Finanzskandale 2012

Platz 12: HypoVereinsbank
Die Hypovereinsbank steht unter dem Verdacht, an Steuerhinterziehung mitgewirkt zu haben. So wird dem Geldhaus von den Justizbehörden vorgeworfen, den Fiskus bei Aktiengeschäften um 124 Millionen Euro betrogen und zudem wiederholt falsche Bescheinigungen über die abgeführten Kapitalertragssteuern ausgestellt zu haben. Die HVB hält dagegen, dass sie ihren Offenlegungspflichten stets ordnungsgemäß nachgekommen sei und mit den Behörden kooperiere.
Quelle: www.hypovereinsbank.de

Platz 11: Chinas Solarbranche
Im Zuge eines Anti-Dumping-Verfahrens berät die EU-Kommission über Strafzölle auf Solarimporte aus China. Im Juli hatte der europäische Branchenverband Sun Pro Beschwerde bei der Kommission eingereicht und beschuldigte die chinesische Solarbranche trotz massiver Verluste Preisdumping zu betreiben. Hinzu kommt der Vorwurf unerlaubter Subventionen durch den Staat und die Vergabe zinsloser Kredite, um Unternehmenspleiten zu vermeiden. In den USA wurden bereits Anti-Dumping-Zölle für chinesische Solarprodukte eingeführt.

Platz 10: Facebook
Nach Facebooks geflopptem Börsengang kamen immer mehr dubiose Einzelheiten zu den Hintergründen des Debakels ans Licht. So wollten institutionelle Anleger durch den Milliarden-Deal kräftig abkassieren - und das zu Lasten der Kleinanleger. In der Kritik stehen besonders Morgan Stanley und Goldman Sachs, die Facebooks Prognosesenkungen nur an institutionelle Klienten weitergaben, Kleinanleger jedoch nicht darüber informierten. Zudem war der Ausgabepreis von 38 Dollar angesichts der rückläufigen Prognosen relativ hoch angesetzt. Die beteiligten Parteien wollten damit sicherstellen, dass der Börsengang rund 16 Milliarden Dollar in die Kassen spült. Vorwürfe gegen Facebook und die beteiligten Banken aufgrund der schlechten Informationspolitik im Vorfeld des Börsengangs wurden von diesen vehement zurückgewiesen.

Platz 9: Flughafen Berlin Brandenburg
Bereits im Juni 2012 hätte der neue Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg eröffnet werden sollen, doch immer wieder wurde der Termin verschoben, mittlerweile bis Oktober 2013. Grund hierfür waren unter anderem Probleme mit der Brandschutztechnik und die Errichtung eines erweiterten Lärmschutzes. Die beiden Maßnahmen schlagen mit Mehrkosten von rund 1,2 Milliarden Euro zu Buche. Insgesamt werden sich die Kosten voraussichtlich auf rund 4,3 Milliarden Euro belaufen, ausgegangen war man jedoch von 2,5 Milliarden Euro. Ein aktuelles Gutachten fördert zudem akute Planungsmängel zu Tage: so ist z. B. die vorgesehene Anzahl an Check-In-Schaltern und Gepäckbändern für eine ordnungsgemäße Passagierabfertigung zu niedrig. Insgesamt sind die Mängel laut Gutachten so groß, dass die Servicequalität unter der des Flughafens Berlin-Tegel liegen wird.
Quelle: Bild: Günter Wicker (Flughafen Berlin Brandenburg)

Platz 8: Walmart
Im Frühjahr 2012 geriet der Einzelhandelskonzern Walmart unter Korruptionsverdacht. Dabei sollen die Chefs der mexikanischen Tochter Beamte und Lokalpolitiker bestochen haben um schneller an Baugenehmigungen zu kommen. Die Führungskräfte in der US-Zentrale sollen davon gewusst, aber geschwiegen haben. Weiterhin besteht laut demokratischen Abgeordneten der Verdacht auf Geldwäsche und Steuerhinterziehung. Die Untersuchungen wurden von den Behörden derweil auf Geschäfte in fünf weiteren Ländern ausgeweitet.
Quelle: Bild: www.walmart.com

Platz 7: Standard Chartered
Dem Londoner Finanzunternehmen Standard Chartered wurde im August 2012 von der New Yorker Finanzaufsicht DFS vorgeworfen, über einen Zeitraum von beinahe zehn Jahren trotz geltender Sanktionen Geschäfte mit dem Iran zu betreiben. Dabei ging es um ein Volumen von insgesamt über 250 Milliarden Dollar. Nach Veröffentlichung der Anschuldigungen stürzte die Aktie des britischen Geldhauses um ein Viertel ab, wodurch das Unternehmen innerhalb weniger Stunden 17 Milliarden Dollar an Börsenwert verlor. Die DFS drohte der Standard Chartered Bank zudem damit ihre Lizenz für den New Yorker Handelsplatz zu entziehen. In einem Vergleich einigten sich die Finanzaufsicht und Standard Chartered auf eine Zahlung in Höhe von 340 Millionen Dollar, sowie die Einführung eines gesonderten Überwachungssystems für mindestens zwei Jahre.

Platz 6: Peregrine Financial Group (PFGBest)
Im Juli 2012 ermittelte die Finanzaufsicht CFTC in den USA gegen die Peregrine Financial Group. Der Derivatehändler soll unter Chef Russell Wasendorf Kundengelder veruntreut haben. Darüber hinaus soll PFGBest laut CFTC falsche Angaben über das Guthaben des Unternehmens gemacht haben. Über 200 Millionen Dollar sind nach Angaben der Finanzaufsicht verschwunden. PFG beantragte am 10. Juli Insolvenz, der Chef Russell Wasendorf wurde nach einem Selbstmordversuch noch in der selben Woche festgenommen.

Platz 5: Hewlett-Packard / Autonomy
Der US-Computerkonzern Hewlett-Packard beschuldigt das alte Management der im Herbst 2011 zugekauften Software-Firma Autonomy, die Bilanzen vor der Übernahme geschönt und damit den Preis in die Höhe getrieben zu haben. HP hatte Autonomy für 11,2 Milliarden Dollar übernommen, von denen das Unternehmen 8,8 Milliarden Dollar abschrieb, mit der Begründung, dass Autonomy in seiner Buchhaltung falsche Darstellungen gemacht und Umsätze falsch ausgewiesen habe. Mittlerweile hat sich das FBI auf Bitten der US-Börsenaufsicht SEC eingeschaltet.
Quelle: Bild: pcruciatti / shutterstock.com

Platz 4: HSBC
Im Juli 2012 erhob der US-Senat schwere Vorwürfe gegen die Großbank HSBC und beschuldigte sie der Geldwäsche, Terrorfinanzierung und Unterstützung von Drogenhandel. Ein Bericht des US-Senats offenbarte, dass die mexikanische Tochter der Großbank zwischen 2004 und 2010 Geldwäsche für Drogenkartelle betrieb. Allein in den Jahren 2007/2008 sollen insgesamt sieben Milliarden Dollar in bar von Mexiko in die USA geschleust worden sein. Zudem pflegte die HSBC Geschäftsbeziehungen zu der saudi-arabischen Bank Al Rajhi, die unter Verdacht steht, Terroristen zu finanzieren. Des Weiteren habe die Bank laut des Berichts mehrere US-Sanktionen umgangen und Transaktionen mit iranischen Banken in Höhe von 19,4 Milliarden Dollar verschleiert. Die britische Großbank war zudem ebenfalls in den Libor-Skandal verwickelt.

Platz 3: JPMorgan Chase
Im Mai 2012 machte die US-Großbank JPMorgan Chase durch obskure Spekulationen mit Kreditausfall-Versicherungen Schlagzeilen. Händler des Londoner Büros der Bank verzockten innerhalb von 6 Wochen rund 4,4 Milliarden Dollar. Die Ratingagentur Fitch nahm dies zum Anlass, die Kreditwürdigkeit der Bank von AA- auf A+ herabzustufen. JPMorgan Chase verlor am 12. Mai 2012 an der New Yorker Börse 15 Milliarden Dollar an Marktwert.
Quelle: Bild: istock/Trevor Smith

Platz 2: Libor-Skandal
Der Libor gibt an, zu welchen Konditionen sich die Banken untereinander Geld leihen und wird von den Großbanken gemeinsam festgelegt. Er wird zudem als Berechnungsgrundlage für viele Kredite in der Realwirtschaft verwendet. Im Sommer 2012 kam ans Licht, dass Händler von Banken den Libor mit falschen Angaben künstlich niedrig gehalten haben. Es wurden daraufhin Ermittlungen gegen zahlreiche Banken eingeleitet, darunter auch die Deutsche Bank, die Barclays Bank und die Société Generale. Im Zuge dieser Ereignisse mussten bereits einige Top-Manager ihre Posten räumen.

Platz 1: UBS
Ex-Händler Kweku Adoboli wurde in diesem Jahr von einem Londoner Gericht zu sieben Jahren Haft verurteilt, da er bei der UBS von 2009 bis 2011 insgesamt 2,3 Milliarden Dollar verzockte. Möglich war dies durch gravierende Mängel im Kontrollsystem der Bank. Phasenweise bescherten Adobolis risikoreiche Geschäfte der Schweizer Großbank Schulden in Höhe von bis zu zwölf Milliarden US-Dollar, die das Unternehmen an den Rand des Ruins trieben.
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