DRAM-Produzent

China-Tech nach dem CXMT-Beben: Comeback oder Strohfeuer?

05.08.26 11:40 Uhr

China-Tech nach dem CXMT-Beben: Comeback oder Strohfeuer? | finanzen.net

Es war der spektakulärste Börsengang Asiens in diesem Jahr: Der Speicherchip-Hersteller CXMT, früher als ChangXin Memory Technologies bekannt, sprang bei seinem Debüt am 27. Juli in Shanghai um 466 Prozent nach oben, die Marktkapitalisierung kletterte auf umgerechnet rund 488 Mrd. Dollar.

Damit verdrängte der Chip-Konzern die Industrial and Commercial Bank of China vom Thron des wertvollsten festlandchinesischen Unternehmens. CXMT ist der viertgrößte DRAM-Produzent der Welt.

Der Börsengang ist mehr als eine Einzelgeschichte, er steht für Chinas große Ambition, technologisch zum Westen aufzuschließen und sich von westlicher Hochtechnologie unabhängig zu machen. Seit Jahren verschärfen die USA und ihre Verbündeten die Exportkontrollen für Chips und Fertigungsanlagen, Peking antwortet mit einem Kraftakt aus Staatskapital. Der sogenannte Big Fund pumpt Milliarden in heimische Zulieferer, und die Fortschritte sind sichtbar. Zugleich stützt der Staat den Aktienmarkt direkt: Nach Angaben von Bloomberg Economics griffen staatsnahe Fonds zuletzt breit ein, um den Techsektor zu stabilisieren.

Doch der Rummel hat zwei Seiten. Bei CXMT waren nur knapp 6.7 Prozent des Kapitals frei handelbar, der schmale Streubesitz verstärkt die Kursausschläge, und Fondsmanager warnen offen vor Spekulation. Wer nicht in Einzeltitel investieren kann oder will, findet über ETFs einen breiter gestreuten Zugang. Drei Bausteine mit unterschiedlichem Zuschnitt stellen wir vor, von der Gesamtmarkt-Referenz bis zum engen Fokus auf den festlandchinesischen Techsektor.

Den Einstieg bildet der Xtrackers CSI 300 Swap UCITS ETF 1C (ISIN LU0779800910 / WKN DBX0M2). Er bezieht sich auf die 300 größten und liquidesten A-Aktien der Börsen Shanghai und Shenzhen und ist damit die breiteste Referenz für Festlandchina. Mit einem Fondsvolumen von 1.643 Mio. Euro ist er der größte CSI-300-Fonds am Markt, die Gesamtkostenquote liegt bei 0,50 Prozent pro Jahr, die Erträge werden thesauriert. Anders als die beiden folgenden Bausteine bildet dieser ETF den Index nicht physisch, sondern synthetisch über Swap-Geschäfte nach, was ein zusätzliches Kontrahentenrisiko mit sich bringt.

Enger am Techthema liegt der UBS Solactive China Technology UCITS ETF USD acc (ISIN LU2265794276 / WKN A2QJ9G). Der Fonds versammelt die 100 größten technologiegetriebenen Konzerne Chinas, von Cloud Computing über Medizintechnik bis zu digitalem Entertainment. Angeführt wird das aus 91 Titeln bestehende Portfolio von Alibaba (9,9 Prozent), Tencent (8,4 Prozent) und Xiaomi (7,9 Prozent). Bei einem Volumen von 223 Mio. Euro kostet der physisch replizierende Fonds 0,47 Prozent jährlich. Die jüngere Bilanz zeigt allerdings die Kehrseite des Sektors: Auf Eurobasis verlor der ETF seit Jahresbeginn knapp 11 Prozent, auch über zwölf Monate steht ein Minus in ähnlicher Größenordnung.

Am dichtesten am CXMT-Motiv rangiert der KraneShares ICBCUBS China Technology & Semiconductor STAR 50 Index UCITS ETF USD (ISIN IE00BKPJY434 / WKN A3CU6C). Er bildet die 50 größten Werte des Shanghaier STAR Market ab, jenes Segments, an dem Peking seine Halbleiter- und Innovationschampions bündelt. Technologie macht rund 57 Prozent aus, an der Spitze stehen der KI-Chipentwickler Cambricon (14,7 Prozent) und der Analogchip-Spezialist Montage Technology (10,3 Prozent). Mit nur 28 Mio. Euro ist der Fonds klein, und die Gesamtkostenquote von 0,82 Prozent zählt zu den höchsten im Vergleich. Dafür lieferte er zuletzt die stärkste Dynamik: ein Plus von rund 61 Prozent binnen Jahresfrist.

Fazit: Chinas Aufholjagd bei Chips und KI wird vom Staat massiv unterstützt. Für Anlegerinnen und Anleger heißt das aber nicht, blind auf den CXMT-Zug aufzuspringen. Wer das Thema breiter abbilden will, kann die drei ETFs als Bausteine mit steigendem Risiko kombinieren: den breiten CSI 300 als Onshore-Basis, den UBS-Techfonds als Verstärker, den STAR-50-Baustein als spekulative Beimischung. Kursschwankungen von 30 Prozent und mehr sind einzuplanen. Wer diese Nerven nicht hat, wartet einen ruhigeren Einstieg ab.

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