finanzen.net
20.01.2018 12:00
Bewerten
(1)

Ökonomen-Barometer: Das Phantom Inflation

Euro am Sonntag-Exklusiv: Ökonomen-Barometer: Das Phantom Inflation | Nachricht | finanzen.net
Euro am Sonntag-Exklusiv
DRUCKEN
Volkswirte sehen die Wirtschaft im Aufwind. Um die Berechnung und Aussagekraft der Inflationsrate streiten sie aber.
€uro am Sonntag
von Wolfgang Ehrensberger, €uro am Sonntag

Die deutsche Wirtschaft bleibt auch im neuen Jahr auf ihrem seit 2016 ungebrochen positiven Wachstumspfad. Das Ökonomen-Barometer von €uro am Sonntag und dem Nachrichtensender n-tv kletterte im ­Januar auf einen absoluten Höchststand von 77,2 Punkten. Das ist der beste Wert für die Einschätzung der aktuellen wirtschaftlichen Lage seit Start des Barometers Ende 2006. Die Prognose für die wirtschaftliche Entwicklung in den kommenden zwölf Monaten verbesserte sich gegenüber dem Vormonat um drei Prozent auf 86,2 Punkte, blieb damit aber noch unter ihrem Höchststand von November 2017 von 87,7 Punkten.


Beschleunigter Preisanstieg
Die Ökonomen haben sich in der Januar-Umfrage mit der Inflation in Deutschland und Europa befasst, insbesondere mit ihrer Messung. So hat das Statistische Bundesamt jetzt vorab veröffentlichte Schätzungen bestätigt, wonach die Inflationsrate in Deutschland 2017 bei durchschnittlich 1,8 Prozent lag. Das ist der höchste Wert seit fünf Jahren.


In der Eurozone lag dieser Wert 2017 bei 1,6 Prozent. Er ist aber immer noch deutlich vom Zielwert von knapp zwei Prozent entfernt, den die Europäische Zentralbank anstrebt.

Manchen Kritikern erscheinen die ausgewiesenen Inflationsraten allerdings grundsätzlich verzerrt oder zu niedrig. So spiegle sich darin beispielsweise nicht der starke Preisanstieg insbesondere bei Wohnimmobilien wider, heißt es. Auch der immer stärker wachsende Onlinehandel mit seinen ständig variierenden Preisen, so ein weiteres Argument der Kritiker, werde in den offiziellen Statistiken kaum berücksichtigt.


Die Statistikämter berechnen die Entwicklung des Preisniveaus anhand von standardisierten Verbrauchsgewohnheiten. So legt das Statistische Bundesamt einen Warenkorb von 600 Gütern und Dienstleistungen zugrunde, die die durchschnittlichen Konsumgewohnheiten der Deutschen widerspiegeln sollen.

Immerhin 38 Prozent der im Ökonomen-Barometer befragten Volkswirte halten dieses Berechnungsmodell für grundsätzlich sinnvoll. 54 Prozent halten es aber für erforderlich, dass die Berechnung überarbeitet wird. Vier Prozent sehen die ­Methode grundsätzlich problematisch. Ähnlich kritisch stehen die Ökonomen den europäischen Inflationsraten gegenüber, die vom Statistikamt ­Eurostat veröffentlicht werden (siehe Grafik).

Aktienkurse berücksichtigen
"Die Zentralbanken sollten nicht mehr nur die Güterpreis­inflation bei ihren Zinsentscheidungen berücksichtigen, sondern auch die Sachwertinflation wie Immobilienpreise, aber auch die Entwicklung der Aktienkurse", fordert Horst Löchel von der Frankfurt School.

Ähnlich sieht es Juergen B. Donges von der Uni Köln. "Menschen verwenden ihr Einkommen nicht nur zum Kauf von Gütern und Dienstleistungen, sondern zum Erwerb von Immobilien, Aktien und Anleihen. Dies bleibt in der amtlichen deutschen und europäischen Inflationsstatistik außen vor." Donges verweist auf den vom Flossbach von Storch Research Institute berechneten Vermögenspreisindex. "Danach ist die tatsächliche Inflationsrate um einige Prozentpunkte höher als die offizielle", sagt Donges und empfiehlt eine ­Anpassung.

Klar gegen eine Neudefinition der Rate ist ZEW-Mannheim- Experte Friedrich Heinemann. "Jede Neudefinition kostet geldpolitische Glaubwürdigkeit", sagt er. Häufige Variationen des Maßstabs öffneten Tür und Tor für Manipulationen. "Es gibt viele Gründe zur Kritik an der fast starrsinnig expansiven EZB-Geldpolitk. Die Inflationsdefinition gehört aber kaum dazu."
Bildquellen: MichaelJayBerlin / Shutterstock.com, Pincasso / Shutterstock.com
Anzeige
Anzeige
Börse Stuttgart Anlegerclub

Fünf deutsche Internet-Aktien, die Sie kennen sollten!

Das Gute liegt oft so nah. Heimische Internet-Unternehmen rollen den Markt auf. Im neuen Anlegermagazin erwartet Sie ein Special über deutsche Internet-Aktien, die Sie kennen sollten.
Kostenfrei registrieren und lesen!

Heute im Fokus

DAX schließt mit Gewinnen -- Dow im Plus -- Zalando veröffentlicht Umsatz- und Gewinnwarnung -- Trump verhängt neue Milliardenzölle -- Tesla, Lufthansa, OSRAM, Nestlé, Oracle, FedEx im Fokus

Springer-Chef kommt in Netflix-Verwaltungsrat. HUGO BOSS-Aktien fallen nach Zalando-Warnung auf neues Tief. Patentstreit von Apple und Qualcomm geht in Deutschland weiter. EU-Kommission geht Kartellverdacht bei BMW, Daimler und VW-Konzern nach. Handelsstreit erschwert Ausblick auf Bayer-Agrargeschäft.

Umfrage

Die Parteien in Deutschland streiten sich um einen möglichen Militäreinsatz in Syrien. Was halten Sie davon?

Online Brokerage über finanzen.net

Das Beste aus zwei Welten: Handeln Sie für nur 5 Euro Orderprovision* pro Trade unmittelbar aus der Informationswelt von finanzen.net!
Zur klassischen Ansicht wechseln
Kontakt - Impressum - Werben - Pressemehr anzeigen
Top News
Beliebte Suchen
DAX 30
Öl
Euro US-Dollar
Bitcoin
Goldpreis
Meistgesucht
Apple Inc.865985
TeslaA1CX3T
Facebook Inc.A1JWVX
TwitterA1W6XZ
Netflix Inc.552484
Alphabet A (ex Google)A14Y6F
Intel Corp.855681
GoProA1XE7G
Aurora Cannabis IncA12GS7
Deutsche Bank AG514000
Amazon906866
Steinhoff International N.V.A14XB9
EVOTEC AG566480
Volkswagen (VW) AG Vz.766403
Daimler AG710000