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26.06.2019 10:23

Wasserstoff - die vergessene Alternative

Vermögensverwalter-Kolumne: Wasserstoff - die vergessene Alternative | Nachricht | finanzen.net
Vermögensverwalter-Kolumne
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Jahrzehnte lang hat die Automobilindustrie Wasserstoff als die Alternative zum klassischen Verbrennungsmotor priorisiert. Ein Elektroantrieb galt quasi als undenkbar.
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Elon Musk hat mit seinem Tesla das Tabu durchbrochen und hochpreisige Elektroautos gesellschaftsfähig gemacht. Das 2015 in Aachen gegründete Unternehmen e.Go, welches vor allem durch die Produktion des Streetscooters für die Post bekannt ist, geht einen anderen Weg und produziert mit e.Go life einen preiswerten, pragmatischen E-Kleinwagen.

Der anhaltende gesellschaftliche Druck, endlich in Sachen Klimaschutz voranzukommen, ist nun auch bei den etablierten Autokonzernen angekommen. Täglich gibt es neue Nachrichten der Unternehmen über Pläne zu Batteriefabriken, höhere Reichweiten und Absatzzahlen neuer E-Fahrzeuge. Umweltschützer kritisieren den Raubbau an der Natur, für die benötigten Rohstoffe Lithium und Kobald, sowie der Tatsache, dass überhaupt nicht so viel Strom aus erneuerbaren Energien erzeugt werden kann, wie die geplanten E-Fahrzeuge verbrauchen werden.

Unabhängig vom Emissionsproblem werden weitere Nachteile der Elektromobilität ausgeblendet:

• Der Schwerlastverkehr ist mit den aktuellen Akkukapazitäten nicht darzustellen

• Nutzer außerhalb der Ballungsgebiete verfügen nicht über die notwendige Infrastruktur

Forscher sind sich einig, dass diese Themen mit der aktuellen Elektrotechnik nicht zufriedenstellend bedient werden können. Ein mit Wasserstoff betriebenes Fahrzeug, welches seinen Treibstoff mit eigener Brennstoffzelle selbst herstellt, könnte eine Alternative sein. Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer bezeichnet die Brennstoffzelle im Auto nach wie vor als hoffnungslos und bei den deutschen Autobauern ist es ebenfalls verdächtig ruhig zu diesem Thema geworden. Dennoch scheint die Brennstoffzelle nicht tot zu sein, ganz im Gegenteil.

Bosch kooperiert mit dem amerikanischen Start Up Nikola Motors (übrigens der Vorname des Erfinders Nikola Tesla) an einem mit Wasserstoff angetriebenen Truck mit einer geplanten Reichweite von 1.300 km. Eine weitere Zusammenarbeit des Stuttgarter Unternehmens gibt es mit dem Chinesischen Motorenhersteller Weichai Power, Chinas größter Produzent für Dieselmotoren. Unter dem Aspekt, dass die chinesische Regierung bis zum Jahr 2030 über eine Million Brennstoffzellenfahrzeuge auf chinesischen Straßen plant, kein unbedeutender Partner.

Der asiatische Nachbar Japan ist hier schon deutlich weiter und verkauft mit dem Toyota Mirai oder dem Honda Clarity serienreife Fahrzeuge mit Brennstoffzellentechnik. Die südkoreanische Hundai Motor Group ist ebenfalls engagiert und plant ab 2030 neben wasserstoffbetriebenen Autos die Motorisierung von Schiffen und Gabelstaplern.

Die Anforderungen in den Aufbau einer entsprechenden Infrastruktur sind ähnlich komplex wie bei der Elektromobilität. Allerdings sind die Nutzungsmöglichkeiten der Wasserstofftechnik, allein schon auf Grund der einfacheren Speichermöglichkeit, weitaus größer und eben nicht auf E-Autos beschränkt.

Japans Ministerpräsident Abe hat eine nationale Wasserstoffstrategie ins Leben gerufen. Bis zum Jahr 2040 soll das Land vollständig auf erneuerbare Energien umgestiegen sein. Neben Brennstoffzellen für Häuser und Autos steht vor allem die Gewinnung von "grünem" Wasserstoff im Fokus.

Mehr im Stillen als früher forschen und entwickeln weltbekannte Unternehmen, wie zum Beispiel Panasonic mit dem deutschen Familienunternehmen Viessmann im Bereich Brennstoffzellenheizung für private Wohnhäuser. Siemens und der österreichischen Stahlhersteller Voestalpine arbeiten mit dem Netzbetreiber Austrian Power an einer Anlage zur Herstellung "grünen" Wasserstoffs. Bei der Batterieherstellung liegt die primäre Wertschöpfung im möglichst billigen Einkauf der Rohstoffe. Eine Disziplin, die die Chinesen derzeit am besten verstehen. Bei der Brennstoffzelle geht es um Ingenieurskunst, was wiederum eine der herausragenden Eigenschaften der deutschen Industrie ist. E-Technik mag zurzeit mehr en vogue sein, als Brennwerttechnik, vielleicht auch durch staatliche Förderprogramme und die anhaltenden Proteste aus der jungen Bevölkerung. Sie allein wird den Klimawandel nicht aufhalten können. Auch wenn Brennwerttechnik noch nicht wirtschaftlich betrieben werden kann - das waren die erneuerbaren Energien aus Wind und Solar am Anfang auch nicht und mussten subventioniert werden- , das hohe Engagement, vor allem der asiatischen Industrienationen lässt das künftige Potential dieser Technik erahnen.

Für langfristig orientierte Anleger kann jetzt ein guter Zeitpunkt sein, Unternehmen, die sich mit Wasserstoff und Brennwerttechnik beschäftigen in das Portfolio aufzunehmen. Das Angebot an Fonds ist überschaubar, da das Thema noch keinem Trend entspricht. Meist handelt es sich um breit diversifizierte Fonds für neue Energien, wie zum Beispiel der JSS Multi Label New Energy (LU0121747215) oder der DNB Fund Renewable Energy (LU0302296149). Lyxor bietet mit dem Lyxor New Energy UCITS (FR0010524777) einen ETF auf Referenzindex World Alternative Energy an. Wem dies zu ungenau ist, kann sich an dem neu eingerichteten E- Mobilität Wasserstoff Index orientieren. Dieser bildet aktuell u.a. Unternehmen wie Linde, Air Liquide, Nel ASA oder Ballard Power ab.

von Ralph Rickassel, PMP Vermögensmanagement in Düsseldorf, eine Niederlassung der Donner & Reuschel Lux S.A.

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Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

Bildquellen: Anusorn Nakdee / Shutterstock.com

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Oskar

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