03.06.2022 15:20

Börse Frankfurt-News: Renditen auf Mehrjahreshochs (Anleihen)

Börse Frankfurt-News: Renditen auf Mehrjahreshochs (Anleihen) | Nachricht | finanzen.net
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FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - Auch die EZB ist nun offenbar bereit, die geldpolitischen Zügel straffer zu ziehen. Die Fed ist längst dabei. Die Folge: deutlich höhere Renditen. Im Handel mit Unternehmensanleihen bleibt die Immobilienbranche unter Druck.

3. Juni 2022 Frankfurt (Börse Frankfurt). Dass nun auch die EZB auf die Bremse treten will, setzt dem Anleihemarkt zu. "Der Markt zeigte sich im Vergleich zur Vorwoche deutlich leichter, die Renditen erhöhten sich weiter", erklärt Tim Oechsner, Händler bei der Steubing AG.

Die Bundrenditen sind mittlerweile auf Mehrjahreshoch geklettert. "Haupttreiber sind die rekordhohen Inflationsraten und überraschend positive US-Konjunkturdaten", erklärt Anleihenanalyst Hauke Siemßen von der Commerzbank. Diese hätten die Wachstumssorgen wieder etwas zurückgedrängt und somit schnellere Zinserhöhungen in den USA wahrscheinlicher gemacht.

"EZB-Zinserhöhung um 50 Basispunkte? Eher unwahrscheinlich"

Der Zinsanstieg ist beträchtlich: Die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen liegt am Freitagmorgen bei 1,22 Prozent. Am gestrigen Donnerstag war sie mit 1,24 Prozent sogar auf den höchsten Stand seit rund acht Jahren gestiegen. Zum Vergleich: Ende 2021 waren es noch minus 0,18 Prozent. In den USA sieht es ähnlich aus: Dort rentieren zehnjährige Treasuries aktuell mit 2,92 Prozent nach 1,51 Prozent Ende 2021 - fast eine Verdopplung.

Klar ist: Die Notenbanken wollen handeln, die Inflationsraten sind einfach zu hoch. Diese Woche wurde die Teuerungsrate für die Eurozone im Mai veröffentlicht: Mit 8,1 Prozent lag sie so hoch wie noch nie seit Einführung der Gemeinschaftswährung. Am Markt wird erwartet, dass der EZB-Rat auf seiner Sitzung am kommenden Donnerstag das Einstellen der Anleihekäufe zum Beginn des dritten Quartals bekannt geben wird. Mit einem Zinsschritt wird noch nicht gerechnet. Im Juli soll es aber losgehen, im September soll ein zweiter Zinsschritt folgen. Bis Ende des Jahres sind nun 125 Basispunkte höhere Zinsen eingepreist.

"Ob es im Juli einen Schritt um 25 oder 50 Basispunkte wird, dazu gibt es widersprüchliche Aussagen von Ratsmitgliedern", stellt Ralf Umlauf von der Helaba fest. "Sind 50 Basispunkte erforderlich und wünschenswert? Ja. Sind sie wahrscheinlich? Aus der Historie der EZB eher nein."

Warten auf US-Arbeitsmarktbericht

Für die USA wird mit einer Erhöhung um 50 Basispunkte in diesem Monat und im Juli gerechnet. Mit Spannung wird dennoch dem heute zur Veröffentlichung anstehenden Arbeitsmarktbericht für Mai entgegengesehen. Den Analysten der Deutschen Bank zufolge dürfte neben dem Beschäftigungszuwachs auch die Wachstumsrate der durchschnittlichen Stundenlöhne interessant sein. "Sollte sich eine Entspannung der Lohnwachstumsrate und eine Verlangsamung des Beschäftigungszuwachses abzeichnen, könnten die Notenbanker in der zweiten Jahreshälfte erwägen, die Geschwindigkeit ihrer Zinsschritte wieder zu reduzieren."

Immobilienbranche weiter angeschlagen

Im Handel mit Unternehmensanleihen setzen die Probleme des Immobilieninvestors Adler Group, aber auch die steigenden Zinsen der Immobilienbranche weiter zu. "Der Druck auf den Immobiliensektor hält an", stellt Oechsner fest. Angeschlagen bleibt die Anleihe des strauchelnden Immobilien-Investmentmanagers Corestate Capital (DE000A19SPK4), die allerdings Boden gefunden hat und nun zwischen 31 und 36 Prozent notiert. "Käufer kommen rein, Umsätze sehen wir allerdings nicht."

Auch grundsätzlich gut dastehende Unternehmen werden abgestraft bzw. leiden unter dem Zinsanstieg. Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank meldet Verkäufe für die Anleihe des Frankfurter Immobilienunternehmens DIC Asset, die noch bis 2023 läuft und 3,5 Prozent abwirft (DE000A2NBZG9). Allerdings wird das Papier immer noch knapp unter 100 Prozent gehandelt.

"Kein Grund für Kauf von Ekosem-Anleihen"

Neues kam diese Woche von Ekosem-Agrar, der deutschen Holding der auf Milchproduktion in Russland ausgerichteten Unternehmensgruppe Ekoniva. Ekosem ist aufgrund des Ukraine-Kriegs in Schwierigkeiten geraten und hatte um Laufzeitverlängerung gebeten. Auf den zweiten Anleihegläubigerversammlungen Ende Mai haben die Anleihehalter nun mit über 99 Prozent für die Restrukturierung der Anleihen (DE000A1R0RZ5, DE000A2YNR08) gestimmt. "Für beide Papiere werden die Zinssätze auf 2,5 Prozent verringert und die Laufzeiten um jeweils fünf Jahre verlängert", erklärt Daniel. Die Differenz zwischen dem ursprünglichen und dem auf 2,5 Prozent reduzierten Zins soll am Laufzeitende ausgezahlt werden, zusätzlich zum nominalen Rückzahlungsbetrag. "Als Grund für den Kauf der Anleihen wird das allerdings nicht gesehen."

Raus aus Semper Idem, Käufe und Verkäufe bei Axa und Eusolag

Abgaben meldet Daniel außerdem für Anleihen von Semper idem Underberg mit Kupon von 4 Prozent und Fälligkeit 2025 (DE000A2YPAJ3), Käufe und Verkäufe hingegen für eine Axa-Hybridanleihe mit 3 Prozent-Kupon (XS0210434782).

Rege Umsätze auf der Geld- und Briefseite zu Kursen um 100 Prozent beobachtet Oechsner für den Bond des Photovoltaik-Anlagenspezialisten Eusolag European Solar, der bis 2027 läuft und einen Kupon von 6,25 Prozent bietet (DE000A3MQYU1).

Ebenfalls einiges um geht in den Nullkuponanleihen der Veragold Mining Company, deren Rückzahlung Ende dieses Jahres an den Goldpreis gebunden ist (DE000A2TR091). "Der Kurs ist zuletzt gestiegen auf aktuell 55,75 Prozent, allerdings ist das eine hochspekulative Anlage", bemerkt Oechsner.

Neuemissionen von Actaqua und PNE

Noch bis zum 7. Juni kann eine Neuemission der Actaqua AG (DE000A3MQVL6) gezeichnet werden, fällig 2027 und mit Kupon von 7 Prozent. Mit dem Geld aus der Anleihe will Actaqua weiter wachsen. Das Unternehmen arbeitet im Bereich der intelligenten Gebäudetechnik und setzt dabei die Cloud und künstliche Intelligenz ein, um wasserführende Systeme zu optimieren.

Außerdem startet laut Daniel am Dienstag die Zeichnungsfrist für eine Anleihe der PNE AG, einem Entwickler und Betreiber von Erneuerbare-Energie-Kraftwerken. Die Anleihe soll ebenfalls bis 2027 laufen. Die Kuponspanne wird auf 4,5 bis 5,25 Prozent beziffert, die genaue Höhe wird während der Angebotsfrist festgelegt.

von: Anna-Maria Borse 3. Juni 2022, © Deutsche Börse AG

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

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