Nichts konkretes

Klimawandel: Menschen haben einen Einfluss

30.12.13 17:00 Uhr

Die UN-Klimakonferenz in Warschau hat kaum Ergebnisse gebracht. Der größte Erfolg der quälend langen Verhandlungen besteht wohl darin, dass man sich auf vage finanzielle Zusagen verständigt hat.

€uro am Sonntag

von Sven Plöger, Gastautor von Euro am Sonntag

Anfang November schlägt mit "Haiyan" der viertstärkste jemals gemessene Taifun auf den Philippinen zu, und die Bilder, die wir danach mit Entsetzen über die Bildschirme flimmern sahen, unterscheiden sich kaum von denen der Tsunami-Katastrophe im Indischen Ozean Weihnachten 2004. Windspitzen von über 300 Kilometern pro Stunde wurden gemessen, und weil der Winddruck quadratisch wächst, entstanden unglaubliche Kräfte - neun- bis zehnmal größer als die bei einem schweren Sturm mit Böen von 100 Kilometern pro Stunde. Wenige Tage später - und damit ungewöhnlich spät im Jahr - verwüsten fast 70 Tornados viele Ortschaften im Westen der USA.

Gleichzeitig findet im Kohleland Polen die 19. UN-Klimakonferenz statt. Seit der Aufbruchstimmung in Rio de Janeiro 1992 haben die weltweiten Kohlendioxidemissionen bis heute um 53 Prozent zugenommen. Da hilft alles Schönreden nichts, wir sind unbeschreiblich weit an allen Zielen vorbei­geschlittert! Und nun die 19. Konferenz zum Thema: Japan erklärt, es müsse "wegen Fukushima" komplett auf sein Klimaziel (25 Prozent CO2-Reduktion 2020 gegenüber 1990) verzichten. Australien schafft mit dem Regierungswechsel die Klimagesetze wieder ab, und - um mit Facebook zu sprechen - Kanada "gefällt das". Deutschland hat es beim Klimaschutz im jährlichen Ranking (Klimaschutz-Index 2014) übrigens erstmals "geschafft", aus den Top Ten zu fliegen, und ist gleich auf Platz 19 durchgerauscht.

Klar, ich polarisiere: Erst habe ich auf die schrecklichen Unwetter hingewiesen und gleich darauf die Tatenlosigkeit der Weltgemeinschaft beklagt. Das wirkt: Entweder gehören Sie zu denen, die dem sofort zustimmen und sich fragen, was denn noch alles passieren muss, bis wir endlich reagieren. Oder Sie gehören zu denen, die abwinken: "Solche Unwetter haben in den vergangenen Jahren schließlich gar nicht zugenommen, und deshalb darf man einen solchen Zusammenhang nicht herstellen", werden Sie dann sagen. Mit obiger Darstellung habe ich also Menschen gewonnen und gleichzeitig andere verloren.

Deutschland kann doch ein bisschen die Welt retten
Man muss deshalb sehr aufpassen, wie man dieses Thema vermittelt. Derzeit ist eine Zunahme von Taifunen oder Tornados nicht belegbar, und das muss genau so gesagt werden! Aber diese Tatsache führt im Umkehrschluss ja nicht dazu, dass wir Menschen nicht mit dem Klimawandel in Verbindung zu bringen sind. Für die Zukunft lässt sich berechnen, dass eine Intensivierung (nicht unbedingt Häufung) solcher Stürme begründbar ist.

Und dann gibt es die vielen anderen sichtbaren Zeichen der Klimaänderung: In den vergangenen 15 Jahren traten Hitzerekorde in Deutschland doppelt so häufig auf wie in den 15 Jahren zuvor. 2013 wird global wieder zu den wärmsten Jahren überhaupt gehören, vor 2011 und 2012. Auch wenn sich das arktische Eis 2013 gegenüber 2012 wieder etwas erholt hat, was nach einem Extremwert auch wenig verwundert, so gibt es einen eindeutigen Trend zu weniger Eis in dieser Region, die auch für unser Wetter sehr bedeutend ist. Ebenso gibt es einen solchen Trend bei den Gletschern dieser Welt. Und: Es wäre sehr verwunderlich, wenn der Mensch überall seine Umwelt massiv verändert - denken Sie an Müllberge auf Land und im Meer oder an die Abholzung des Regenwaldes - und die Atmosphäre völlig unbeeinflusst bliebe. Nicht umsonst weist der fünfte Sachstandsbericht des Weltklimarats von September 2013 da­rauf hin, dass die Menschheit mit einer Wahrscheinlichkeit von 95 Prozent maßgeblich an den aktuellen Klimaänderungen beteiligt ist. Als Rheinländer verliere ich jedoch nicht die Hoffnung.

Konferenzteilnehmer berichteten abseits des medialen Mainstreams, wie brennend sich das Ausland für unsere Energiewende interessiert. Es gibt keinen Grund, hier zu verzagen, aber die Notwendigkeit, an wichtigen Stellschrauben wie etwa dem EEG zu drehen. Warum ist unser Hang so groß, die erworbene Vorreiterrolle wieder abzugeben und zu warten, bis andere sie übernehmen? China merkt - Stichwort Smog in Peking -, dass es seine Energieversorgung ändern muss, und stellt dafür immer mehr Geld zur Verfügung. Ein Kuchen, von dem auch die Exportnation Deutschland etwas abbekommen kann, wenn wir dranbleiben. Stellen Sie sich vor, China macht eine erfolgreiche deutsche Energiewende nach: Dann hätten wir tatsächlich ein bisschen die Welt gerettet. Denn nachmachen, das können die Chinesen!

Über den Autor

Sven Plöger
Diplom-Meterologe, Buchautor und TV-Wetter-Ansager
Sven Plöger, Jahrgang 1967, sagt seit 1999 in Funk und Fernsehen das Wetter voraus. Der ­Hobbypilot beteiligt sich intensiv an der Diskussion zu Klimawandel und Energiewende und hält regelmäßig Vorträge.
2011 erschien sein Buch "Gute Aussichten für Morgen". 2013 veröffentlichte er mit Frank Böttcher "Klimafakten".