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02.12.2018 01:00
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Brasilien: Die beiden Manager des Rechtsrucks

Euro am Sonntag-Ausland: Brasilien: Die beiden Manager des Rechtsrucks | Nachricht | finanzen.net
Designierter Präsidenten Jair Bolsonaro
Euro am Sonntag-Ausland
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Mit der Machtübernahme durch den neuen Präsidenten Jair Bolsonaro dürfte es am Zuckerhut politisch und wirtschaftlich große Umwälzungen geben.
€uro am Sonntag
von Emmeran Eder, Euro am Sonntag

Augusto Pinochet würde sich freuen. Die Wirtschaftspolitik des toten chilenischen Diktators feiert offenbar bald ein Comeback. Aber nicht in Chile, sondern im größten Land Südamerikas, Brasilien. Dort wird der neue rechtsextreme und demokratiefeindliche Präsident Jair Bolsonaro wahrscheinlich den Banker Paulo Guedes zum Wirtschafts- und Finanzminister ernennen.


Dessen Vorbild ist die sehr liberale Wirtschaftspolitik unter Pinochet, dessen Wirtschaftsberater vorwiegend in Chicago studiert und dort teilweise auch Lehraufträge hatten. Daher wurden sie die "Chicago Boys" genannt. Ihr Vordenker war der US-Ökonomieprofessor Milton Friedman, dessen Credo es war, dass der Einfluss des Staates auf die Wirtschaft so gering wie möglich sein solle. Auch Guedes hat in Chicago promoviert. Einige seiner Studienfreunde berieten Pinochet. Daher ist unter ihm mit einer hochgradig liberalen Wirtschaftspolitik zu rechnen.


Der Chef einer großen Vermögensverwaltung verspricht Privatisierungen im großen Stil, Steuersenkungen, Entbürokratisierung, Ausradierung der Korruption und wenig Staat. So sagte er etwa, er könne sich Privatisierungen von Schulen und Gefängnissen vorstellen. Das komplizierte Steuersystem des Landes möchte er mit einer einheitlichen Einkommen- und Unternehmensteuer von 20 Prozent lichten. Als sein wichtigstes Vorhaben sieht er die Reform der per Umlage finanzierten auf eine kapitalgedeckte Rente.

Zudem möchte er das Rentenalter anheben, das am Zuckerhut ungewöhnlich niedrig ist. Da Bolsonaro zugibt, dass er wenig Ahnung von Ökonomie hat und sich auf seine Berater verlassen muss, könnte Guedes viel Einfluss auf die Politik der neuen Regierung nehmen. Die Märkte bejubeln das. So schrieb die Deutsche Bank im Wahlkampf, Bolsonaro sei der "Wunschkandidat der Märkte".


"Wir werden nun im Geiste des Thatcherismus regiert", kommentierte der bekannte Journalist Vinicius Mota in der regierungskritischen liberalen Zeitung "Folha". Die Aktionäre sehen das offenbar ähnlich. Seitdem sich Mitte September in den Umfragen ein Sieg Bolsonaros ankündigte, kletterte der brasilianische Aktienindex Bovespa um 17 Prozent auf 87.600 Punkte, nahe ans Allzeithoch. Auch die vorher nach unten geprügelte Landeswährung Real legte gegenüber dem US-Dollar und dem Euro kräftig zu.

Die Vorfreude könnte aber verfrüht sein. Wer sich das geplante Kabinett von Bolsonaro anschaut, kann unschwer erkennen, dass die Militärs eine dominierende Rolle spielen. Mehrere Ministerposten sind mit noch aktiven oder früheren Offizieren besetzt. Designierter Vizepräsident ist General Antonio Hamilton Mourão, der ebenso wie Bolsonaro die frühere Militärdiktatur verherrlicht. Die mächtige Armeelobby hat den staatlichen Dirigismus aber stets verteidigt. Das geplante Vorhaben von Guedes, den Ölkonzern Petrobras zu privatisieren, hat jedenfalls schon einmal das Missfallen der Generäle erregt.

Marionette des Militärs?

Deren wachsender Einfluss ist auch daraus zu ersehen, dass der Präsident des obersten Bundesgerichts einen General zu seinem wichtigsten Berater berufen hat. Es gibt daher nicht wenige politische Beobachter im größten Staat Südamerikas, die in Bolsonaro nur eine Marionette des Militärs sehen. Das ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Schon einige gewählte Präsidenten wurden am Zuckerhut vor dem Ende ihrer Amtszeit abgesetzt. Dann würde der Vizepräsident die Macht übernehmen.

Auch mit der avisierten Privatisierung der Staatsbank Banco do Brasil dürfte es nichts werden, da die Agrarlobby, die Bolsonaro im Wahlkampf massiv unterstützt hat, von deren günstigen Krediten profitiert.

Auch andere Gesetzesvorhaben durchzubringen, dürfte für Bolsonaro und Guedes kein Kinderspiel werden. Sitzen doch 30 Parteien im zersplitterten Parlament. Bolsonaros Partei hat nur einen Anteil von zehn Prozent der Mandate. Um andere Parteien auf seine Seite zu ziehen, wird es nicht reichen, nur gut zu verhandeln. Die Währung des Präsidenten sind somit Posten und Pfründe. Von dem angekündigten Kampf gegen die Korruption dürfte also nicht viel übrig bleiben.

Ändern wird sich aber trotzdem viel. Einig ist sich die Allianz aus Militärs, christlichen Evangelisten, Agrarfarmern und reichen Unternehmern, die den Siegeszug Bolsonaros ermöglicht haben, nämlich in ihrem Hass auf die lange regierende Arbeiterpartei und deren Umverteilungspolitik. Die kam zwar neben der Mittel- und Unterschicht auch den Vermögenden zugute, da die Wirtschaft unter den Präsidenten Lula da Silva und Dilma Rousseff lange boomte - trotzdem lehnten sie diese vorwiegend aus ideologischen Gründen stets ab.

Rigide Sparpolitik zu erwarten

Daher ist es ziemlich wahrscheinlich, dass mit einer rigiden Sparpolitik und umfangreichen Kürzungen von Sozialleistungen zu rechnen ist, um den Staatshaushalt zu sanieren. Da das Haushaltsdefizit bei rund acht Prozent liegt und die Staatsverschuldung gegen 90 Prozent des BIP tendiert, kann die Regierung unangenehme Maßnahmen kaum umgehen. Das gilt auch für die Reform der Rentenversicherung. Männer am Zuckerhut gehen mit 55 Jahren in Ruhestand, Frauen sogar noch früher. Die Pensionen öffentlich Bediensteter sind hoch. Das System ist daher kaum noch finanzierbar und nicht nachhaltig.

Auch die Steuern sollten gesenkt werden - schon deshalb, weil Bolsonaro ­gegenüber seiner Klientel, die ihn bei der Wahl protegiert hat, in der Pflicht steht. Ähnlich sieht es mit den Agrarbaronen bezüglich der Umweltauflagen aus. Diese dürften aufgeweicht werden, ebenso wie die Ausgaben für Natur- und Klimaschutz.

Egal, wie man zu einer solchen Politik unter moralischen Aspekten steht, die Bonität brasilianischer Anleihen und die Landesdevise Real werden wohl weiter davon profitieren. "Die Anleger sind über den Reformstau in dem Land schon seit Jahren genervt. Brasilianische Bonds weisen gegenüber anderen Emerging-Markets-Anleihen zwar attraktive Renditen auf. Sie könnten aber nur dann ein Eigenleben entwickeln und sich dem schwachen globalen Gesamtmarkt widersetzen, wenn die neue Regierung eine Reformagenda umsetzt", sagt Gerhard Heinrich, Schwellenländerprofi beim Researchhaus Emerging Markets Trader. Mit einem Bonds-Fonds und einer Real-Anleihe partizipieren risikobereite Anleger.

Investor-Info

HSBC GIF Brazil Bond
Anleihen im Paket

Der Fonds investiert in Anleihen des brasilianischen Staats sowie in Bonds von Unternehmen des Landes mit und ohne Investment Grade. Sowohl Real- als auch Hartwährungsbonds sind enthalten. Auf Sicht von drei Jahren hat er sich etwas schlechter als der Vergleichs­index JP Morgan Global Brazil Bonds ent­wickelt. Die Schwankungen sind sehr hoch.

EIB-Real-Anleihe
Hohe Rendite, hohes Risiko

Die bis Juni 2021 laufende Anleihe, die auf brasilianische Real lautet, wurde von der ­Europäischen Investitionsbank (EIB) emittiert und hat ein "AAA"-Rating von S & P. Der Nominalzins beträgt 7,25 Prozent, die Rendite sieben Prozent. Mindestanlagesumme: 5.000 Real. Der Spread liegt bei knapp einem Prozent. Anleger tragen ein Währungsrisiko, können aber auch hohe Devisengewinne erzielen.






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Bildquellen: Família Bolsonaro, Filipe Frazao / Shutterstock.com

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