16.08.2014 08:00

Ökonomen-Barometer: Kaum Lichtblicke wegen Ukraine-Krise

Verhaltene Stimmung: Ökonomen-Barometer: Kaum Lichtblicke wegen Ukraine-Krise | Nachricht | finanzen.net
Verhaltene Stimmung
Folgen
Die führenden Volkswirte bleiben skeptisch. Als Fazit der Ukraine-Krise fordern sie, die Energieversorgung neu auszurichten.
Werbung
€uro am Sonntag
von Wolfgang Ehrensberger, Euro am Sonntag

Die führenden deutschen Volkswirte schätzen die wirtschaftliche Lage und vor allem die Perspektiven in Deutschland zunehmend skeptisch ein. Das Ökonomen-Barometer von €uro am Sonntag und dem Nachrichtensender n-tv sackte im August von 61,8 auf 54,9 Punkte ab - ein Rückgang um elf Prozent. Noch stärker gingen die Erwartungen für die kommenden Monate zurück. Mit 48,9 Punkten liegen sie um 15 Punkte oder fast 24 Prozent unter dem Juli-Wert.

Für konjunkturellen Gegenwind sorgt derzeit nicht nur die schwächelnde Eurozone, sondern auch die Ukraine-Krise. Als Folge des Konflikts hat die EU bereits ihre Sanktionen gegen Russland verschärft. Damit soll vor allem dem russischen Staat und staatsnahen Unternehmen der Zugang zum westlichen Kapitalmarkt erschwert werden. Die meisten Experten sind der Ansicht, dass diese verschärften EU-Sanktionen die deutsche Wirtschaft zunächst nur moderat beeinträchtigen werden. 81 Prozent der Befragten erwarten eine negative Auswirkung von weniger als 0,3 Prozentpunkten auf das Wirtschaftswachstum 2014. Gravierender als die eigentlichen Sanktionen sei der psychologische Effekt auf das Konsumenten- und Unternehmervertrauen bei einer Eskalation des Konflikts, so Ansgar Belke von der Uni Duisburg.

Neues Energiekonzept nötig
Auf die Frage nach der Wirksamkeit der Sanktionen sind die führenden Ökonomen gespalten. Die Hälfte der Befragten hält sie für ein geeignetes Mittel, um den russischen Präsidenten zum Einlenken im Ukraine-Konflikt zu bringen, die andere Hälfte nicht. Ulrich Blum von der Uni Halle-Wittenberg rechnet sogar damit, dass es Russland mit der Abwertung des Rubels möglich sein werde, neue Unter­nehmen im eigenen Land profitabel aufzubauen.

Schon eindeutiger fällt die Antwort auf die Frage aus, wie auf die Drohung Moskaus reagiert werden solle, die Gaspreise anzuheben. Zwei Drittel der Befragten empfehlen der Politik, die Situation zum Anlass zu nehmen, die Energieversorgung auf europäischer Ebene grundsätzlich neu zu regeln. Nur ein Fünftel der Befragten hält das für unnötig. Die meisten der Befürworter wie beispielsweise Friedrich Heinemann vom ZEW Mannheim oder Juergen B. Donges von der Uni Köln halten dies unabhängig vom Ukrai­ne-Konflikt ohnehin für dringend erforderlich.

Andere wie HWWI-Direktor Michael Bräuninger verweisen darauf, dass sich die Welt nur begrenzt unabhängig von russischer Energie machen könne. "Und die Energiewende in Deutschland läuft ohnehin mit einer Geschwindigkeit, die kaum zu bewältigen ist", so Bräuninger.

In diesem Zusammenhang wird von verschiedenen Umfrageteilnehmern wie etwa Friedrich Breyer (Uni Konstanz) oder Manfred J. M. Neumann (Uni Bonn) auch gefordert, das ein oder andere Kernkraftwerk länger laufen zu lassen oder wieder hochzufahren. "Dann wäre die Gaspreisdiskussion mit einem Schlag ­erledigt", so Neumann.

FIFA statt Russland als Bösewicht
Soll man Russland die Ausrichtung der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 entziehen, wie zuletzt etwa von CSU-Chef Horst Seehofer gefordert? Das halten zwei Drittel der Befragten für eine Schnapsidee. Tim Krieger von der Uni Freiburg richtet den Fokus in eine andere Richtung: "Die einzig interessante Frage in diesem Zusammenhang ist, ob man nicht endlich auf das fragwürdige Geschäftsgebaren des Fußballverbands FIFA reagieren sollte."

Bildquellen: S.Borinov / Shutterstock.com
Werbung
Werbung
Werbung
Werbung
Börse Stuttgart Anlegerclub
Werbung

Heute im Fokus

US-Börsen schließen im Plus -- DAX geht fester ins Wochenende -- Deutsche Wohnen-Zusammenschluss gescheitert -- Moderna mit Impfzulassung für Jugendliche -- Shop Apotheke, Snap im Fokus

American Express macht großen Gewinnsprung. Schweden lässt Einsatz von AstraZeneca-Impfstoff auslaufen. Pharma-Zulieferer Lonza stellt mehr Mitarbeiter ein. Deutsche Wirtschaft wächst im Juli sehr dynamisch. Vodafone steigert Umsatz dank Roaming-Erlösen. BMW stoppt wegen Chipmangel die Produktion in Leipzig. Nordex kooperiert mit Rotorblatthersteller TPI in Mexiko.

Die 5 beliebtesten Top-Rankings

Die umsatzstärksten Unternehmen der Welt
Welche Unternehmen erwirtschafteten den größten Jahresumsatz?
Die besten Börsentage aller Zeiten
Welche Indizes konnten die höchsten Zugewinne einfahren?
Rohstoffe: Die Gewinner und Verlierer im Juni 2021
Welcher Rohstoff macht das Rennen?
Die größten Börsen- und Finanzskandale
Die größten Betrüger, Zocker und Bilanzfälscher.
Das Top-Ranking der Fußballweltmeister
Welches Land schnitt bei den Weltmeisterschaften am besten ab?
mehr Top Rankings

Umfrage

Sind Sie an einem Investment in die Cannabis-Branche interessiert?

finanzen.net Brokerage
finanzen.net Zero

Oskar

ETF-Sparplan

Oskar ist der einfache und intelligente ETF-Sparplan. Er übernimmt die ETF-Auswahl, ist steuersmart, transparent und kostengünstig.
Zur klassischen Ansicht wechseln