Alzchem: US-Geschäft sorgt für zusätzliche Fantasie

09.07.26 09:15 Uhr

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Alzchem hat den Standort für seine erste Nitroguanidin-Produktion in den USA festgezurrt. Für Anleger stellt sich die Frage, ob dieser Schritt die zuletzt stark gelaufene Aktie weiter befeuern kann.

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Der Spezialchemiekonzern Alzchem hat sich entschieden. In Bushy Park im US-Bundesstaat South Carolina soll eine Produktionsanlage für Nitroguanidin entstehen, einen Grundstoff, der bei der Herstellung von Treibladungen für Munition eine zentrale Rolle spielt.

Vertrag als Absicherung

Abnehmer ist der amerikanische Markt, abgesichert über einen Vertrag mit der US-Regierung. Rund 150 Mio. Dollar will Alzchem investieren, wobei staatliche Fördermittel des Bundes sowie Unterstützung durch South Carolina und Berkeley County einen erheblichen Teil der Last tragen. Das Unternehmen geht also nicht allein ins Risiko, sondern lässt sich den Aufbau vom Kunden mitfinanzieren.

Deutschland bleibt das Herz der Wertschöpfung

Bemerkenswert ist die Arbeitsteilung, die Alzchem hier wählt. Die Vorprodukte werden weiterhin an den deutschen Standorten gefertigt, erst die Endstufe wandert über den Atlantik. Damit sichert der Konzern Beschäftigung und Wertschöpfung im Inland und bedient trotzdem die politisch gewünschte Forderung nach Produktion vor Ort im wichtigsten Verteidigungsmarkt der Welt. Der US-Aufbau folgt zudem unmittelbar auf die Erweiterung der Nitroguanidin-Kapazitäten in Deutschland, die gerade erst anläuft. Alzchem verlängert also eine Strategie, die sich bereits im Heimatmarkt bewährt hat.

Geduld ist gefragt

Für Anleger, die auf schnelle Umsatzeffekte hoffen, ist allerdings Geduld angebracht. Der Baubeginn ist erst für das Jahr 2027 vorgesehen, die Inbetriebnahme für 2029. Bis dahin stehen die Vertiefung der technischen Planung, regulatorische Genehmigungen und vor allem die Endverhandlung des Regierungsvertrages an. Solange dieser nicht unterschrieben ist, bleibt ein Rest an Ausführungsrisiko bestehen. Das Projekt zahlt somit auf die langfristige Wachstumsstory ein, nicht auf die nächsten Quartalszahlen.

Gute Ausgangslage

Die Ausgangslage stimmt jedenfalls. 2025 erwirtschaftete Alzchem einen Umsatz von 562,1 Mio. Euro und ein EBITDA von 116,5 Mio. Euro, eine für einen Spezialchemiekonzern beachtliche Marge. Neben dem Verteidigungsgeschäft trägt ein breites Portfolio von der Tierernährung über Pharmarohstoffe bis zu den margenstarken Kreatin-Produkten zu diesen Zahlen bei. Die Rüstungsfantasie ist also nicht das einzige Standbein, aber derzeit klar der kurstreibende Faktor.

Die Aktie hat schon geliefert

Das zeigt sich am Kurs. Der SDAX-Wert notiert zuletzt bei etwa 165 Euro und liegt damit deutlich über dem Vorjahresniveau, allerdings auch spürbar unter dem im Frühsommer markierten Rekordhoch nahe 200 Euro. Ein Teil der Wachstumsfantasie ist demnach bereits verarbeitet. Analysten sehen im Schnitt weiterhin moderates Potenzial, die Meinungen gehen jedoch weit auseinander.

Fazit

Grundsätzlich gilt: Alzchem hat sich vor allem mit seiner Nitroguanidin-Produktion einen echten Burggraben geschaffen, der von möglicher Konkurrenz so schnell nicht überwunden werden kann. Mit dem Schritt nach Amerika internationalisiert Alzchem nicht nur seine Produktion, sondern auch Absatzoptionen und schafft damit entsprechende Wachstumsperspektiven. Die jüngste Korrektur, soweit sie noch über der Unterstützungszone bei rund 160 Euro bleibt, liefert damit eher einen Impuls für neue Käufe.

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Erstellung am 08.07.26 um 15:18 Uhr.

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