Spaniens Krise - Was geschah wann?

Platz 19: 2006/2007
Einer der wichtigsten Wirtschaftszweige des Landes, die Baubranche, bricht zusammen. Schuld ist das Platzen der Immobilienblase, von der Spanien vorher über rund eine Dekade gut profitieren konnte. Die hohen Immobilienpreise lassen sich nicht mehr rechtfertigen, Zinsen steigen, Schuldner können Raten nicht mehr bedienen. Der private Konsum leidet, die gesamte spanische Wirtschaft wankt.

Platz 18: April 2008
Die Regierung verabschiedet ein Stabilisierungsprogramm, mit dem 18 Milliarden Euro in die Wirtschaft investieren sollen.

Platz 17: November 2008
Ein weiteres Konjunkturpaket wird verabschiedet - die Regierung will weitere 20 Milliarden Euro in die Wirtschaft investieren und damit unter anderem den sozialen Wohnungsbau fördern und Geld für kleinere Unternehmen zur Verfügung stellen. Arbeitslose und Rentner bekommen einen zweijährigen Aufschub für 50 Prozent ihrer Hypothekenzahlungen.

Platz 16: 2009
Die Regierung stellt den "Spanischen Plan zur Anregung der Wirtschaft und der Beschäftigung" vor. Das bis dahin größte Konjunkturprogramm innerhalb der EU soll erneut den angeschlagenen Arbeitsmarkt stützen und zudem Familien und Unternehmen steuerlich entlasten.

Platz 15: Frühjahr/Sommer 2011
Die Rating-Agentur Standard & Poor’s senkt die Kreditwürdigkeit Spaniens um eine Stufe von AA+ auf AA. Fitch stuft Spaniens Kreditwürdigkeit herab von AAA auf AA+. Hintergrund seien die Sparmaßnahmen, die zu sinkenden Steuereinnahmen führen würden. Spanien lehnt Geld aus dem EU-Nothilfeplan ab. Eine Arbeitsmarktreform wird per königlichem Dekret erlassen. Die Kosten für den spanischen Staat belaufen sich bis 2012 auf rund 740 Millionen Euro - Generalstreik gegen die Reform des Arbeitsmarktes.

Platz 14: Oktober 2011
Bislang hatte Spanien die zweitbeste Bonitätsnote - nun hat die Rating-Agentur Fitch die Bonität Spaniens um zwei Stufen auf "AA-" gesenkt. S&P senkt die Kreditwürdigkeit des Landes um einen Punkt von "AA" auf "AA-". Moody’s senkt die Bonität des Landes um zwei Stufen von der Note Aa2 auf die Note A1.

Platz 13: November 2011
Der spanische Staat muss bei einer Auktion von Anleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren Renditen in einer Grössenordnung von sieben Prozent bieten. Rekord. Bei den vorgezogenen Parlamentswahlen werden die Sozialisten abgestraft, die konservative Volkspartei gewinnt. Neuer Regierungschef wird Mariano Rajoy, der im Vorfeld angekündigt hatte, ein straffes Sparprogramm durchsetzen zu wollen.

Platz 12: Dezember 2011
Eine Auktion spanischer Staatsanleihen verläuft erfolgreich. Das Land hat fast doppelt soviel Geld eingesammelt wie geplant. Besonders bei den zweijährigen Anleihen gingen die Risikioaufschläge deutlich zurück. Die Ratingagentur Fitch senkt den Ausblick für Spanien. Der designierte Regierungschef Mariano Rajoy hat eine radikale Sparpolitik angekündigt. Seine Regierung werde die Zahl der freien Tage reduzieren, einen Einstellungsstopp für den öffentlichen Dienst verhängen und eine Reihe von Behörden auflösen. Nur die Renten sollten zum Jahresbeginn 2012 um die Inflationsrate angehoben werden, damit die Kaufkraft der Rentner erhalten bleibe.

Platz 11: Erstes Quartal 2012
Spaniens Haushaltsloch ist größer als angenommen. Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) senkt die Kreditwürdigkeit Italiens, Spaniens und Portugals um zwei Stufen. Auch Fitch senkt die Bonität des Landes. Die Arbeitslosenquote stieg im Schlussquartal 2011 auf fast 23 Prozent - das ist der höchste Stand seit Anfang 1995. Die Renditen für spanische Staatsanleihen legen über alle Laufzeiten hinweg zu. Unterdessen legt ein Generalstreik die Wirtschaft lahm.

Platz 10: April 2012
Die Arbeitslosenzahl steigt. Spanien schließt trotz schwieriger Lage am Anleihenmarkt Hilfen aus dem EU-Rettungsfonds aus und will stattdessen milliardenschwere Sparmaßnahmen vornehmen. Der angeschlagene spanische Bankensektor leidet zusehends unter einer Vielzahl notleidender Kredite- Der Anteil der Kredite, die nicht bedient werden, steigt auf 8,16 Prozent des gesamten Kreditvolumens. Im ersten Quartal ist das Land zudem in die Rezession abgerutscht - S&P reagiert mit einer Abstufung um zwei Stufen von "A" auf "BBB+" und senkt auch die Bonität für spanische Banken.

Platz 9: Mai 2012
Die Lage am Anleihenmarkt verschärft sich. Die Regierung übernimmt die Kontrolle über die kriselnde Großbank Bankia, die 2011 Milliardenverluste gemacht hat. Die EU-Kommission fürchtet, dass Spanien seine Defizitziele verfehlen wird. Moody's senkt für 16 spanische Banken den Daumen, S&P stuft fünf Banken ab. Regierungschef Mariano Rajoy dementiert aber, dass die Finanzhäuser finanzielle Hilfe aus Europa benötigen. Dennoch haben beim IWF Diskussionen um einen Rettungsplan begonnen.

Platz 8: Juni 2012
Die Arbeitslosenquote im Mai ist leicht rückläufig. Während darüber verhandelt wird, ob das Geld aus dem Euro-Schutzschirm direkt an den spanischen Bankenrettungsfonds (Frob) gezahlt werden kann, stuft die Ratingagentur Fitch die Kreditwürdigkeit um drei Stufen von "A" auf "BBB" herab - Moody's senkt das Rating von "A3" auf "Baa3. Die Lage am Anleihenmarkt wird daraufhin immer prekärer - die Rendite im richtungsweisenden zehnjährigen Laufzeitbereich klettert auf den höchsten Stand seit Einführung des Euro. Spanien stellt offiziell einen Antrag auf Bankenhilfe an die Europartner. In Folge dessen verpasst Moody's 28 spanischen Banken einen Downgrade.

Platz 7: Juli 2012
Die Arbeitslosenquote hat im zweiten Quartal einen Rekordwert erreicht und stieg von 24,44 Prozent im Vorquartal auf 24,63 Prozent. Die Industrieproduktion sank im Jahresvergleich und kalenderbereinigt um 6,1 Prozent. Die Rendite am Anleihenmarkt steigt zwischenzeitlich wieder über sieben Prozent. König Juan Carlos und Kronprinz Felipe haben beschlossen, ihren Bruttojahresgehalt um 7,1 Prozent zu kürzen. Wegen ihrer großen Schuldenprobleme muss nach Valencia auch die autonome Region Murcia im Südosten des Landes Finanzhilfen in Madrid beantragen. Spanien rutscht tiefer in die Rezession.

Platz 6: August 2012
S&P lobt die Reformen und bestätigt Spanien-Rating - der Ausblick bleibt aber weiter 'negativ'. Das Land schließt einen möglichen neuen Antrag auf EU-Hilfen nicht aus. Die Industrieproduktion ist weiter eingebrochen. Nach der Ankündigung von Anleihenkäufen durch die EZB kommt das Land am Kapitalmarkt deutlich günstiger an Geld. Unterdessen bleiben die Touristen Spanien treu - Urlauberrekord. Statt 100 Milliarden will das Land nur 60 Milliarden Euro der EU-Hilfen für seine Banken abrufen. Die Region Katalonien bittet um Staatshilfe. Auch um einen Hilferuf Andalusiens gibt es Gerüchte.

Platz 5: September 2012
Spanien zieht offenbar Rettungspaket in Betracht, wenn damit keine zusätzlichen Auflagen verbunden sind. Der Umfang der "faulen Kredite" in den Bilanzen der spanischen Banken hat ein neues Rekordniveau erreicht. Die von der EU zugesagte Finanzhilfe zur Sanierung der spanischen Banken soll ausschließlich für die Rekapitalisierung der maroden Geldhäuser benutzt werden - eine Umwidmung der Mittel wird dementiert. In den Stresstestergebnissen wird für die Banken ein Kaptialbedarf von knapp 60 Milliarden Euro ermittelt - hauptsächlich für die verstaatlichte Bankia. Das Defizitziel 2012 ist erneut in Gefahr.

Platz 4: Oktober 2012
Das Ringen um einen möglichen Hilfsantrag Spaniens geht weiter - das Land lotet die Folgen einer solchen Aktion aus, hat bislang aber noch keine vollen EU-Hilfen beantragt. Spekulationen, nach denen man Garantien von der EZB fordert, wurden nicht bestätigt. S&P stuft das Land um zwei Stufen von "BBB+" auf "BBB-" ab. Auch die Bonität von spanischen Banken wird abgestuft. Unterdessen erreicht die Arbeitslosenquote bei über 25 Prozent ein Rekordhoch. Das Bruttoinlandsprodukt ist im dritten Quartal um 0,4 Prozent gesunken - im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 1,7 Prozent. Das Defizit 2012 wird voraussichtlich bei 7,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukt (BIP) liegen - das mit den europäischen Partnern vereinbarte Maximalziel von 6,3 Prozent würde damit deutlich verfehlt.

Platz 3: November 2012
Die spanische Arbeitslosenzahl steigt auf einen neuen Rekordwert. dennoch stellt der Ministerpräsident seinen Landsleuten schon für 2014 wieder bessere Zeiten und eine Senkung der in der Krise angehobenen Steuern in Aussicht - auch wenn die Industrieproduktion weiter sinkt. Während die Inflationsrate ansteigt, protestieren die Menschen mit Generalstreiks gegen die Sparpolitik. Das BIP sinkt weiter, der OECD sieht aber Fortschritte und nennt Spaniens Kampf gegen die Krise "vorbildlich". Bis zu 42,5 Milliarden Euro wird das Land als Bankenhilfe benötigen - die Hilfen sind aber von der EU an massive Forderungen wie Jobabbau gebunden. Der Einzelhandel bricht unterdessen weiter ein.

Platz 2: Dezember 2012
Spanien legt in Brüssel den formalen Antrag auf Bankenhilfe vor - Die maroden Banken des Landes erhalten aus dem Euro-Rettungsschirm Finanzspritzen von 39,5 Milliarden Euro. Die spanische Bad Bank nimmt ihre Tätigkeit auf. Unterdessen verschärft sich die Immobilienkrise weiter - die Häuserpreise bleiben im Sinkflug. Daneben hat die Verschuldung der öffentlichen Haushalte Spaniens im dritten Quartal einen neuen Rekordstand erreicht. Im Quartalsvergleich stieg die Gesamtverschuldung um 12,5 Milliarden auf 817,2 Milliarden Euro. Für die EU-Kommission sind Spanien und Zypern aus finanzieller Sicht die derzeit größten Sorgenkinder. Die "faulen Kredite" in den Bilanzen der spanischen Geldhäuser sind auf einen neuen Höchststand gestiegen. Der spanische Sparhaushalt wird vom Parlament verabschiedet.

Platz 1: Januar 2013
Nach der Krise des Finanzsystems soll die Kontrolle der Banken drastisch verschärft werden. Die spanische Staatsanwaltschaft leitet im Zusammenhang mit der Bankenkrise Ermittlungen bei der Madrider Zentralbank ein. Unterdessen blieb der Preisauftrieb im Dezember stabil bei 3,0 Prozent. Faule Kredite" bei Banken und Finanzinstituten haben bei 191,69 Milliarden Euro einen Rekordstand erreicht. Daneben hat das Land 2012 voraussichtlich mehr Schulden gemacht als mit der EU-Kommission vereinbart. Die Arbeitslosenzahl in Spanien ist auf einen neuen Rekordwert gestiegen - fast 6,0 Millionen Menschen ohne Job. Die Rezession verschärft sich: Im vierten Quartal ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 0,7 Prozent zum Vorquartal geschrumpft. Der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy und Parteifreunde seiner Partido Popular (PP) sollen massiv von einem System schwarzer Kassen profitiert haben. Die Zeitung El Pais berichtet, dass führende Mitglieder der Partei zwischen 1997 und 2008 regelmäßig Geld von versteckten Konten des Schatzmeisters Luis Barcenas erhalten haben. Die Partei trat den Vorwürfen entgegen.
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