Vermögensverwalter-Kolumne

KI-Washing - Es ist nicht alles Gold, was glänzt!

08.07.24 09:17 Uhr

KI-Washing - Es ist nicht alles Gold, was glänzt! | finanzen.net

Künstliche Intelligenz (KI) ist in aller Munde. Ob selbstfahrende Autos, medizinische Diagnostik oder Finanzprognosen - die Versprechen dieser disruptiven Technologie scheinen grenzenlos. Kein Wunder, dass Unternehmen weltweit auf den KI-Zug aufspringen wollen.

Doch wie so oft, wenn ein Hype entsteht, gibt es auch hier Trittbrettfahrer, die versuchen, Kapital aus dem Trend zu schlagen, ohne wirklich etwas zu bieten. In der Finanzwelt hat dieses Phänomen bereits einen Namen: KI-Washing.

KI-Washing, auch bekannt als "KI-Schwindel" oder "KI-Blendwerk", beschreibt eine Marketingstrategie, bei der Unternehmen fälschlicherweise behaupten oder übertreiben, dass ihre Produkte oder Dienstleistungen künstliche Intelligenz (KI) nutzen. Ähnlich wie beim Greenwashing wird der Begriff "KI" als Modewort missbraucht, um Kunden und Investoren anzulocken. Dabei werden oft die Fähigkeiten der KI übertrieben, irreführende Begriffe verwendet oder die tatsächliche Funktionsweise verschleiert. In der Finanzbranche kann KI-Washing besonders problematisch sein, da es zu überhöhten Bewertungen und Kursverlusten führen kann, wenn die KI-Behauptungen sich als falsch herausstellen.

Warum ist KI Washing gefährlich für Anleger?

KI-Washing ist für Anleger eine ernsthafte Gefahr. Unternehmen, die sich fälschlicherweise als KI-Innovatoren präsentieren, können durch übertriebene oder falsche Behauptungen kurzfristig höhere Bewertungen erzielen und Anleger täuschen. Diese künstlich aufgeblähten Aktienkurse drohen jedoch zu fallen, sobald die Täuschung auffliegt, was zu erheblichen Verlusten führen kann. Darüber hinaus kann KI-Washing dazu führen, dass Anleger ihr Geld in Unternehmen investieren, die nicht über die versprochene KI-Technologie verfügen, während wirklich innovative Unternehmen übersehen werden. Dies führt nicht nur zu Fehlinvestitionen, sondern untergräbt auch das Vertrauen in den Markt, da es für Anleger immer schwieriger wird, seriöse KI-Unternehmen von Blenderfirmen zu unterscheiden. Langfristig kann KI-Washing auch den Unternehmen selbst schaden. Durch die Fokussierung auf Marketing statt auf echte Forschung und Entwicklung riskieren sie ihre Wettbewerbsfähigkeit. Zudem drohen ihnen bei Aufdeckung der Täuschung rechtliche Konsequenzen und Reputationsschäden.

Wie können Anleger KI Washing erkennen?

Um sich vor KI Washing zu schützen, sollten Anleger die Marketingaussagen von Unternehmen kritisch hinterfragen und die tatsächliche KI-Kompetenz überprüfen. Verfügt das Unternehmen über erfahrene KI-Experten, wissenschaftliche Publikationen oder Patente? Wurden bereits erfolgreiche KI-Anwendungen entwickelt? Seriöse Unternehmen legen offen dar, wie ihre KI-Technologie funktioniert und welche Probleme sie löst. Sie scheuen sich nicht, Details preiszugeben und unabhängige Experten ihre Technologie bewerten zu lassen. Ein Vergleich mit anderen Unternehmen der Branche und unabhängige Bewertungen können ebenfalls hilfreich sein. Achten Sie auch auf die allgemeine Kommunikation des Unternehmens. Werden übertriebene Versprechungen gemacht oder unrealistische Erwartungen geweckt? Wird der Begriff "KI" inflationär verwendet? All dies können Hinweise auf KI-Washing sein. Durch sorgfältige Recherche und kritische Prüfung können Anleger fundierte Anlageentscheidungen treffen.

Was machen die Aufsichtsbehörden?

Aufsichtsbehörden wie die SEC in den USA oder die BaFin in Deutschland spielen eine entscheidende Rolle im Kampf gegen KI-Washing. Ihre Aufgabe ist es, Anleger zu schützen und faire Marktbedingungen zu gewährleisten. Die SEC hat bereits angekündigt, verstärkt gegen irreführende Angaben von Unternehmen vorzugehen und fordert transparente Informationen sowie konkrete Beweise für KI-Behauptungen. Auch die BaFin beobachtet den Trend genau und prüft die Aufklärungspflichten der Unternehmen gegenüber ihren Anlegern. Um dies zu erreichen, setzen die Behörden auf Transparenzpflichten, die Unternehmen dazu verpflichten, offen über ihren KI-Einsatz zu informieren. Zudem werden Marketingaussagen überprüft, um sicherzustellen, dass sie der Wahrheit entsprechen und nicht irreführend sind. Bei Verstößen drohen den Unternehmen Geldstrafen oder andere Sanktionen. Es ist zu erwarten, dass die Regulierung von KI-Washing in Zukunft noch weiter ausgebaut wird, um den Einsatz von KI transparenter und nachvollziehbarer zu machen.

Nicht alles was glänzt, ist Gold

In einer Zeit, in der sich die Finanzwelt zunehmend mit künstlicher Intelligenz schmückt, ist es für Anleger entscheidend, den wahren Wert hinter dem Hype zu erkennen. Unabhängige Vermögensverwalter spielen hierbei eine entscheidende Rolle. Ihr tiefgreifendes Research und ihre objektive Expertise bieten einen unschätzbaren Schutz vor dem sogenannten KI-Washing. Sie durchschauen die Marketingstrategien und helfen Anlegern, fundierte Entscheidungen zu treffen, die auf tatsächlicher Substanz und nicht auf leeren Versprechungen basieren. In einer Branche, die sich ständig weiterentwickelt, ist diese unabhängige Beratung ein Leuchtfeuer für Anleger, die nach langfristigem Erfolg streben. KI-Washing mag zwar kurzfristig blenden, doch langfristig führt kein Weg an fundierter Analyse und unabhängiger Beratung vorbei - denn nicht alles, was nach künstlicher Intelligenz glänzt, ist auch wirklich Gold.

von Markus Richert, CFP® und Seniorberater Vermögensverwaltung bei der Portfolio Concept Vermögensmanagement GmbH in Köln

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