen nach dem Unfall körperliche Schäden bleiben.

Tipp: Weil eine Unfallversicherung nicht immer greift und nicht für jeden geeignet ist, zeigen wir Ihnen im Artikel auch, welche Alternativen es zur klassischen Unfallversicherung gibt und was Sie dabei beachten müssen.

Wann greift eine Unfallversicherung?

Etwa neun Millionen Unfälle passieren jährlich allein in Deutschland. Das hört sich im ersten Moment viel an. Doch was ist überhaupt ein Unfall? Diesen definieren Versicherungen wie folgt: „Ein Unfall liegt vor, wenn der Versicherte durch ein plötzlich von außen auf seinen Körper wirkendes Ereignis unfreiwillig eine Gesundheitsschädigung erleidet.“

 
Plötzlich bedeutet, dass der Unfall innerhalb kürzester Zeit passiert ist und nicht vorherzusehen war. Dazu zählen zum Beispiel keine Dauerbelastungen weder psychisch noch physisch: Schädigungen, die in Folge von übermäßigem Training oder psychischer Reaktionen wie Stress oder Ärger, werden von der Unfallversicherung nicht übernommen.
 
 
Etwas wirkt dann von außen auf den Körper ein, wenn andere Kräfte erforderlich sind – das ist zum Beispiel der Fall, wenn Gegenstände herabstürzen oder auch bei einem Verkehrsunfall.
 
 
Dass ein Unfall nur unfreiwillig sein kann, ist selbstredend. Das bedeutet, dass die Versicherung nicht zahlt, wenn sich jemand selbst verstümmelt hat oder bei einem Suizidversuch verletzt hat.
 

Sind diese Voraussetzungen erfüllt, akzeptiert die Versicherung es als Unfall. Allerdings müssen Versicherungsnehmer selbst beweisen, dass sie nach diesen Voraussetzungen einen Unfall erlitten haben. Ist das der Fall, zahlt die private Unfallversicherung und dabei spielt es dann keine Rolle, ob der Unfall während der Arbeit oder in der Freizeit passiert ist.

Für wen lohnt sich eine Unfallversicherung?

Generell gilt: Bevor Sie eine private Unfallversicherung abschließen, sollten Sie zunächst alle anderen wichtigen Versicherungen haben – dazu zählt zum Beispiel eine Krankenversicherung, Kfz-Haftpflicht oder auch die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU). Diese Versicherungen sollten Sie in jedem Fall vorher abschließen und danach überlegen, ob sich für Sie eine Unfallversicherung lohnt.

Da wir gerade beim Thema BU sind: Diese ist oft günstiger und schützt besser, als eine reine Unfallversicherung. Doch zu den Vorteilen einer BU kommen wir weiter unten im Artikel zu sprechen. Menschen mit Vorerkrankungen können oft keine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen – oder nur zu sehr schlechten Konditionen. In diesem Fall kann eine Unfallversicherung sehr sinnvoll sein.

Unfallversicherung - in diesen Fällen sinnvoll

Selbstständige
Arbeitslose
Hausfrauen und Hausmänner
Menschen mit hohem Unfallrisiko
Menschen, die keine BU abschließen können

Gefährliche Hobbys? Unfallversicherung sinnvoll

Wer gefährlichen Hobbys wie Fallschirmspringen oder Tauchen nachgeht, für den lohnt sich eine Unfallversicherung. Denn eine BU verlangt für gefährliche Hobbys oft einen Risikozuschlag, der ziemlich teuer werden kann. Hier kann man sich überlegen eine separate Unfallversicherung abzuschließen, die sowas absichert. Dann können Sportunfälle ausgeklammert werden und der Beitrag für die BU fällt geringer aus.

Wann zahlt eine Unfallversicherung nicht?

Welche Leistungen in einer Unfallversicherung inbegriffen sind, ist von Anbieter zu Anbieter unterschiedlich und hängt auch vom Tarif ab. Daher sollten Sie immer prüfen, für welche Art von Unfällen Ihre Versicherung aufkommt und welche Leistungen inbegriffen sind. Jedoch gibt einige Fälle, in denen eine Unfallversicherung grundlegend nicht zahlen wird: 

Unfallversicherung: Wann zahlt sie nicht?

Unfall unter Alkohol- und Drogeneinfluss
Unfälle bedingt durch epileptischen Anfall, Kreislaufprobleme, Schlaganfall
Unfall während einer Straftat
keine dauerhaften Beeinträchtigungen innerhalb eines Jahres nach dem Unfall
Verstößen gegen vertragliche Pflichten

Wichtig: Auch Sie als Versicherungsnehmer haben Pflichten gegenüber Ihrer Versicherung – darunter auch, einen Unfall direkt zu melden. Selbst eine vermeintliche Lappalie kann sich hinterher als eine größere Sache herausstellen. Eine körperliche Beeinträchtigung kann nämlich auch erst nach einiger Zeit auftreten. Wurde der Unfall damals jedoch nicht gemeldet, kann sich das auf die Versicherungsleistung auswirken – im schlimmsten Fall zahlt die Versicherung dann nämlich gar nichts.

So finden Sie die beste Unfallversicherung

Die wichtigste Leistung einer Unfallversicherung ist die Zahlung eines einmaligen Geldbetrags – die Invaliditätsleistung. Um diesen zu erhalten, muss jedoch eine dauerhafte Beeinträchtigung der körperlichen oder geistigen Leistungsfähigkeit. Das trifft zu, wenn die Unfallfolgen länger als drei Jahre bleiben und eine Besserung nicht in Sicht ist. Das ist bei jeder Versicherung gleich. Worin die Anbieter sich jedoch unterscheiden ist sowohl der Preis als auch die Leistung, die Sie letztendlich dafür erhalten. Wir zeigen Ihnen auf, welche Leistungen bei einer Unfallversicherung wichtig sind und worauf Sie sonst beim Abschluss achten müssen:

Nicht bei der Versicherungssumme sparen

Wichtig ist, dass Sie eine ausreichende Summe vereinbaren, die Ihnen im Falle eines Unfalls ausgezahlt wird. Das bedeutet, dass Sie sich genau überlegen müssen, welche Kosten auf Sie zukommen würden, wenn Sie einen Unfall erleiden: Muss zum Beispiel eine Haushaltshilfe bezahlt werden? Oder muss die Versicherung Ihren Lohnausfall ausgleichen können? Muss vielleicht sogar das Haus umgebaut werden? All das sollten Sie bedenken, wenn Sie die Versicherungssumme wählen. Im schlimmsten Fall muss das Geld bis an Ihr Lebensende reichen!

Wie hoch die Entschädigung nach einem Unfall ausfällt, richtet sich nach der Höhe der vereinbarten Summe und dem Grad der Invalidität. Dabei kommt es darauf an, wie der Verlust eines bestimmten Körperteils in der Police berücksichtigt wird – die sogenannte Gliedertaxe.

Weit verbreitete Gliedertaxe - Beispiele

Verlust des Arms ab dem Schultergelenk: 70 Prozent
Verlust des Beins bis zur Mitte des Oberschenkels: 60 Prozent
Verlust einer Hand: 55 Prozent
Verlust eines Auges: 50 Prozent
Verlust des Gehörs auf einem Ohr: 30 Prozent
Verlust des Geruchssinns: 10 Prozent

Ein Beispiel: Wenn diese Gliedertaxe in einer Unfallversicherung gelten und eine Versicherungssumme von 100.000 Euro gewählt wurde und der Versicherungsnehmer bei einem Unfall seine Hand verliert, bekommt er 55 Prozent – also 55.000 Euro – ausbezahlt. Wenn es jedoch nur ein Teil der Hand beziehungsweise mehrere Finger sind, dann wird die Summe dementsprechend gekürzt.

Hinweis: Bestimmte Berufsgruppen haben eigene Tarife mit eigenen Gliedertaxen. Wenn zum Beispiel ein Chirurg bei der kleinsten Verletztung der Nerven an seiner Hand arbeitsunfähig ist, kann er diese im Vertrag stärker gewichten.

Unfallversicherung: Darauf müssen sie achten

Wenn Sie eine Unfallversicherung abschließen wollen, ist es wichtig, dass Sie bei Fragen zu Ihrem Gesundheitszustand die Wahrheit angeben. Denn wird im Nachhinein festgestellt, dass etwas verheimlicht wurde, ist der Versicherungsschutz gefährdet. Das gilt nicht nur bei Vertragsabschluss, sondern auch während der Laufzeit: Sollte sich Ihr Beruf ändern oder sie plötzlich ein neues gefährliches Hobby haben, muss die Unfallversicherung das wissen. Die Tarife und Beiträge richten sich nach dem Risiko – das kann natürlich auch Vorteile haben, wenn zum Beispiel ein Extremsport nicht mehr ausgeübt wird, der vorher den Preis des Tarifs mitbestimmt hat.

Kommt es dann zu einem Unfall, müsse auch Fristen beachtet werden: Diese variieren je nach Versicherung. Am besten fahren Sie jedoch, wenn sie den Unfall unverzüglich melden. Auch hier ist der Versicherungsschutz gefährdet, wenn bestimmte Fristen nicht eingehalten werden.

Unfallversicherung: Überflüssige Leistungen

Oft bieten Unfallversicherungen zusätzliche Leistungen an, die den Preis in die Höhe treiben. So zum Beispiel das Krankentagegeld, Krankenhaustagegeld oder Übergangsleistungen. Diese Extras sind entweder überflüssig oder durch andere Versicherungen besser abgedeckt – meint auch die Verbraucherzentrale. Ein kurzer Verdienstausfall lässt sich zum Beispiel besser durch eine Krankentagegeldversicherung ausgleichen. Hier bekommen Sie das Geld nicht nur nach einem Unfall, sondern auch bei Krankheit.

Besondere Vorsicht ist bei Unfallversicherungen mit Beitragsrückgewähr geboten: Diese lohnen sich vor allem für die Versicherungen – jedoch nicht für Sie. Der Vertrag verspricht, dass am Ende der Laufzeit die Beiträge zurückerstattet werden, wenn Sie keinen Unfall hatten. Was sich im ersten Moment gut anhört, ist alles andere als das. Die Beiträge sind meist viel höher, als die normaler Unfallversicherungen und der Vertrag ist mit einem schlecht verzinsten Sparvorgang verbunden. Eine Versicherung mit einem Sparvertrag zu koppeln, ist keine gute Idee – lieber das Geld woanders anlegen.

Alternativen zur Unfallversicherung

Im Jahr gibt es rund neun Millionen Unfälle allein in Deutschland. Das hört sich im ersten Moment ganz schön unheimlich an, doch die meisten davon sind relativ harmlos und ohne bleibende Schäden. Viele Menschen überschätzen das Risiko, nach einem Unfall eine schwere Behinderung zu haben und sichern sich gerne dagegen ab. Doch laut dem Statistischen Bundesamt sind nur ein Prozent der Behinderungen auf einen Unfall zurückzuführen. Deswegen gibt es für viele Menschen weit bessere Alternativen zur Unfallversicherung – und wir zeigen Ihnen, welche das sind:

Berufsunfähigkeitsversicherung oft sinnvoller

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) greift nicht nur bei Unfällen, sondern springt auch generell ein, wenn man seinen Job nicht mehr ausüben kann – sei es wegen eines Unfalls, einer Krankheit oder aufgrund anderer Umstände. Damit sind die meisten Menschen deutlich besser geschützt, als mit einer reinen Unfallversicherung, die – wie der Namen schon sagt – nur bei Unfällen greift. Die BU gilt neben einer Haftpflichtversicherung als wichtigste Versicherung.

Einziges Problem: Menschen mit Vorerkrankungen oder besonders risikoreichen Berufen bekommen eine BU nur für teures Geld oder gar nicht! In diesem Fall lohnt sich eine reine Unfallversicherung, um zumindest etwas abgesichert zu sein.

Unsere Empfehlung: Wir haben mehrere Berufsunfähigkeitsversicherungen miteinander verglichen und die Tarife unter die Lupe genommen. Hier klären wir auch die wichtigsten Fragen und erklären Ihnen, auf was es bei einem Tarif ankommt.

Angehörige absichern: Risikolebensversicherung bessere Wahl

Wer seine Angehörigen nach einem Unfalltod absichern will, weil diese zum Beispiel auf das Einkommen eingewiesen sind oder gar ein Immobilienkredit abzubezahlen ist, der sollte nicht nur auf die Unfallversicherung zählen. Hier ist man zwar auch oft im Todesfall versichert – aber eben nur im Falle eines Unfalltods. Wer also seine Angehörigen in jedem Fall finanziell absichern will, sollte lieber eine Risikolebensversicherung abschließen. Diese greift sowohl bei einem Unfalltod als auch bei einer Krankheit.

Wichtig: Beim Abschluss einer Risikolebensversicherung sollten Sie nicht bei der Versicherungssumme geizen. In unserem Ratgeber-Artikel erfahren Sie, welche Summe für Ihre Lebenssituation angemessen ist und worauf Sie bei einer Risikolebensversicherung noch achten müssen.

Unfallversicherung - das sollten Sie tun

1
Überlegen Sie sich gut, ob eine Unfallversicherung für Sie in Frage kommt.
2
Eine Alternative wäre zum Beispiel die klassische BU-Versicherung, die auch im Krankheitsfall greift.
3
Falls Sie sich für eine reine Unfallversichernug entscheiden, sollten Sie nicht bei den Versicherungssummen geizen, um im Fall der Fälle abgesichert zu sein.
4
Überlegen Sie sich also genau, wie viel Geld Sie brauchen würden, um nach einem Unfall für die erste Zeit finanziell abgesichert zu sein oder gar Umbaumaßnahmen durchführen zu können.
5
Nachdem Sie alle Punkte bedacht haben, können Sie die Unfallversicherung abschließen, die am besten zu Ihrer Situation passt.

Beitrag verfasst von:

JANA BUCH – EHEMALIGE REDAKTEURIN RATGEBER

Hinweis: Unsere Ratgeber-Artikel sind objektiv recherchiert und unabhängig erstellt. Damit Sie unsere Informationen kostenlos lesen können, werden manchmal Klicks auf Verlinkungen vergütet.

Bildquelle: Milkovasa / Shutterstock.com

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