EZB/Lautenschläger: Langsamer Exit wird das nächste große Ereignis
Von Hans Bentzien
FRANKFURT (Dow Jones)--EZB-Direktorin Sabine Lautenschläger ist ungeachtet der aktuellen Verwerfungen an den Anleihemärkten zuversichtlich, dass die Europäische Zentralbank demnächst ein schrittweises Ende ihrer Nettokäufe von Staatsanleihen beschließen wird. "Juni könnte der Monat werden, in dem wir ein für alle Mal beschließen, Ende dieses Jahres die Nettoanleihekäufe zu beenden", sagte Lautenschläger laut vorab verbreitetem Redetext in Frankfurt. Sie fügte hinzu: "Das wird das nächste große Ereignis."
Im Tagesverlauf waren die Renditen italienischer Staatsanleihen dramatisch gestiegen, was den Gouverneur der Banco d'Italia zu dem Appell an die Finanzmärkte veranlasste, nicht in Panik zu verfallen. Die EZB kauft derzeit monatlich Anleihen für 30 Milliarden Euro, darunter auch italienische, und zwar im Einklang mit dem Anteil Italiens am eingezahlten EZB-Kapital. Damit schafft sie eine künstliche Nachfrage nach diesen Papieren, was deren Renditen senkt und damit auch die Finanzierungskosten von Regierungen und Unternehmen. Eine Anhebung des italienischen Anteils ist nicht möglich.
Eine Erhöhung des Ankaufvolumens insgesamt würde auf technische Schwierigkeiten stoßen, weil sich bald ein Drittel der ausstehenden deutschen Bundesanleihen in Zentralbankbesitz befindet. Diesen Wert darf die EZB nicht überschreiten.
Lautenschlägers Äußerungen deuten darauf hin, dass die EZB den Anstieg von Staatsanleiherenditen und Renditeabständen zwischen den Anleihen einzelner Länder nicht dramatisieren will. Im Tagesverlauf war die Rendite zehnjähriger italienischer Staatsanleihen um über 40 Prozent gestiegen - auf 3,345 Prozent, von 2,355 Prozent am Morgen. Auch die Renditen der meisten anderen Eurozone-Staaten stiegen, während die deutscher Bundesanleihen sanken.
Auslöser der höheren Renditen waren offenbar Befürchtungen an den Finanzmärkten, dass die in Italien anstehenden Neuwahlen zu einem Votum gegen den Euro werden könnten. Viele Italiener kritisieren, dass ihr Land den Regeln der Währungsunion und dem Urteil der Ratingagenturen ausgeliefert sei. Bei den Wahlen im März, die bisher keine neue Regierung hervor gebracht haben, hatten sie überwiegend euroskeptische Parteien gewählt.
Am Wochenende war die Bildung einer neuen Regierung am Widerstand von Staatspräsident Sergio Mattarella gegen einen euroskeptischen Kandidaten für das Amt des Finanzministers gescheitert. Die Ratingagentur Moody's hatte am Freitag mitgeteilt, dass sie eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit Italiens prüfe.
Sabine Lautenschläger wies in ihrer Rede darauf hin, dass es nicht Aufgabe der EZB sei, die strukturellen Probleme des Euroraums zu lösen. "Es ist Zeit für die Politik, zu handeln und die Reformwiderstände zu überwinden und zu tun, was getan werden muss", sagte sie.
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May 29, 2018 12:34 ET (16:34 GMT)