Der zweite Streich
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Noch zu Jahresbeginn galt der Senkungszyklus der EZB als beendet, mit Anhebungen rechnete kaum jemand. Am Donnerstag hob sie aber bereits zum zweiten Mal innerhalb von gut drei Monaten die Zinsen an, ausgelöst durch einen Energiepreisschock als Folge des Kriegs im Nahen Osten. Selbst in der Fed wird – zum Unmut von US-Präsident Trump – über eine Straffung der Geldpolitik nachgedacht. Zuletzt votierten dort drei Mitglieder des Boards für eine Zinsanhebung.
Beweglichkeit als Position
Uneins sind sich auch die Ökonomen und Finanzmärkte: Während die einen von einem einmaligen Schritt ausgehen, preisen andere bereits die nächsten Erhöhungen ein. Wenn nicht einmal die Notenbanker einer Meinung sind, wird Vorhersehbarkeit zur Illusion und Flexibilität zum eigentlichen Vorteil. Mit einer Vorgehensweise, die nicht auf ein einzelnes Zinsszenario setzt, sondern auf veränderte Bedingungen rasch reagiert, kommt man in solchen Phasen weiter als mit der besten Prognose.
Gegen den Strom
… zu schwimmen, erfordert Mut – Johannes Schildgen hat daraus ein System gemacht. Sein wikifolio Antizyklisch und Diversifiziert folgt einer einfachen Regel: Gekauft wird bei fallenden Kursen, verkauft bei steigenden. Mindestens zehn Wertpapiere, bevorzugt von bekannten Weltunternehmen, sorgen dabei für Streuung. Stand heute ist die Diversifikation mit 72 Einzelwerten weit übererfüllt. Ganz vorne rangieren US-Flaggschiffe wie Alphabet A, Tesla, Apple, Visa und Mastercard. Sogar der eine oder andere Spontanzukauf ist bei 11,7 % Cash jederzeit möglich. Je nach individueller Entwicklung variiert die Haltedauer zwischen wenigen Stunden und mehreren Jahren. Anstatt Positionen schlagartig zu räumen, nimmt Schildgen Gewinne grundsätzlich durch Teilverkäufe mit. So kann er mit den verbliebenen Aktien von weiteren Kurssteigerungen profitieren. Ein Portfolio, das nie ganz aussteigt, braucht auch keinen expliziten Wiedereinstiegszeitpunkt. Sehr viel mehr verrät die Handelsidee nicht. Was im März 2013 begann, hat sich zu einem Gesamtplus von +270 % entwickelt, bei einer durchschnittlichen Jahresperformance von stabilen +10,2 %.
Fifty Fifty
Uwe Jaennert kombiniert in seinem wikifolio BaumbergMomentum gezielte Recherche mit einem Gespür für Kursdynamik. Er sucht Unternehmen, die mit neuen Aufträgen, Kooperationen oder starken Zahlen überzeugen. Hinzu kommen Titel mit positivem Newsflow oder aussichtsreichem Chartbild. Seine Informationsbasis ist dabei ungewöhnlich breit: dazu gehören Börsen-Zeitung, Nebenwerte-Journal, Onlineportale wie wallstreet:online, Besuche von Hauptversammlungen und der direkte Austausch mit erfahrenen Kapitalmarktteilnehmern. Vorwiegend wird kurzfristig gehandelt. Entwickelt sich ein klarer Trend, bleibt Jaennert auch länger investiert. Für einen Momentum-Ansatz läuft das wikifolio überraschend ruhig. Die Jahresvolatilität von gut 16 % spiegelt sich auch im Merkmal Low Beta. Ebenso bemerkenswert ist die aktuelle Aufteilung: knapp 50 % Cash, der Rest in nur neun Positionen, darunter Deutz, 2G Energy, FACC, Klöckner & Co sowie Scout24. Mit prall gefüllter Kriegskasse ist Jaennert für jede Richtungsänderung gewappnet. Seit Juni 2017 steht ein Wertzuwachs von +235 % auf der Uhr, getragen von einer durchschnittlichen Jahresrendite von sehr ordentlichen +13,9 %.
Eine Handvoll Ideen
Schlank aufgebaut ist das wikifolio 5 Sektoren Diversifikation: Felix Wilsmann stützt es auf fünf Investmentthesen, die er aus makroökonomischen Überlegungen – Konjunkturzyklus, Geldpolitik, Geopolitik – sowie Sektoranalysen zu Angebot, Nachfrage und Kennzahlen wie Cashflow oder KBV ableitet. Jede These wird grundsätzlich gleich gewichtet, kann aber je nach Risikoeinschätzung oder Kursentwicklung ab- oder aufgewertet werden. Dahinter können mehrere Positionen derselben Branche stehen. Das Instrumentarium ist breit: Aktien, ETFs, Anlagezertifikate und ETCs, ergänzt durch Short-ETFs oder vollständigen Cash-Rückzug, wenn die Marktlage es nahelegt. Der Anlagehorizont ist kurz- bis mittelfristig. Fünf voneinander unabhängige Annahmen lassen sich einzeln korrigieren, ein Makroszenario nicht. Auch Wilsmann begnügt sich mit „nur“ acht Einzelaktien, die nicht einmal 33 % des wikifolios ausmachen. Vertreten sind Sasol, SM Energy, SAIPEM, Tidewater und SLB (vormals Schlumberger). Den größeren Block bilden drei Exchange Traded Products auf Bitcoin, physisches Silber und Uran-Miners mit 39,3 %. Aktuell liegt der Schwerpunkt damit klar auf Energie und Rohstoffen. Seine Cash-Quote beläuft sich auf über 20 %. Das wikifolio bringt es seit Auflegung im August 2020 auf außergewöhnlich starke +35,0 % pro Jahr und erreicht insgesamt ein Plus von 514 %.
Was kommt? Nach einem ruhigen Montag startet hierzulande die kommende Berichtswoche am Dienstag mit den ZEW-Umfragen zur aktuellen Lage und zu den Konjunkturerwartungen. In den USA steht der Empire-State-Index der New York Fed auf der Tagesordnung. Am Mittwoch richten sich alle Augen auf die Fed und die Frage, ob sie mit der EZB nachzieht. Auch die Bank of England entscheidet über die Zinsen – am Donnerstag. Zusätzlich wird der harmonisierte Kern-Verbraucherpreisindex für die Eurozone veröffentlicht. Abschließend folgt am Freitag die US-Industrieproduktion.
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Andreas Kern sammelte über zehn Jahre Erfahrung in der Finanz- und Payment-Branche, studierte Mathematik und Informatik, absolvierte einen Master in Innovationsmanagement und ist ausgebildeter Börsenhändler. Sein Ziel: Als Gründer und CEO von wikifolio eine echte Alternative für Anleger schaffen. Hier könnt ihr Andreas auf LinkedIn Folgen.
wikifolio Unternehmensprofil
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Bildquellen: Wikifolio