Ökonomen-Stimmen zum deutschen Wirtschaftswachstum

30.01.26 12:15 Uhr

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die deutsche Wirtschaft geht mit etwas mehr Rückenwind ins laufende Jahr: Im Schlussquartal 2025 legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) zum Vorquartal etwas stärker zu als zunächst angenommen. 0,3 Prozent Plus ergaben neueste Berechnungen des Statistischen Bundesamtes. Vor allem die privaten und die staatlichen Konsumausgaben nahmen zu, wie die Statistiker erläuterten.

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Mit 0,2 Prozent Plus auf Jahressicht schrammte Deutschland knapp am dritten Jahr ohne Wirtschaftswachstum vorbei. In den Jahren 2023 (minus 0,9 Prozent) und 2024 (minus 0,5 Prozent) war Europas größte Volkswirtschaft in die Rezession gerutscht.

Einschätzungen von Ökonomen im Überblick:

Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank

"Mit 0,3 Prozent ist das deutsche Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal etwas stärker gewachsen, als die Statistiker vor zwei Wochen gemeldet hatten (0,2 Prozent). Damit hat sich die deutsche Wirtschaft aus der Rezession gelöst. Aber die Krise ist noch nicht vorbei. Die jüngste Schwäche des Ifo-Geschäftsklimas signalisiert für das erste Quartal nur wenig Wachstum. Das viele Geld der Bundesregierung dürfte kaum auf fruchtbaren Boden fallen, weil eine große Mehrheit der Unternehmen nicht an den lang ersehnten Neustart in der Wirtschaftspolitik glaubt. Wir erwarten für 2026 weiter nur ein Plus von 0,9 Prozent, wobei 0,3 Prozentpunkte auf die ungewöhnlich hohe Zahl an Arbeitstagen zurückgeht."

Marc Schattenberg, Analyst bei der Deutschen Bank

"Die Erstmeldung zum Wirtschaftswachstum im vierten Quartal 2025 überrascht mit 0,3 Prozent im Vorquartalsvergleich positiv. Dass der staatliche Konsum ein entscheidender Treiber war, ist wenig überraschend. Eine gute Nachricht ist, dass auch der private Verbrauch für einen positiven Impuls gesorgt hat. Das Anziehen der Konjunktur zum Jahresende 2025 bedeutet auch, dass die Wirtschaft mit einem positiven statistischen Überhang ins neue Jahr gestartet ist. Für 2026 halten wir ein Wirtschaftswachstum von bis zu 1,5 Prozent für möglich."

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Martin Moryson, Global Head of Economics, DWS

"Vor allem der Konsum, und zwar sowohl der staatliche als auch der private, haben zu dem guten Schlussquartal (+0,3 Prozent gegenüber Vorquartal) beigetragen. Auch wenn viele den staatlichen Konsum kritisch beäugen, darf nicht vergessen werden, dass viele Militärausgaben zum staatlichen Kollektivkonsum zählen. Aber auch unter den Lagerinvestitionen, die im vergangenen Jahr kräftig gestiegen sind, finden sich Munition und Waffen. Dass der private Konsum seine Schwächephase überwunden hat, ist erfreulich. Er wird sich im laufenden Jahr zwar nicht zum Treiber des Wachstums entwickeln, aber durchaus eine solide Basis bilden."

Ralf Umlauf, Analyst bei der Helaba

"Deutsche Wirtschaft wächst im Schlussquartal. Nach der Stagnation im dritten Quartal kann das deutsche BIP wieder zulegen. Die Konsensschätzung wurde dabei sogar leicht überschritten. Die Jahreswachstumsrate erhöhte sich damit im vierten Quartal auf +0,6 Prozent von +0,3 Prozent. Das jahresdurchschnittliche Wachstum liegt 2025 dann bei 0,2 Prozent. Größeren Einfluss auf die Zinserwartungen bezüglich der EZB dürften die Zahlen u.E. aber nicht entwickeln. Die EZB sieht sich bis auf Weiteres gut positioniert."

Jens-Oliver Niklasch, Volkswirt bei der LBBW

"Wer hätte das gedacht? Es gibt noch positive Überraschungen zur Konjunktur in Deutschland! Das Schlussquartal war nun sogar ein bisschen besser als gedacht. Das gibt etwas stärkeren statistischen Rückenwind für das laufende Jahr. Andererseits freut man sich eigentlich nur deswegen über diese Zahl, weil wir seit drei Jahren mehr oder weniger am Nullwachstum festkleben. Immerhin gibt es die begründete Hoffnung, dass sich das 2026 ändert. Das Ergebnis im vierten Quartal 2025 sollte aber nicht die Kirsche auf der Torte bleiben, sondern im Gegenteil ein Zeichen, jetzt aber nun wirklich mit den Reformen für dauerhaft mehr Wachstum zu beginnen."

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Robert Leonhardt, Volkswirt DZ Bank

"Wachstum im vierten Quartal macht Hoffnung auf weiteren BIP-Anstieg. Das vergangene Jahr endet besser als gedacht - die hiesige Wirtschaft hat von

Oktober bis Dezember um 0,3 Prozent zugelegt. Staatliche Konsumausgaben und die privaten Haushalte haben für positive Impulse gesorgt. Auch die Industrie dürfte das Ergebnis gestützt haben. Das ist zwar kein Paukenschlag, macht aber Hoffnung, dass es 2026 wirklich besser wird. Die Konjunkturpakete - vor allem für Infrastruktur und Verteidigung - sollten der Wirtschaft weiteren Rückenwind verleihen. Wir rechnen für dieses Jahr mit einem Wirtschaftswachstum in Höhe von einem Prozent. Trotzdem müssen grundlegende Strukturreformen viel schneller angegangen werden. Vor allem mit Blick auf den Sozialstaat und die bürokratischen Belastungen fehlt es in der Koalition weiterhin an Einigkeit, um etwas zu bewegen."/jsl/men