EZB-Direktor Panetta sieht Lohnentwicklung als Risiko
Von Andreas Plecko
FRANKFURT (Dow Jones)--EZB-Direktor Fabio Panetta sieht die Lohnentwicklung als ein Risiko für die Inflation in der Eurozone. Einer der Faktoren, welcher die Inflationsprojektionen der Europäischen Zentralbank (EZB) nach oben getrieben habe, sei das Lohnwachstum gewesen, sagte Panetta bei einer Rede in London. "Die Löhne sind nach wie vor ein Grund für ein Aufwärtsrisiko. In den sieben Ländern, die von der Lohnstatistik der EZB erfasst werden, deuten die jüngsten Tarifabschlüsse auf einen steigenden Lohndruck hin, auch wenn sie mit den Projektionen vom Dezember übereinstimmen."
Bisher gebe es jedoch keine zwingenden Anzeichen dafür, dass sich die Inflationserwartungen entankerten, was eine notwendige Voraussetzung dafür sei, dass eine Lohnspirale in Gang kommt. Die Umfragen deuteten darauf hin, dass die Verbraucher mittelfristig eine moderate Inflation erwarten, sagte Panetta. Und die längerfristigen Inflationserwartungen blieben fest verankert.
Der Energieschock durch den Ukraine-Krieg sei mit der Öffnung der Wirtschaft nach der Pandemie zusammengefallen und habe zu einer anhaltend hohen Inflation in der Eurozone geführt. Darauf habe die EZB mit einer Straffung der Geldpolitik reagiert. Da sich die Leitzinsen jedoch immer stärker in den restriktiven Bereich bewegten und der Energieschock nachlasse, seien die Risiken für die Inflationsaussichten nun ausgewogener.
Zugleich seien die Aussichten für die Wirtschaft und die Inflation sowohl weltweit als auch im Euroraum zunehmend unsicherer geworden. "In diesem Umfeld müssen wir die Aufwärtsrisiken nicht mehr übergewichten, um Worst-Case-Szenarien zu vermeiden", sagte Panetta. "Wir müssen jetzt sowohl das Risiko einer Überstraffung als auch das Risiko, zu wenig zu tun, in Betracht ziehen."
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February 16, 2023 04:38 ET (09:38 GMT)