30.03.2020 13:22

'Wirtschaftsweise': Schwere Rezession durch Corona-Krise unvermeidbar

Virus-Sorgen: 'Wirtschaftsweise': Schwere Rezession durch Corona-Krise unvermeidbar | Nachricht | finanzen.net
Virus-Sorgen
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Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise sind bereits jetzt dramatisch - wie schlimm aber wird es noch, was kann die Politik noch tun?
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Die "Wirtschaftsweisen" halten eine schwere Rezession in Deutschland durch die massiven Folgen der Coronavirus-Krise für unvermeidbar. Die deutsche Wirtschaft werde 2020 deutlich schrumpfen, heißt es in einem am Montag vorgelegten Sondergutachten des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung.

Wie schlimm es genau kommt, sei derzeit wegen großer Unsicherheiten unklar. "Entscheidend für die wirtschaftliche Entwicklung dürfte sein, ob es gelingt, die Ausbreitung des Corona-Virus effektiv zu bekämpfen, sodass die verschiedenen Einschränkungen sozialer und wirtschaftlicher Aktivitäten schnell aufgehoben werden können", schreiben die Ökonomen in ihrem Gutachten.

Der Sachverständigenrat als Beratergremium der Bundesregierung legt drei denkbare Szenarien zugrunde. "In allen drei Szenarien beendet die Ausbreitung des Corona-Virus die sich abzeichnende konjunkturelle Erholung abrupt, sodass eine Rezession im ersten Halbjahr 2020 in Deutschland nicht zu vermeiden sein wird."

Als derzeit wahrscheinlichste Entwicklung sehen die Ökonomen eine Normalisierung der wirtschaftlichen Lage über den Sommer, so dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) unter dem Strich in diesem Jahr um 2,8 Prozent schrumpft. Zum Vergleich: 2009 war die größte europäische Volkswirtschaft infolge der globalen Finanzkrise um 5,7 Prozent eingebrochen.

In den beiden ungünstigeren Szenarien wäre aus Sicht der Wirtschaftsweisen ein tieferer Einbruch 2020 denkbar, dem unter Umständen eine nur sehr schleppende Erholung 2021 folgt. Dieses Szenario in Form eines "langen U" könnte eintreten, wenn die gesundheitspolitischen Maßnahmen über den Sommer hinaus andauern und die wirtschaftliche Erholung sich erst im Jahr 2021 einstellt. "Die getroffenen Politikmaßnahmen reichen dann womöglich nicht aus, tiefgreifende Beeinträchtigungen der Wirtschaftsstruktur zu verhindern." Das BIP würde in einem solchen Szenario um 4,5 Prozent schrumpfen. Im Jahr 2021 würde die Wirtschaftsleistung den Berechnungen zufolge mit 1,0 Prozent nur sehr langsam wachsen.

'Wirtschaftsweise': Schon jetzt über Konjunkturprogramm nachdenken

Die Bundesregierung sollte aus Sicht der "Wirtschaftsweisen" bereits jetzt überlegen, mit welchen Maßnahmen sie die Konjunktur nach einer Eindämmung der Corona-Pandemie wieder ankurbeln will. "Während die gesundheitspolitischen Einschränkungen zur starken sozialen Distanzierung noch in Kraft sind, könnte eine Ankündigung nachfrageseitiger Maßnahmen bereits positive Erwartungseffekte und Finanzmarktreaktionen auslösen", heißt es in einem Sondergutachten, das der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung am Montag vorgelegt hat.

"Dazu müssen die Maßnahmen glaubwürdig die Einkommen der Haushalte und die Gewinne der Unternehmen nach Aufhebung der Einschränkungen erhöhen", fordern die Ökonomen. "Die Maßnahmen selbst sollten jedoch erst mit Auslaufen der Einschränkungen in Kraft treten."

Die derzeit drei Wirtschaftsforscher, die die Bundesregierung in ökonomischen Fragen beraten, halten zwar eine schwere Rezession in Deutschland durch die massiven Folgen der Coronavirus-Krise für unvermeidbar. Sollten die aktuellen massiven Einschränkungen in Wirtschaft und öffentlichem Leben nicht allzu lange anhalten, halten sie aber auch eine relativ schnelle Erholung der deutschen Wirtschaft für wahrscheinlich. "Es ist nicht wie in einem Krieg, wo der Kapitalstock zerbombt wäre und die Arbeiter an der Front sind", sagte der Wirtschaftsweise Volker Wieland.

'Wirtschaftsweise': Keine Alternative zu 'Shutdown' in Coronakrise

Die massiven Einschränkungen des öffentlichen Lebens und der Wirtschaft in der Coronakrise sind aus Sicht der "Wirtschaftsweisen" unausweichlich. Man dürfe jetzt nicht Wirtschaft und Gesundheit gegeneinander aufrechnen, sagte der Vorsitzende des Expertengremiums, Lars Feld, am Montag. "Die Einsicht des Einzelnen ist sehr wichtig in dieser Situation."

In der Corona-Pandemie hatte beispielsweise US-Präsident Donald Trump erst in der vorigen Woche gewarnt, dass die wirtschaftlichen Folgen der weitreichenden Maßnahmen zur Bekämpfung der Coronavirus-Epidemie "ein Land zerstören" könnten. Die weitgehende Stilllegung des öffentlichen Lebens und die Schließung von Geschäften sei für die Wirtschaft verheerend, hatte Trump erklärt.

Der "Wirtschaftsweise" Volker Wieland sagte zu dieser Haltung: "Ich sehe nicht, welche Alternative es gegeben hätte, ich halte das auch für zynisch." Die Beispiele Italiens und der USA, wo sich die Zahl der Corona-Infizierten und der Todesopfer aktuell massiv erhöht, zeigten, "dass man das nicht laufen lassen kann".

/hoe/kf/DP/jkr

BERLIN/WIESBADEN (dpa-AFX)

Bildquellen: Anna Stasia / Shutterstock.com
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